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Team Germany Kitting Out
Antje Buschschulte hat in einer Kolumne ihre Sicht auf das Abschneiden der deutschen Schwimmer in Rio geschildert © Getty Images

Ex-Schwimm-Größe Antje Buschschulte übt in einer Kolumne Kritik am Deutschen Schwimm-Verband DSV. Dessen Versäumnisse seien die Ursache für das Abschneiden in Rio.

Die frühere Weltklasse-Schwimmerin Antje Buschschulte hat harte Kritik am Deutschen Schwimm-Verband (DSV) geübt und sieht die Gründe für das Olympia-Debakel von Rio in jahrelangen Versäumnissen.

Mangelnder Wissenstransfer innerhalb des Verbandes, ein inkonsequenter Umgang mit den Stars und sogar ein alter Ost-West-Konflikt hätten zu den vielen Enttäuschung beigetragen, schrieb die 37-Jährige in einer Kolumne für die Tageszeitung Die Welt. In der Summe sei der Auftritt der deutschen Schwimmer in Rio "ein Desaster" gewesen, schrieb Buschschulte, doch "der olympische Abstieg begleitet mich schon seit Beginn meiner Karriere. Die Anfänge dieser Entwicklung liegen mindestens 20 Jahre zurück."

Vergleich mit Dopingbekämpfung

Der DSV könne "schon sehr viel tun, wenn er nicht sportfachlich, sondern nur organisatorisch seine Hausaufgaben machen würde", schrieb die fünfmalige Olympia-Dritte: "Damit meine ich Wissenstransfer und Dialog, aber auch Konsequenz in der Tat. Ähnlich konsequent wie Thomas Bach (IOC-Präsident, die Red.) in der Dopingbekämpfung ging der DSV in der Vergangenheit mit seinen Stars um", schrieb Buschschulte voller Ironie.

"Es begann mit einer 'Lex van Almsick', die sich auch auf nachfolgende Topleute übertrug. Wer genügend Sponsoren mitbrachte, durfte sich (fast) alles erlauben." Dies sei "eine katastrophale Vorbildwirkung!"

Ost-West-Konflikt spielte Rolle

Zudem hätten Vertreter aus Ost und West noch lange nach der Wende gegeneinander gearbeitet. "Vor allem Trainer und Funktionäre feindeten sich bis in die ersten Jahre nach 2000 sogar an. Neid und Missgunst schlugen auch auf die Athleten über", schrieb Buschschulte: "Alles war Rechtfertigung der jeweiligen Vergangenheit, nichts war gemeinsame Zukunft. Es gab und gibt viel zu wenig Wissenstransfer." Auch in dieser Beziehung habe der DSV "nie Initiative gezeigt. Wir hatten zu viele Jahre Stillstand, während wir uns in der Vergangenheit verkeilten."

Nicht als erste Expertin kritisiert Buschschulte zudem die veränderten Trainingsmaßnahmen der Deutschen, die sich an den ungewöhnlichen Startzeiten in Rio orientierten: "Meine Erfahrung ist, dass das Adrenalin der Aufregung, ein zuversichtlicher Trainer und das Vertrauen in das eigene Training ausreichen, um olympische Rennen erfolgreich zu bestreiten. Es ist so kurz wie simpel: Man konzentriere sich auf das Wesentliche!"

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