vergrößernverkleinern
SWIMMING-OLY-2016-RIO
Marco Koch wurde 2015 in Kasan noch Weltmeister über 200 Meter Brust © Getty Images

In Marco Koch schwimmt der wohl letzte deutsche Schwimm-Hoffnungsträger klar an einer Medaille vorbei - obwohl das Finale erstaunlich langsam ist. Ein Kasache profitiert.

Marco Koch hing mit dem rechten Arm am Beckenrand und starrte ungläubig auf die Anzeigetafel. Der Schwimm-Weltmeister ist mit seiner Olympia-Mission in Rio de Janeiro krachend gescheitert - und er konnte es nicht so richtig fassen.

Statt wie erhofft auf seiner Paradestrecke 200 m Brust in Weltrekordzeit zu Gold zu schwimmen, musste sich der Darmstädter mit einem enttäuschenden siebten Platz zufriedengeben. Während der Kasache Dmitri Balandin über seinen Sensations-Olympiasieg jubelte, suchte Koch vergeblich nach Erklärungen für den geplatzten Medaillen-Traum.

Marco Koch: "Es macht mich traurig"

"Das war leider nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe", sagte der 26-Jährige konsterniert: "Ich ärgere mich einfach, dass ich hier nicht mein Bestes zeigen konnte. Es macht mich traurig, dass ich dieses Jahr schon dreimal schneller war." Am Druck des Goldfavoriten habe es nicht gelegen: "Bei der WM war ich viel nervöser."

Koch hatte vor dem Rennen angekündigt, dass der Olympiasieg nur in Weltrekordzeit vergeben werde. Doch das Finale war deutlich langsamer - und selbst das war für Deutschlands Vorschwimmer (2:08,00) zu schnell.

Hätte Koch seinen eigenen deutschen Rekord (2:07,47 Minuten) gebrochen, wäre er Olympiasieger geworden. So aber triumphierte völlig überraschend der Kasache Balandin (2:07,46) vor dem Amerikaner Josh Prenot und dem Russen Anton Tschupkow. Koch fehlten drei Zehntelsekunden zu Bronze.

Dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) droht damit wie schon vor vier Jahren eine Medaillen-Nullnummer. Zuvor waren schon Weltrekordler Paul Biedermann (6. über 200 m Freistil) und Franziska Hentke (11. über 200 m Schmetterling) als DSV-Hoffnungsträger am Podest vorbeigeschwommen.

Enttäuschung beim Public Viewing

Mit Koch zitterten nicht nur die Teamkollegen vor Ort mit, sondern auch seine Fans zu Hause in Darmstadt. Dort öffnete extra die Lounge im Centralstadion in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um 2 Uhr für ein Public Viewing ihre Pforten. Die Menschen gingen fassungslos nach Hause.

Koch hatte für seinen Traum nichts unversucht gelassen. Mit seiner Ernährungsumstellung auf "vegan mit Fleisch" hatte er schon vor zwei Jahren einige Kilos abgenommen, dazu das Muskeltraining deutlich intensiviert.

Koch hatte aber nicht nur hart trainiert, sondern sich intensiv auf die ungewohnt späten Rennzeiten in Rio vorbereitet. In seinem Zimmer brannte nachts eine spezielle Lampe, die Tageslicht simulierte, damit sein Körper kurz vor Mitternacht Höchstleistung bringen kann. Genutzt hat es nichts.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel