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München - SPORT1-Experte Manuel Wilhelm analysiert die Gründe für die Niederlage gegen Spanien. Gegen Russland (So. LIVE im TV auf SPORT1) lässt er keine Ausreden gelten.

Hallo Rugby-Fans,

die Niederlage gegen die Spanier war kein großer Rückschlag für die deutsche Nationalmannschaft. Wir hatten uns vorgenommen, zwei der drei Heimspiele zu gewinnen und liegen daher voll im Soll (So schafft es Deutschland zur WM).

Natürlich kann man aber mit der Art und Weise der Niederlage nicht zufrieden sein. Die erste Halbzeit haben wir komplett verpennt und uns nicht an das Konzept gehalten. In der zweiten Hälfte hat die Mannschaft dann gezeigt, dass wir mit den Spaniern auf Augenhöhe spielen können – da war das Spiel aber leider schon verloren.

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Es gibt keine Ausreden

Im Vergleich zu den starken Auftritten gegen Belgien und Rumänien hat diesmal einfach etwas der Glaube an die eigenen Stärken gefehlt. Die Posse um die Freistellungen und die vielen Verletzten haben der Mannschaft zusätzlich zugesetzt.

Zwar haben die Spanier auch einige Spieler vermisst, doch ihr Kader besitzt eine viel größere Tiefe. Im Gegensatz zu uns können sie daher auch hochkarätige Ausfälle gleichwertig ersetzen – so weit sind wir leider noch nicht.

Gegen Russland (So. ab 11.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+, im STREAM und via Facebook LIVE) müssen wir das abhaken, denn die Verletzungssorgen sind nicht geringer worden. Wir haben gewusst, dass es eine harte Hinrunde wird und die Russen haben ebenfalls vier Spiele im Gepäck – es gibt also keine Ausreden.

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Ausgangslage hat sich verändert

Wir fahren zum Spiel nach Russland und versuchen uns bestmöglich zu verkaufen. Die Ausgangslage hat sich aber verändert. Als wir vor zwei, drei Wochen noch in Bestbesetzung waren und die Russen schwächelten, hätte ich gesagt: 'Wir fahren da mit breiter Brust hin und schlagen die Russen.'

Russland hat sich nun jedoch gesteigert, während wir zuletzt ein bisschen schwächelten. Die letzten Spiele gegen Russland waren immer eng und einen ähnlichen Verlauf erwarte ich auch dieses Mal.

Die Russen sind eine sehr fitte und eingespielte Mannschaft. Fast alle kommen aus der russischen Profiliga - das heißt, die Jungs kennen sich in- und auswendig. Ihnen fehlt aber etwas internationale Matchpraxis.

Zwei Heimsiege als Ziel

Ich hoffe, dass wir in Bestbesetzung im Sturm etwas stärker als die Russen sind. Auch bei den Standardsituationen sehe ich uns knapp vorn. Ein Sieg wäre enorm wichtig, denn dann würden wir mit Rumänien und Spanien das Dreigestirn an der Spitze der WM-Qualifikation bilden.

Aber selbst eine Niederlage würde uns nicht umwerfen, da wir unser Ziel mit zwei Heimsiegen erreicht haben. Wir wollen in der Rückrunde wieder mindestens drei von fünf Spielen gewinnen. Das war die Marschroute und daran werden wir uns am Ende messen lassen.

Wir sind insgesamt ein sehr ausgeglichenes Team, das aber in allen Bereichen noch besser werden kann. Andere Teams würden über uns wahrscheinlich nicht sagen, dass wir etwas überhaupt nicht können, aber wir sind auch noch nirgendwo Weltklasse.

Unser Ziel für die Zukunft ist es, unser allgemeines Level weiter zu heben. Die größte Hausaufgabe wird dabei sein, dass wir mehr Tiefe in unseren Kader bekommen. Wir brauchen einfach mehr Spieler auf sehr hohem Niveau. Trotzdem ist die WM-Qualifikation auch jetzt schon definitiv drin.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Manuel Wilhelm

Manuel Wilhelm (36) hat 46 Länderspiele für die deutsche Rugby-Nationalmannschaft absolviert und ist mittlerweile Sportdirektor beim DRV. Mit der RG Heidelberg wurde er als Zweite-und Dritte-Reihe-Stürmer zweimal Deutscher Meister (2006, 2007), Pokalsieger (2004) sowie insgesamt siebenmal Deutscher Meister im olympischen 7er-Rugby. Daneben spielte er für den SC Neuenheim und CAU Valencia in Spanien. Bei SPORT1 begleitet er als Co-Kommentator die Spiele der Nationalmannschaft und beleuchtet in seiner Kolumne auf SPORT1.de das Rugby-Geschehen.

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