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Lille - Roger Federer kann im Finale antreten, seine Verfassung ist trotzdem fraglich. Immerhin ist Mirkagate offenbar vom Tisch.

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Der "Rücken der Nation" zwickt weiter, doch für die Erfüllung seines letzten großen Tennis-Traums beißt Roger Federer auf die Zähne.

Trotz Schmerzen und mangelnder Vorbereitung auf dem langsamen Sandplatz im Stade Pierre Mauroy führt der Maestro die Schweiz im Finale um den Davis Cup gegen Gastgeber Frankreich an.

Nach einem Härtetest am Donnerstagvormittag gab Federer Grünes Licht für seinen Einsatz in der nordfranzösischen Kleinstadt Villeneuve-d'Ascq.

Rekordkulisse in Lille

Im Vollbesitz seiner Kräfte wird der 33-Jährige am Freitag vermutlich nicht sein.

Einen Tag vor seinem Einzel gegen Gael Monfils äußerte Federer Zweifel an seiner Verfassung. "Nur im Match bekomme ich alle Antworten. Ich bin aber froh, überhaupt spielen zu können", sagte der 17-malige Grand-Slam-Champion: "So oder so wird es ein schwieriges Match."

Darauf darf sich auch Federers Teamkollege Stan Wawrinka im Auftakteinzel einstellen. Vor der Rekordkulisse von 27.000 Zuschauern im Fußballstadion des OSC Lille trifft der Melbourne-Sieger auf Jo-Wilfried Tsonga.

Für das Doppel am Samstag sind Marco Chiudinelli und Michael Lammer für die Schweiz sowie Julien Benneteau und Richard Gasquet für Frankreich vorgesehen, die Teamchefs Severin Lüthi und Arnaud Clement haben allerdings die Möglichkeit, kurzfristig umzustellen.

Das Betriebsklima wird gestört

Bis zum vergangenen Samstag waren die Eidgenossen trotz des Auswärtsspiels in der Region Nord-Pas-de-Calais zuversichtlich, die "hässlichste Salatschüssel der Welt" erstmals in die Heimat zu holen.

Die beiden Grand-Slam-Sieger Federer und Wawrinka hatten sich seit Saisonbeginn der gemeinsamen Titelmission verschrieben - und zumindest Federer schien im Saisonendspurt kaum zu bezwingen zu sein.

Das direkte Duell der beiden Schweizer im Halbfinale der ATP-WM in London veränderte die Vorzeichen für den Davis Cup jedoch grundlegend (BERICHT: Schweizer Angst vor Selbstzerstörung).

Nicht nur Federers Rückenverletzung störte die Vorbereitung empfindlich, ein kolportierter Streit zwischen Federers Ehefrau Mirka und Wawrinka beim Match in London hinterließ Fragen zum Betriebsklima im Zwei-Mann-Team.

"Wir sind keine Feinde, wir sind Freunde"

"Heulsuse" soll Mirka Wawrinka genannt haben, nachdem dieser drei Matchbälle und einige weitere Breakmöglichkeiten ausließ. Angeblich diskutierten "FedEx" und "Stan the Man" die Differenzen aus - so will es Tennislegende John McEnroe mitbekommen haben.

Immerhin: In den Tagen vor dem Finale in Villeneuve-d'Ascq versuchten Federer und Wawrinka, den Zoff kleinzureden.

Die "Mirkagate" getaufte Affäre sei aufgebauscht worden, sagte der Westschweizer Wawrinka, während der Baseler Federer beteuerte: "Wir sind keine Feinde, wir sind Freunde."

 

Frankreich will Le Dixieme

In Frankreich muss das Gold-Doppel der Olympischen Spiele von Peking zusammenhalten, sonst triumphieren die französischen Tennis-Musketiere zum zehnten Mal in der 114-jährigen Geschichte des Mannschaftswettbewerbs - auf französisch "Le Dixieme".

Zwar verfügen Tsonga, Monfils, Gasquet und Benneteau weder über die Stahlkraft, noch über die Erfolge ihrer beiden Schweizer Kontrahenten, dennoch geht das Quartett hoffnungsfroh in die Begegnung. Die "verrückte Atmosphäre" (Monfils), die ausgedehnte Vorbereitung auf Sand und der Teamgeist sollen sich auszahlen.

Für Teamkapitän Clement spielt dabei keine Rolle, dass Federer nun im Aufgebot der Gäste steht. "Das ist keine Überraschung für uns. Wir haben uns darauf vorbereitet", sagte der Ex-Profi.

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