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Ex-Schwimm-Bundestrainer Dirk Lange sitzt vor dem Schwimmbecken
Dirk Lange wählt deutliche Worte bei seiner Bewertung des deutschen Schwimmsports © Getty Images

Dirk Lange macht die Trainer für das deutsche Schwimm-Debakel in Rio mit deftigen Worten verantwortlich. Auch Weltmeister Marco Koch bekommt sein Fett weg

Der ehemalige Bundestrainer Dirk Lange hat nach dem erneuten Olympia-Debakel der deutschen Schwimmer in Rio de Janeiro zu einem Rundumschlag ausgeholt.

"Die Trainer überschätzen sich und denken, sie wären alle Champions League, aber sie sind Regionalliga", sagte der 53-Jährige der Bild-Zeitung: "Die Trainer reden ihren Sportlern nach dem Mund, weil sie Angst haben, sie zu verlieren."

Die Leistungen der deutschen Schwimmer würden falsch eingeschätzt, meinte Lange weiter: "Die Talente werden gnadenlos überschätzt. Schwimmt einer einmal gut, ist das gleich der neue Weltmeister."

Im deutschen Schwimmteam gebe es keine Weltklasse mehr: "Erst wenn das jeder begreift, vor allem jeder Sportler, ist die Basis für den Neuanfang da."

"Dick war er schon immer"

Auch Weltmeister Marco Koch, der als größte Medaillenhoffnung auf Platz sieben über 200 m Brust enttäuscht hatte, musste sich harsche Kritik anhören.

"Er war immer viermal im Jahr bei mir, jetzt nur einmal. Er setzte auf den anderen Trainer. Dick war er schon immer. Das Resultat sehen wir", sagte Lange, der von 2008 bis 2011 Bundestrainer war.

Koch betreute er danach zunächst weiter. Auf Olympia hatte sich der Weltmeister jedoch fast ausschließlich mit seinem Darmstädter Heimtrainer Alexander Kreisel vorbereitet.

Ausländische Trainer gesucht

Bundestrainer Henning Lambertz hatte dem 26-Jährigen ebenso wie Weltrekordler Paul Biedermann und Europameisterin Franziska Hentke große Freiheiten gelassen.

Seinen Nachfolger nimmt Lange von seiner Kritik ausdrücklich aus. Lambertz habe "unter den Umständen seine Sache gut gemacht, aber er braucht Geld für Trainer", sagte er: "Deutschland braucht ausländische Trainer."

Lambertz hatte nach der erneuten Medaillen-Nullnummer kritisiert, dass ihm in Rio lediglich vier Trainer für 27 Beckenschwimmer zur Verfügung standen, und künftig mehr Geld für den Schwimmsport gefordert.

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