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Michael Stich

München - Kurz vor den Wahlen zum DTB-Präsident mag sich Michael Stich nicht festlegen. Was er verändern will, weiß er aber genau.

Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem Michael Stich deutlich sichtbar um seine Fassung bemüht ist.

"Es gibt zwei Möglichkeiten", sagt der 46-Jährige zum x-ten Mal: "Ich stelle mich am Sonntag als DTB-Präsident zur Wahl oder nicht."

Zwei Stunden lang hat Stich zuvor in kleiner Runde sein Konzept, seine Ideen, seine durchaus realistischen Visionen vorgestellt, aber der Knackpunkt ist: Er weiß auch fünf Tage vor der wegweisenden Mitgliedsversammlung des DTB in Berlin noch nicht, ob er den letzten, den entscheidenden Schritt gehen soll oder nicht.

"Ich muss noch ein paar Telefonate führen", sagt er.

Stich will kein Ehrenamt

Klar ist also weiterhin nichts, bis auf eine Tatsache: Michael Stich wird nicht, wie zuletzt angedacht, Vizepräsident in einem Präsidium Ulrich Klaus.

Dieser hatte Stich zwar vor Wochenfrist angerufen, um sich für seine Abwesenheit bei dessen Auftritt am 2. November in Hamburg zu entschuldigen und bei der Gelegenheit auch gleich mal zu anzufragen, ob Stich als Vize in seinem Präsidium mitarbeiten würde.

Aber: "Für diese Position lässt die Satzung keine Aufwandsentschädigung zu. Und wenn ich in einem Präsidium mitarbeite, dann mache ich das so zeitintensiv, dass ich diese Zeit bei anderen Projekten kürzen muss und dadurch auch Geld verliere."

In einem tiefen Dornröschenschlaf

Stich kommt logisch, verständlich, überzeugend rüber, wenn er das sagt.

Er sähe sich als Präsident "natürlich in der Pflicht, das Geld für meine Aufwandsentschädigung durch das Akquirieren von Partnern und Sponsoren wieder für den Verband reinzuholen".

Er will, so versichert er ,"etwas für das deutsche Tennis tun", das nach langen Jahren präsidialer Untätigkeit in einen tiefen Dornröschenschlaf gefallen ist.

"Was machen die eigentlich?"

Stich will ein nationales Leistungszentrum in Deutschland, damit "sich die bundesweit besten Junioren im regelmäßigen Wettstreit messen können", er will "einen regelmäßigen Austausch mit internationalen Verbänden".

Und er will "eine bessere Ausbildung unserer Landestrainer: Einfach mal ein paar Tage lang Roger Federer und Stefan Edberg im Training zusehen und entdecken: Was machen die eigentlich?"

Irgendwo da draußen, sagt er, "gibt es in Deutschland einen Grand-Slam-Sieger. Wir müssen ihn suchen, finden und fördern."

In den letzten Tagen und Wochen sei allerdings so viel passiert, sagt Stich, dass es ihm zwischenzeitlich die Sprache verschlagen habe: `Und das will schon etwas heißen, denn sprachlos bin ich wirklich selten."

Kein Gehör beim Bundesausschuss

Es begann am 17. Juli in Hamburg, wo Stich Turnierdirektor ist - und das auch als DTB-Präsident bleiben möchte. Dort habe man ihn gefragt, ob er sich denn möglicherweise als Präsident zur Verfügung stellen würde: "Ich habe gesagt, dass ich mir das vorstellen kann, und ein paar Stunden später hatte sich der Bundesausschuss einstimmig auf den Kandidaten Ulrich Klaus geeinigt."

Seither habe er mehrfach um die Chance gebeten, "dem kompletten Bundesausschuss wenigstens einmal mein Konzept vortragen zu dürfen". Das sei stets abgelehnt worden: "Ohne Angabe von Gründen."

Dann bekam Michael Stich diese Chance auf Betreiben des Bundesausschuss-Sprechers Robert Hampe am 2. November doch noch - immerhin 13 der 18 Verbandspräsidenten hörten sich seinen Vortrag an. "Ich bekam danach das Feedback, dass man sehr wohl mein Knowhow dabei haben möchte", erzählt er.

Übergangspräsidium zulässig

Nun geht es darum, ob Michael Stich sich in der Lage sieht, bis Sonntag ein fünfköpfiges Präsidium zusammenzustellen.

"Ich habe mich damit seit dem deutlichen Votum für Ulrich Klaus logischerweise nicht mehr konsequent beschäftigt", sagt er, fügt dann aber doch an, dass "ich natürlich ein paar Gespräche geführt habe".

Selbst ein Übergangspräsidium wäre denkbar, das dürfte gemäß der DTB-Satzung sechs Monate im Amt bleiben, bis eine endgültige Lösung gefunden ist.

Transparenz muss her

Sollte der DTB-Präsident am Sonntag Michael Stich heißen, hat dieser schon sehr deutliche Vorstellungen von seiner Agenda.

"Zunächst mal müssen für jeden einsehbar alle Verträge auf den Tisch", sagt er: "Die wichtigste Grundlage für die Zukunft ist es, Transparenz zu schaffen."

Ob er den Weg weitergeht oder doch lieber kurz vor dem entscheidenden Tag zurückzieht, will Michael Stich an diesem kühl-hanseatischen Tag in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rothenbaum-Stadion aber einfach nicht verraten: "Ich sage doch: Ich weiß es nicht."

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