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Angelique Kerber unterlag Petra Kvitova. DIE BILDER ZUM DURCHKLICKEN

Prag - In einem mitreißenden Match muss sich Angelique Kerber Petra Kvitova geschlagen geben. Tschechien sichert sich damit den Fed-Cup-Titel.

Tränen statt des großen Triumphes: Im Tollhaus von Prag hat das deutsche Fed-Cup-Team um Angelique Kerber und Andrea Petkovic Lehrgeld bezahlt und den ersten Titel seit 22 Jahren klar verpasst.

Nach einem kompletten Fehlstart gegen Tschechien am ersten Tag hatte Angie Kerber am Sonntag den Anschlusspunkt auf dem Schläger, doch am Ende verlor sie das hochklassige Spitzenspiel gegen Wimbledonsiegerin Petra Kvitova nach drei Stunden mit 6:7 (5:7), 6:4, 4:6.

Es war das 3:0 und die vorzeitige Entscheidung zugunsten der favorisierten Gastgeberinnen.

"Geiles Tennismatch"

"Das Allerallerwichtigste für mich persönlich und für uns als Team ist, wir haben uns heute so präsentiert, wie wir das ganze Jahr gespielt haben", sagte Teamchefin Barbara Rittner bei "Sat.1": "Wir werden dieses Scheißding irgendwann gewinnen, so wahr ich hier stehe.

Der Tag heute war sehr wichtig für uns alle, das war unser wahres Gesicht, wenn wir so angefangen hätten, hätte es für mehr gereicht. Es war ein geiles Tennismatch, und so gehört es sich im Finale."

Die deutsche Nummer eins Kerber kämpfte gegen Petra Kvitova zwar aufopferungsvoll, konnte im dritten Satz aber eine 4:1-Führung nicht nutzen.

"Geiles Tennismatch"

Durch die zweite bittere Niederlage binnen 24 Stunden konnte Kerber ihre Mannschaft nicht wie erhofft zum dritten Coup nach 1987 und 1992 führen.

Symptomatisch für ihre sportliche Achterbahnfahrt war die Tatsache, dass sie während des Spiels in Tränen ausbrach, nachdem sie im ersten Durchgang sechs Satzbälle vergeben hatte.

Mit einem Handtuch über dem Kopf saß sie unmittelbar danach weinend auf der Bank.

Tschechinnen im Genussmodus

Für die Tschechinnen war es der dritte Titelgewinn in den vergangenen vier Jahren.

"Sie waren bei den Matches im Genussmodus. Diese ganze Endspiel-Erfahrung hatten sie uns voraus, meine Spielerinnen dagegen waren einfach nicht so frei", sagte die sichtlich ernüchterte Barbara Rittner nach der Lektion vor 13.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena.

Dabei hatte Tennis-Legende Steffi Graf dem Außenseiter noch per Videobotschaft viel Glück gewünscht.

Fataler Fehler mit Folgen

Bezeichnend für die enorme Anspannung und mentale Überforderung der Rittner-Mannschaft war ein fataler Fauxpas von Hoffnungsträgerin Kerber.

Ausgerechnet beim Satzball im Match gegen die tschechische Nummer zwei Lucie Safarova (4:6, 4:6) schrie die Kielerin nach einem gelungenen Vorhandball "komm' jetzt!" - dabei war der Ballwechsel noch gar nicht beendet.

Was bedeutete, dass der Punkt und damit der Satz an Safarova (Nr. 17) gingen. "Ich dachte, es ist ein Winner. Aber natürlich kenne ich die Regeln und wusste, was das bedeutet", sagte Kerber nach ihrer "Dummheit".

Wie im ersten Durchgang vergab die Wimbledon-Halbfinalistin von 2012 auch im zweiten Satz eine 4:2-Führung. Ihre große Verunsicherung dokumentierten vor den Augen von Vizekanzler Sigmar Gabriel zwei Doppelfehler im letzten Aufschlagspiel.

"Natürlich war ich nervös, das hat man gesehen. Diese Atmosphäre war einfach anders als bei normalen Turnieren", meinte Linkshänderin Kerber. Es sei schwierig gewesen, "fokussiert" zu bleiben. Für die 26-Jährige waren es die ersten Niederlagen im Fed Cup in diesem Jahr.

Fataler Fehler mit Folgen

Auch Petkovic (Darmstadt) konnte im ersten Endspiel mit deutscher Beteiligung seit 22 Jahren nicht über sich hinauswachsen.

Knapp eine Woche nach ihrem Turniersieg in Sofia verpasste die Weltranglisten-14. beim 2:6, 4:6 gegen die bärenstarke Kvitova, die im bedeutendsten Teamwettbewerb eine Einzelbilanz von 23:6 Siegen hat, zum Auftakt eine Überraschung.

"Ich habe vieles richtig gemacht und einiges falsch, und das reicht dann halt gegen eine Spielerin wie Petra Kvitova nicht", sagte "Petko", die sich mehrfach über Zwischenrufe tschechischer Fans zwischen ihrem ersten und zweiten Aufschlag beschwert hatte.

Fataler Fehler mit Folgen

Zudem kam die French-Open-Halbfinalstin mit dem ultraschnellen Novacrylic-Hardcourtbelag (Petkovic: "Fast rasenähnlich") nicht zurecht.

Wie sich nach Messungen herausstellte, hatte der auf Kvitova zugeschnittene Untergrund laut Reglement sogar die Toleranzschwelle überschritten. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) verzichtete auf einen Protest, weil dieser keine Aussicht auf Erfolg besaß.

Rittner wollte den Belag aber nicht als Grund für die Niederlage verantwortlich machen. "Es war nicht unfair und kein großes Ding. Wir hatten ja auch die ganze Woche darauf trainiert", sagte die 41-Jährige, die beim letzten Fed-Cup-Coup 1992 noch als Spielerin dabei gewesen war.

Rittner hatte im Vorfeld bereits befürchtet, dass die neue Situation und die ungewohnte Atmosphäre eine entscheidenden Einfluss haben könnten. "Tschechien hatte den Titel 2012 ja genau in dieser Halle gewonnen. Das war schon ein großer Vorteil."

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