vergrößernverkleinern
Schwimm-Star Michael Phelps ist zurück im Becken
Michael Phelps hat 18 Goldmedaillen bei Olympischen Spielen gewonnen © Getty Images

München - Michael Phelps schöpft aus der Zwangspause nach seiner Alkoholfahrt neue Kraft und kehrt zurück. Nach Olympia 2016 ist aber wohl endgültig Schluss.

18 Olympiasiege, insgesamt 22 Medaillen auf der größten Bühne der Sportwelt, dazu 26 WM-Titel - Michael Phelps ist schon jetzt eine lebende Legende.

Doch die golden glänzende Fassade des erfolgreichsten Schwimmers aller Zeiten hat schon einige Kratzer abbekommen. Zuletzt im Herbst 2014: Nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss wird der Rekordolympiasieger zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Der US-Verband sperrt Phelps für ein halbes Jahr, an der WM 2015 im russischen Kasan (24. Juli bis zum 9. August) darf er nicht teilnehmen.

Jetzt meldet sich Phelps zurück. Am 15. April werde er beim Grand Prix in Mesa/Arizona an den Start gehen, verkündete er auf der Münchner Sportartikelmesse Ispo.

Die Zwangspause hat dem Mann aus Baltimore sichtlich gut getan. "Ich fühle mich wieder richtig jung, mir bereitet das Schwimmen so viel Freude wie noch nie zuvor", sagte der Ausnahmeschwimmer: "Ich fühle mich im Wasser wie ein Kind."

Michael Phelps gibt im April sein Comeback
Michael Phelps gibt im April sein Comeback © Getty Images

Mit diesem neuen Elan will es Phelps nochmal wissen. Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro sind das große Ziel, auch wenn er sich zum sportlichen Highlight nicht konkret äußern wollte: "Nach den ersten Wettkämpfen werden wir weitersehen."

Nach 2016, das deutete Phelps auf SPORT1-Nachfrage am Freitag an, ist dann aber wohl endgültig Schluss.

Aus Fehltritten gelernt

Bis der erfolgreichste Schwimmer aller Zeiten dann aber von der Bühne abtritt, hat er noch etwas zu beweisen. Denn die Trunkenheitsfahrt 2014 mit 1,4 Promille war nicht der erste Fehltritt von "Baltimore Bullet". Bereits 2004 wurde er mit Alkohol am Steuer erwischt und zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. 2010 räumte er zudem ein, mit einer Wasserpfeife Drogen geraucht zu haben. Der US-Schwimmverband sperrte ihn für drei Monate.

Nach der neuerlichen Strafe im Oktober gelobte Phelps Besserung. "Das ist nicht mein erster Fehler und ich bin sehr enttäuscht von mir", erklärte er: "Ich werde mich für einige Zeit zurückziehen und an einem Programm teilnehmen, dass mir dabei helfen wird, mich besser zu verstehen."

Und statt seine ruhmreiche Karriere so unrühmlich zu beenden, schöpfte Phelps aus der erzwungenen Auszeit neue Kraft. Kraft für ein erneutes Comeback, nachdem bereits 2012 zum ersten Mal zurückgetreten war.

"Mir ist einfach der Saft ausgegangen"

Nach den Sommerspielen in London sah er seine Körner aufgebraucht. Der Mann, der alleine bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 acht Goldmedaillen abgesahnt hatte, wollte nicht mehr.

Michael Phelps gab bereits sein erstes Comeback 2014 in Mesa/Arizona
Michael Phelps gab bereits sein erstes Comeback 2014 in Mesa/Arizona © Getty Images

Dazu trugen auch Fehler in der Trainingsarbeit bei. "Ich versuche jetzt, wieder eine Grundfitness aufzubauen", erklärte Phelps: "Zwischen 2009 und 2012 hatte ich keine wirkliche Basis. Ich habe nur davon gezehrt, was ich mir davor aufgebaut hatte. Am Ende ist mir einfach der Saft ausgegangen. Wir sagen immer: Im Training schaffen wir Geld auf unser Bankkonto. Ende 2012 war mein Konto ziemlich leer."

628 Tage ist er raus aus dem Schwimmzirkus, dann gibt er im April 2014 sein Comeback. In Mesa, wo er auch jetzt wieder zurückkehren wird. Und er steigt wieder gern ins Becken. Wie schwer ihm das zwischenzeitlich fiel, wird im Rückblick klar.

"Es gab eine Zeit in meiner Karriere, in der ich nur gehofft habe, ans Ende des Tunnels zu kommen und aufzuhören", blickt er zurück: "Das ist jetzt anders. Ich bin wieder glücklich im Wasser. Diese Begeisterung hatte ich lange nicht. Ich fühle mich wieder wie ich."

Nach Rio 2016 endgültig Schluss?

Sportlich begleiten den Ausnahmeathleten allerdings heute wie 2014 auch Fragezeichen. Seit dem Comeback kam er noch nicht an seine überragende Form früherer Tage heran, schaffte aber die sportliche Qualifikation für die WM und schwamm über 100 Meter Schmetterling die Weltjahresbestzeit.

Dann kam die erneute Trunkenheitsfahrt und zu eineinhalb Jahren ohne Wettkampf zwischen 2012 und 2014 gesellten sich weitere sechs Monate. Dass er nun - revitalisiert und glücklich wie nie - auch noch die WM verpasst, wurmt Phelps.

"Natürlich ist es sehr frustrierend, dass ich bei meinen letzten Weltmeisterschaften nicht starten kann", sagte Phelps auf SPORT1-Nachfrage und deutete damit sein Karriereende nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro an. Die nächste WM findet 2017 in Guadalajara/Mexiko statt.

Frust als Extramotivation

Auch wenn Phelps eine klare Aussage zu den Spielen in Rio vermeidet, dürfte Olympia mit der Extramotivation sein großes Ziel sein.

Den Frust über Sperre und verpasste WM will Phelps hinter sich lassen. "Ich würde gerne bei der WM starten, aber es ist, wie es ist. Jeder wird mal vor Hindernisse gestellt. Manchmal muss man einen anderen Weg gehen. Das muss ich akzeptieren", sagt er auf SPORT1-Nachfrage.

Im August stehen die US-Meisterschaften dick eingekreist als Highlight in seinem Kalender. "Dort will ich schnell sein", sagt Phelps, der sich auf die Möglichkeit freut, sich in seiner Heimat zurückzumelden.

Nach schwindelerregenden Höhen und schmerzhaften Tiefen ist er bereit, ein neues, das letzte Kapitel seiner Karriere aufzuschlagen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel