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München - Aktuelle Stars, Altmeister und jede Menge Geld: Die IPTL verspricht Spektakel. Vor dem Start erklärt SPORT1 die neue Tennis-Liga.

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Von Stefan Schnürle

Es geht um Geld, viel Geld.

So viel Geld, dass die ohnehin schon von einem dicht gedrängten Turnierkalender geplagten Tennis-Stars sogar ihr Saisonende noch einmal um zwei Wochen hinauszögern.

Die neu gegründete International Premier Tennis League wartet mit der Creme de la Creme des Tenniszirkus auf - und verspricht mit dem Startschuss am Samstagmorgen zwölf Spieltage Spektakel vom Feinsten.

Djokovic, Scharapowa und Agassi mit dabei

Aktuelle Größen wie Novak Djokovic, Roger Federer und Maria Scharapowa treten Seite an Seite mit Altstars wie Andre Agassi und Pete Sampras für vier asiatische Städte an. Anders als auf der ATP- und WTA-Tour sind die Tennis-Asse dabei nicht als Einzelkämpfer, sondern als Mannschaften unterwegs.

"Indian Aces", "UAE Royals", "Manila Mavericks" und "Singapore Slammers": Zumindest die Namen der Städteteams sind ähnlich klangvoll, wie die Namen ihrer Mitglieder.

Aber was hat es mit der neuen Liga der Stars auf sich? Was sagen die Verantwortlichen der Tennis-Weltverbände ATP und WTA zur neuen Konkurrenz? Welche besonderen Regeln gibt es? Und wie stehen die Zukunftsaussichten des neuen Formats?

SPORT1 erklärt die IPTL:

• Wer ist der Gründer und wie wird die Liga finanziert?

Gründer der International Premier Tennis League (IPTL) ist Ex-Profi Mahesh Bhupathi.

Der Inder zählte einst zu den besten Doppelspielern der Welt und versucht jetzt, den Tennissport im asiatischen Raum populärer zu machen. So konnten sich Unternehmen oder wohlhabende Einzelpersonen wie die Cricket-Legende Sachin Tendulkar für die Liga ein Team kaufen.

Anfang März wählten diese Besitzer dann aus 80 verfügbaren Spielern insgesamt 28 aus. Auch die Deutschen Philipp Kohlschreiber, Angelique Kerber und Sabine Lisicki standen auf der Liste, wurden allerdings nicht verpflichtet.

• Wie viel Geld bekommen die Spieler?

Das Preisgeld von einer Million Dollar ist im Tennis keine rekordverdächtige Summe.

Allerdings können die Besitzer ihren Teams laut Bhupathi insgesamt bis zu zehn Millionen Dollar Lohn bezahlen. Der Verdienst der Spieler richtet sich dabei nach ihrem Stellenwert. Medienberichten zufolge sollte Rafael Nadal sogar eine Million Dollar pro Einsatz bekommen.

Zudem ist der Ertrag im Vergleich zum Aufwand für die Spieler deutlich höher als sonst. Während sie bei anderen Turnieren oft stundenlang um den Sieg kämpfen, spielen sie bei der IPTL an einem Tag maximal 40 bis 45 Minuten.

• Welche Spieler sind dabei?

Fast alle Stars sowie zahlreiche Legenden nehmen an der Liga teil. So schlagen bei den Herren unter anderem Novak Djokovic, Roger Federer, Pete Sampras und Andre Agassi auf. Bei den Damen sind Spielerinnen wie Serena Williams, Maria Scharapowa und Ana Ivanovic mit von der Partie.

Von den Topstars fehlt bei den Herren nur Nadal verletzungsbedingt. Bei den Damen musste die Kanadierin Eugenie Bouchard kurzfristig passen.

• Was sagen die ATP und WTA dazu?

ATP-Präsident Chris Kermode bezeichnete die IPTL als "light entertainment" und erklärte, dass es nicht die Sache der ATP sei, was die Spieler in ihrer Saisonpause machen.

Einen kleinen Seitenhieb konnte sich Kermode dennoch nicht verkneifen: "Es ist nur eine Serie von aufgeblasenen Showkämpfen. Die Spieler werden nicht 100 Prozent geben."

Bei der WTA heißt es offiziell, dass man noch keine klare Vorstellung von der IPTL hätte. Vize-Präsidentin Melissa Pine sagte allerdings: "Exhibitions können gut sein, aber die Sportler müssen eine Balance zwischen professionellen und finanziellen Bedürfnissen finden."

Die WTA beobachtet die Liga aber offenbar sehr genau und gab kürzlich bekannt, dass auch sie über die Einführung eines Mannschafts-Weltcups nachdenken. Der Fokus soll ebenfalls auf Asien liegen und könnte zur Konkurrenz für die IPTL werden.

• Wie sieht der Zeitplan aus?

Vom 28. November bis 13. Dezember messen sich die vier Mannschaften "Indian Aces", "UAE Royals", "Manila Mavericks" und "Singapore Slammers". Dabei treten die sieben bis achtköpfigen Teams in jedem Land an je drei aufeinanderfolgenden Tagen gegeneinander an.

Die Partien finden zunächst auf den Philippinen, dann in Singapur und Indien sowie zum Schluss in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt.

• Wie laufen die Partien ab?

Jedes Match hat fünf Sätze, von denen die fünf vom Trainer ausgewählten Spieler jeweils einen Satz spielen. Gespielt wird je ein Einzel bei Herren und Damen, ein gemischtes Doppel (Mixed), ein Herren-Doppel sowie ein Einzel zweier Legenden.

Die Sätze gehen wie gewöhnlich bis sechs. Um die Spieldauer einzuschränken, entscheidet bei Einstand aber sofort der nächste Punkt.

Die Mannschaft, die nach fünf Sätzen die meisten Spielgewinne auf dem Konto hat, gewinnt das Match. Sollte es unentschieden stehen, entscheidet ein siebenminütiger "Super Shoot Out" über den Sieger.

Das siegreiche Team erhält vier Punkte. Die unterlegene Mannschaft bekommt noch zwei Punkte, wenn sie insgesamt über 20 Aufschlagspiele holt oder einen Punkt bei mehr als zehn.

Das Team mit den meisten Punkten in der Endabrechnung gewinnt die Liga.

• Welche speziellen Regeln gibt es?

Power Point: Der Returnspieler kann pro Satz einmal einen "Power Point" annoncieren. Dieser Punkt zählt dann doppelt.

Shot Clock: Zwischen den Punkten haben die Spieler nur 20 Sekunden Zeit. Sollte der Spieler dann noch nicht aufgeschlagen haben, verliert er den Punkt. Bei der IPTL gibt es extra eine Stoppuhr für den Schiedsrichter, damit die Regel - anders als bei den Grand Slams - auch eingehalten wird.

Time-out: Ähnlich wie bei den WTA-Turnieren (Grand Slams werden von der ITF organisiert und zählen daher nicht dazu, Anm. d. Red.) gibt es pro Satz für die Trainer einmal die Chance, ein 60-sekündiges Time-out zu nehmen.

• Eintagsfliege oder Idee mit Zukunft?

Die IPTL ist dank der Anwesenheit vieler Topstars durchaus attraktiv.

Das Format verspricht Spannung - auch wenn die Regeländerungen Tennis-Puristen nicht gefallen werden. Entscheidend wird sein, ob die Spieler sich wirklich reinhängen oder die Partien nur als Showkämpfe sehen, bei denen Sieg oder Niederlage keine Rolle spielen.

Die ATP und WTA müssen aber nicht fürchten, dass die neue Liga ihnen den Rang abläuft.

Denn (noch) fehlt der IPTL jegliche globale Ausstrahlung. Viele Fans außerhalb der teilnehmenden Länder werden sich zwar mit ihren Lieblingsspielern, aber kaum mit den Teams identifizieren können.

Doch wer weiß: Sollte es in Asien klappen, gibt es vielleicht auch bald eine Liga in Europa mit Teams aus Berlin, Paris, London und Rom.

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