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Roger Federer (l.) und Stan Wawrinka treten im Davis-Cup-Finale gegen Frankreich an

München - Vor dem Finale in Frankreich herrscht Unruhe bei der Schweiz. Stan Wawrinka ist stinkig, Roger Federers Frau spielt eine Rolle.

Ein Titel fehlt Roger Federer noch.

Der 17-malige Grand-Slam-Sieger hat schon alles gewonnen: Jedes große Turnier, Olympia-Gold, die ATP Tour Finals. Aber Davis Cup-Sieger darf er sich nicht nennen. Noch nicht.

Am Wochenende steht die Schweiz in Lille m Finale des Teamwettbewerbs, zum zweiten Mal nach 1992 (1:3 gegen die USA). Der Gastgeber ist der neunmalige Champion Frankreich mit den Stars Jo-Wilfried Tsonga und Gael Monfils. (DATENCENTER: Der Davis Cup)

Aber auch die Schweiz hat eine starke Truppe. Nicht zuletzt wegen Stan Wawrinka, dem Weltranglistenvierten.

Eklat in London

Doch ausgerechnet mit ihm, dem vielleicht entscheidenden Mann im Schweizer Team, liegt der am Rücken angeschlagene Federer anscheinend über Kreuz.

Tatort London: Roger Federer und Stan Wawrinka ringen bei den ATP Finals um den Einzug ins inoffizielle WM-Finale.

Und die Schweizer Nr. 2 hat die Nr. 1 am Rande einer Niederlage. Es läuft der dritte Satz, es steht 5:5. Im Spiel zuvor vergibt "Stan the Man" drei Matchbälle.

Federer schlägt auf beim Stand von 40:40. Doch gerade als er den Ball in die Höhe werfen möchte, bricht er ab.

Nennt Mirka Wawrinka "Heulsuse"?

Stan Wawrinka hat ihm den Rücken zugedreht, das Zeichen, dass er sich gestört fühlt. Und tatsächlich - der Australian-Open-Champion ruft in Richtung Federers Box, in der auch Mirka, Federers Frau, sitzt: "Nicht kurz vor dem Aufschlag! Nicht kurz vor dem Aufschlag!"

Daraufhin hört man in TV-Aufnahmen eine Frau "Crybaby" (dt. Heulsuse) rufen.

Der "Telegraph" behauptet, dass das Mirka gewesen sein soll.

McEnroe plappert Zoff aus

Wawrinka ? gefrustet, dass er das Spiel nicht zugemacht hat ? platzt fast. Nun wendet er sich wieder Federer zu: "Was hat sie gerade gesagt? Was bitte hat sie gerade gesagt?".

Nach einer Diskussion mit dem Schiedsrichter geht das Duell weiter. Am Ende zieht Federer ins Finale ein.

In Wawrinka brodelt es. Im Kabinengang schnappt er laut Tennislegende John McEnroe sich seinen Landsmann und stellt ihn zur Rede.

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Zehn Minuten Krach

Wawrinka und Federer diskutieren heftig, von Funktionären werden sie in einen Fitnessraum geschoben, um den Streit beizulegen.

Dort sind sie zehn Minuten. Es ist laut. Auf Aufnahmen französischer TV-Sender ist zu hören, wie der Linkshänder ruft: "Das hat sie schon in Wimbledon getan!"

Damals verlor Wawrinka in vier Sätzen.

Absage wegen Rücken und Davis Cup?

So oder so: Das Schweizer Duell im Halbfinale hinterlässt Spuren.

Roger Federer, der häufig Probleme mit seinem Rücken hat, sagt nach dem Fight das Endspiel des fünftwichtigsten Turniers gegen den Weltranglistenersten Novak Djokovic ab.

"Diesmal hat der Körper entschieden", teilte er mit, "und es war mir unmöglich, mich auf einem normalen Level zu bewegen."

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Wawrinka: Davis Cup ist nicht Federers Ziel

Federer setzt Prioritäten. Überraschenderweise.

Zum ersten Mal greift der 33-Jährige nach dem Triumph im Davis Cup, der noch nie sein Lieblingswettbewerb war.

 Das Spiel gegen Tschechien 2013 sagt er ab. Nicht das erste Mal in seiner Karriere. Daraufhin behauptet Wawrinka, der Davis Cup sei ihm offenbar "nicht so wichtig und kein Ziel."

Der 29-Jährige spielt seit 2004 ununterbrochen für sein Land und will den Lohn für die vergangenen schweren Davis-Cup-Jahre.

Nur einmal zog er zurück: Als das Duell gegen die USA 2012 bereits entschieden war. Er feierte lieber den Geburtstag seiner Tochter.

Alles wieder gut?

Vielleicht sollten sich Federer und Wawrinka, wahrlich nicht die besten Freunde, Olympia 2008 als Vorbild nehmen. Damals rauften sie sich zusammen und holten Gold im Doppel.

In Lille soll der nächste Triumph folgen. Die Spieler sind da und trainieren ? mit Ausnahme von Federer, der mit dem Privatjet anreiste.

Die Stimmung scheint sich gebessert zu haben. Roger Federer postet ein Mannschafts-Bild auf Twitter.

Ein Spieler zeigt dem besten Tennisspieler aller Zeiten Hasenohren.

Es ist Stan Wawrinka. Die nächste Frotzelei oder etwa ein versöhnliches Zeichen? Fortsetzung folgt...

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