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Stuttgart - Tommy Haas meldet sich mit einem Sieg auf der ATP-Tour zurück. Er bezwingt nach langer Zwangspause Kukuschkin, spricht über seine Emotionen und "ein großes Fragezeichen".

Das Wetter meinte es nicht gut mit Tommy Haas bei seinem Comeback nach 378 Tagen zwischen Hoffen und Bangen. Dunkle Wolken, nur 14 Grad, ein böiger Wind - Wimbledon-Bedingungen in Stuttgart.

Doch bei seinem ersten Match auf der ATP-Tour nach einem Jahr und 13 Tagen konnte Haas nichts stoppen. Schon gar nicht seine viermal operierte Schulter, die sogar der Kälte beim 6:4, 7:5 gegen Michail Kukuschkin (Kasachstan) trotzte.

"Eine Menge Emotionen" 

"Ich bin sehr glücklich. Das waren heute eine Menge Emotionen. Es gab viele Momente da draußen, die man nicht trainieren kann. Da muss man sich durcharbeiten", sagte Haas, der die Gefühle bei seiner Rückkehr "speziell" nannte.

Noch sieht er aber Nachholbedarf: "Ich bin noch nicht dort, wo ich hin will. Am Ende war der Arm auch schwer." Die Schulter schmerze zwar nicht mehr, "aber sie klemmt noch."

Ein Satzball langt Haas

Ungeachtet dessen verwandelte der 37-Jährige nach 78 Minuten seinen ersten Matchball und schlug nach dem Achtelfinal-Einzug voller Erleichterung einen Ball in den wolkenverhangenen Himmel.  

Im zweiten Durchgang wehrte der Publikumsliebling beim Stand von 4:5 einen Satzball ab. Und nicht nur deshalb wirkte Haas eigentlich so, als sei er nie weg gewesen.

In der Runde der letzten 16 trifft der gebürtige Hamburger am Donnerstag auf den an Position fünf gesetzten Australier Bernard Tomic.

Das "große Fragezeichen" sei jetzt, wie die Schulter, um die es "permanent" gehe, auf die Belastung reagiere, meinte Haas.

Starke Aufschlagspiele des Routiniers

Haas, einst die Nummer zwei der Welt, zeigte bei der Rasen-Premiere auf dem Weissenhof eine solide Leistung. Die Schulter schien dem Routinier kaum Schwierigkeiten zu bereiten.

Bei seinen insgesamt fünf Aufschlagspielen im Auftaktsatz gab Haas vor den Augen seiner Eltern Peter und Brigitte gerade einmal zwei Punkte ab. Im zweiten Durchgang musste er zwar zweimal sein Service abgeben, schlug aber unmittelbar zurück.

Sein bis dato letztes Match hatte Haas, der derzeit kein offizielles ATP-Ranking besitzt, am 27. Mai 2014 in der ersten Runde der French Open in Paris bestritten.

Haas: Es ist noch nicht Zeit aufzuhören

In den Tagen von Stuttgart ist Haas oft gefragt worden, warum er sich das alles noch antue. Die ganze Quälerei - mental und physisch.

Und immer ist diese Gewissheit präsent, dass die jungen Wilden nachkommen und ohne Rücksicht auf große Namen zuschlagen. Was die Gefahr birgt, dass das Gerede vom verpassten richtigen Zeitpunkt des Rücktritts immer lauter wird.

Doch Haas wird nicht müde von dem Feuer zu erzählen, das immer noch in ihm brennt. Von den positiven Emotionen, die ihn im Spätherbst seiner Karriere und im 19. Jahr in der Knochenmühle Profitour noch antreiben. "Ich habe im Kopf noch nie gespürt, dass es Zeit ist zu gehen", sagte er der Zeitung Die Welt.

"Ich bin erst 32 Jahre alt"

Extramotivation gibt ihm dabei die kleine Valentina. Seine vierjährige Tochter sollte den Papa noch bewusst um Punkte, Sätze und Siege spielen sehen.

Überhaupt fühlt sich Haas wegen seiner Leidensgeschichte gar nicht wie 37 und vertraut deshalb seiner ganz eigenen Zeitrechnung: "Ich habe wegen verschiedener Operationen fünf Jahre pausieren müssen. Demnach bin ich jetzt 32", meinte der gebürtige Hamburger und fügte voller Zuversicht an: "Es geht noch ein paar Jährchen."

Auch der in Stuttgart topgesetzte Rafael Nadal hat großen Respekt vor "Stehauf-Männchen" Haas. "Er ist ein großartiger Kämpfer", sagte der 14-malige Grand-Slam-Champion Nadal.

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