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Open Water Swimming - 16th FINA World Championships: Day Six
Isabelle Härle, Rob Muffels und Christian Reichert feiern die Goldmedaille © Getty Images

Isabelle Härle, Rob Muffels und Christian Reichert sorgen für das nächste Edelmetall bei der WM. Auch ohne einen Top-Star reicht es für Gold. Am Ende wird kurz gezittert.

Isabelle Härle mummelte sich in ihren Kapuzenpulli, Rob Muffels hüpfte aufgeregt auf und ab, und Christian Reichert zuckte fragend die Schultern.

Zwölf bange Minuten mussten die deutschen Freiwasserschwimmer im Regen von Kasan warten, ehe sie endlich über Team-Gold jubeln durften. "Das war nervenaufreibend - nicht ganz optimal", gab Härle nach dem WM-Triumph mit Nachspielzeit zu. 

Auf der Anzeigetafel waren die Brasilianer, die im Kampf gegen die Uhr knapp vier Minuten nach ihnen angeschlagen hatten, nicht aufgetaucht. Erst mit Verspätung gab es Gewissheit: Die deutschen Titelverteidiger lagen nach fünf Kilometern in 55:14,4 Minuten 16,8 Sekunden vor den zeitgleichen Brasilianern und Niederländern. 

Freiwasser-Team holt dritte Medaille

Als bei der Siegerehrung erstmals in Kasan die deutsche Hymne ertönte, lachte die Sonne wieder. Und auch Härle, die zur Halbzeit "mehr als am Limit" war, fand ihren Humor wieder: "Ich konnte nicht aufhören. Die Jungs hätten mich rausgezogen und verkloppt."

Auch ohne Rekordweltmeister Thomas Lurz bescherten die Freiwasserschwimmer dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) drei Medaillen - die bislang einzigen.

Lurz, der Härle und Reichert vor zwei Jahren im Hafen von Barcelona zum ersten Teamtitel geführt hatte, gratulierte aus der Heimat" Super, geiles Ding! Isi war mal wieder super schnell."

Lob von Bundestrainer Lurz

Das Rennen war optimal gelaufen: Schon nach der ersten Geraden hatte das DSV-Trio die 30 Sekunden zuvor gestarteten US-Schwimmer eingeholt.

Nach der ersten der beiden Runden hatten die Drei bereits eine halbe Minute gegenüber dem Europameister und Mitfavoriten Niederlande gutgemacht und lagen nach der Zwischenzeit vorne. "Sie haben das Ding optimal gerockt", lobte Bundestrainer Stefan Lurz. 

Bangen im Ziel

Die Rolle seines Bruders zwischen Reichert und Härle übernahm diesmal der 20-jährige Muffels, der zum Auftakt bereits Silber über fünf Kilometer gewonnen hatte. "Es hat super funktioniert", sagte der Magdeburger: "Dabei haben wir gar nicht so viel geübt."

Auch bei den Überholmanövern gab es kaum Probleme. Weil erstmals mit nur 30 Sekunden Abstand gestartet wurde, war das Gedränge auf der Strecke größer als in der Vergangenheit. "Es ist alles perfekt aufgegangen", meinte Reichert, "wir sind die ganze Zeit hart am Limit geschwommen." Am Ende hatten die Deutschen fünf Teams überholt.

Als Härle und Co. angeschlagen hatten, waren von den gefährlichen Konkurrenten nur noch die Brasilianer auf der Strecke. Bei deren Zieleinkunft setzte die Zeitnahme aus - und das Bangen
begann.

"Eigentlich haben wir gewusst, dass es Gold ist", sagte Bundestrainer Lurz: "Aber wenn die Zeitmessung ausfällt, ist man doch ein bisschen hibbelig." Das bange Warten lohnte sich: Wie vor zwei Jahren gab es den WM-Titel - den ersten nach Thomas Lurz.

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