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Michael Phelps verdrückte nach dem Triumph mit der Freistil-Staffel in Rio einige Tränen
Michael Phelps verdrückte nach dem Triumph mit der Freistil-Staffel in Rio einige Tränen © Getty Images

Rio de Janeiro - Rekord-Olympionike Michael Phelps krönt seinen Wiederaufstieg nach Drogen und Suizidgedanken mit dem 19. Gold - und nimmt damit süße Rache. Genug hat er aber noch nicht.

Am Ende konnte auch Michael Phelps eine Träne nicht mehr zurückhalten. Während er mit seinen Mannschaftskameraden Ryan Held, Caeleb Dressel und Nathan Adrian auf dem Siegerpodest der Nationalhymne lauschte, bekam der Superstar plötzlich feuchte Augen.

Bei Mitschwimmer Held waren da schon längst alle Dämme gebrochen, er heulte hemmungslos. Ähnlich sah es bei Phelps' Verlobter Nicole Johnson auf der Tribüne aus.

Standing Ovations für den Rekordmann

Der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten ist nach einem höllischen Absturz zurück im Schwimm-Olymp.

Mit dem Sieg in der 4x100 Meter-Freistil-Staffel holte sich Phelps seine 23. olympische Medaille. So viele hat sonst niemand gesammelt: 19 Mal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze.

Entsprechend reagierte das Publikum. Als Phelps bei der Siegerehrung seine Medaille erhielt, standen die Zuschauer auf ihren Sitzen.

Rache für die Ernüchterung vom London

Nach dem Rennen gab der 31 Jahre alte Superstar aber zu: "Als ich auf dem Block stand, war ich so aufgeregt. Mir ist das Herz in die Hose gerutscht. Aber die Zuschauer haben mich nach vorne getrieben. Es war so laut."

Er habe diesen Titel unbedingt gewollt, so der Seriensieger. Er bedeute ihm sehr viel. "Ich hatte noch eine Rechnung offen", so Phelps.

Ausgerechnet die 4x100-Meter - 2012 in London musste sich Phelps mit der US-Staffel bei seinem vorzeitigen Olympia-Abschied in dem prestigeträchtigen Rennen Frankreich geschlagen geben. Eine herbe Enttäuschung, der Phelps bis heute nachtrauert.

Nun aber die süße Rache, die erste Medaille dieser Olympischen Spiele - und der Höhepunkt eines furiosen Comebacks.

Christoph Küppers berichtet für SPORT1 von Olympia 2016 aus Rio de Janeiro
Christoph Küppers berichtet für SPORT1 von Olympia 2016 aus Rio de Janeiro © SPORT1/Getty Images

Comeback nach Suizidgedanken

Denn noch vor zweieinhalb Jahren war gar nicht klar, ob Phelps überhaupt noch einmal schwimmen würde. Nach seinem Rücktritt 2012 rutschte der Mega-Star ab. Er nahm Drogen, wollte sich das Leben nehmen. Sein Rücktritt vom Rücktritt 2014 holte ihn zurück ins Leben.

Mittlerweile wirkt der Superstar wieder voll mit sich im Reinen. Am liebsten spricht er über Sohn Boomer, den er gemeinsam mit seiner Verlobten vor drei Monaten bekam.

Auch wegen der Familie will Phelps nach Rio von der olympischen Bühne abtreten. Aber nicht ohne neue Medaillen.

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Phelps will noch mehr

Das Staffel-Gold soll dabei nur der erste Schritt sein. Phelps ordnet der letzten Medaillenjagd alles unter.

Am vergangenen Freitag trug er die Fahne der US-Olympiamannschaft bei der Eröffnungsfeier ins Maracana-Stadion, um nur kurze Zeit später wieder die Biege zu machen. "Man hat mit gesagt, das dauert acht Stunden", kommentierte Phelps nachher sarkastisch die weltweite mediale Aufregung.

Der US-Amerikaner, so sagen es Vertraute, will sich offenbar ganz auf seinen letzten olympischen Coup konzentrieren: Möglichst eine, vielleicht auch zwei weitere Goldmedaillen in Rio.

Und die Chancen sind nicht schlecht. Phelps tritt noch in drei weiteren Disziplinen an: 200 Meter Schmetterling, 200 Meter Lagen und 100 Meter Schmetterling. "Ich würde hier gerne noch etwas mehr mit nach Hause nehmen!"

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