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Franziska Van Almsick macht sich Sorgen um den deutschen Schwimmsport
Franziska Van Almsick macht sich Sorgen um den deutschen Schwimmsport © Getty Images

Kasan - Ex-Weltmeisterin Franziska van Almsick sorgt sich um die Zukunft des deutschen Schwimmsports. Bei der WM stehe viel auf dem Spiel. Und Biedermann werde dünnhäutiger.

Franziska van Almsick muss es wissen. Sie war einst der große Schwimmstar in Deutschland, heute arbeitet die ehemalige Weltrekordlerin als Expertin für die ARD.

Auch bei der WM in Kasan wird van Almsick die Leistungen der deutschen Beckenschwimmer um Paul Biedermann analysieren. Doch wie lange noch? Van Almsick weiß, dass die Übertragung im Fernsehen und damit auch die Zukunft der Sportart eng an Erfolge geknüpft sind.

"Es steht viel auf dem Spiel"

"Wenn wir die breite Aufmerksamkeit durch die Unterstützung der öffentlich-rechtlichen Sender verlieren, weil wir nicht mehr in der Lage sind, Erfolge abzuliefern, dann wäre das eine Tragödie", sagte die 37-Jährige.

Die zweimalige Weltmeisterin warnte daher mit Blick auf die WM und Olympia in einem Jahr in Rio: "Es steht viel auf dem Spiel für den deutschen Schwimmsport."

Als warnendes Beispiel nannte van Almsick die Sportart Tennis, die nach den großen Erfolgen von Boris Becker und Steffi Graf heute kaum noch wahrgenommen würde. "Wir dürfen uns nicht auf dem Erbe der 90er-Generation ausruhen, die durch ihren Erfolg den Sport so interessant gemacht hat", forderte "FvA".

Verbandspräsidentin widerspricht van Almsick

Verbandspräsidentin Christa Thiel widerspricht dem jedoch. "Ich glaube, das Interesse an der Sportart ist ungebrochen, auch wenn die TV-Quote mal nicht so stimmt", sagte die Chefin des Deutschen Schwimm-Verbandes.

Thiel weiß jedoch auch, dass Medaillen die Verhandlungen mit den TV-Partnern einfacher machen: "Das Interesse wird natürlich anders befeuert, wenn wir Stars haben, so wie es Franziska und Britta Steffen einmal waren."

Momentan ist Weltrekordler Biedermann das größte Zugpferd des DSV, die Chancen des in dieser Saison überzeugenden Hallensers auf eine Medaille über 200 m Freistil stehen gut.

Schwimm-Frauen enttäuschen van Almsick

Doch die Rolle des Leitwolfs nimmt Biedermann, der sich mit Freundin Britta Steffen von der Öffentlichkeit weitestgehend abschottet, zumindest nach Außen nicht an.

"Vielleicht hat er auch nicht mehr die ganz dicke Haut, die er am Anfang der Karriere hatte, als er ganz lässig neben Michael Phelps stand und auf jedes Duell absolut heiß und scharf war", sagte van Almsick.

Traurig stimmt die gebürtige Berlinerin die Entwicklung bei den deutschen Schwimm-Frauen, die bis auf Dorothea Brandt und Franziska Hentke den Anschluss an die Weltspitze verloren haben. "Ich muss gestehen, dass ich da leichte Tränen im Auge habe", sagt van Almsick: "Zu meiner Zeit sind wir den Männern weggeschwommen und haben denen gezeigt, wo es lang geht."

Freistilstaffel verfehlt WM-Norm

Dass die deutsche 4x100-m-Freistilstaffel die Normzeit für die WM nicht erreicht hat, sei bezeichnend. "Bei deutschen Meisterschaften haben wir damals die Staffelplätze ausschwimmen müssen, das waren fast europameisterschaftswürdige Finals", sagte van Almsick.

Sie habe eine klare Meinung, "was im Verband verändert werden muss", doch konkret darauf eingehen will der frühere Schwimmstar öffentlich noch nicht: "Sonst heißt es wieder: Van Almsick sorgt vor der WM für Rambazamba."

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