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München - Boris Becker hat Novak Djokovic zu einer Traumsaison geführt. Im SPORT1-Interview spricht er das gemeinsame Erfolgsgeheimnis und noch ausstehende Ziele.

Seit Ende 2013 ist Boris Becker der Coach von Novak Djokovic - eine Verbindung, die immer erfolgreicher wird.

Mit dem dreimaligen Wimbledon-Sieger an seiner Seite ist der Serbe wieder die Nummer 1 der Welt geworden. Er reiht Erfolg an Erfolg, zuletzt den Sieg bei den ATP World Tour Finals am Sonntag.

Was steckt hinter Djokovic' Lauf? SPORT1 hat Becker in München zum Interview getroffen.

SPORT1: Herr Becker, Ihr 48. Geburtstag vergangenen Sonntag begann mit einem entspannten Familienfrühstück und endete mit dem ATP-Finaltriumph Ihres Schützlings Novak Djokovic. Wie haben Sie den Tag erlebt?

Becker: Mein Geburtstag fällt ja immer auf die ATP Finals, diesmal sogar auf den Finaltag, das Frühstück mit der Familie ist deshalb sehr kurz ausgefallen. Ich war jedenfalls froh, dass ich von Novak das schönste Geschenk bekommen habe.

SPORT1: Elf Titel 2015, drei Grand-Slam-Turniere gewonnen, zum Abschluss die ATP-Finals: Wie stolz sind Sie auf Djokovic' Erfolgssaison?

Becker: Stolz ist der falsche Ausdruck, aber die Befriedigung ist groß. Als Weltranglisten-Erster wollte Novak seine Position verteidigen, dazu muss man die großen Turniere gewinnen. Dass er drei von vier Grand-Slam-Turnieren gewonnen hat, plus das ATP-Finale plus plus plus - wir haben es uns vielleicht erhofft und erträumt, aber nicht erwartet.

SPORT1: Viel mehr geht nicht - abgesehen davon, dass Djokovic im kommenden Jahr noch die French Open und das Olympia-Turnier in Rio gewinnen kann. Richten Sie darauf den Fokus in der Saisonvorbereitung?

Becker: Nein, das wäre falsch. Die French Open sind im Mai, Olympia im August, dazwischen liegen eine Menge Turniere, die er noch gewinnen möchte. Wir denken von Turnier zu Turnier, beobachten immer die Konkurrenz, verteidigen unsere Position. Irgendwann kommt dann der Mai - und dann ist Paris das Thema, dann Wimbledon, dann Olympia.

SPORT1: Djokovic schwärmt regelmäßig vom innigen Verhältnis, dass er mit Ihnen pflegt. Wie innig ist so eine Trainer-Spieler-Beziehung?

Becker: In einem Einzelsport wie Tennis muss sie sehr persönlich, fast intim sein. Ich muss immer wissen, wie es ihm geht, um ihn richtig einzustellen, richtig zu trainieren. Er muss das Vertrauen haben, um sich ganz öffnen zu können, ohne das Gefühl zu haben, dass das, was er dabei verrät, benutzt wird vom anderen. Das ist das Geheimnis. Er hat aber nicht nur mich, sondern generell ein tolles Team hinter sich - dessen Kopf ich bin.

SPORT1: Mit Ihrem Beruf ist viel Stress, vor allem auch Reisestress, verbunden. Wie lange wollen Sie den noch auf sich nehmen?

Becker: Das ist in der Tat ein Problem, man kann nicht vom Sofa aus coachen, online auch nur begrenzt. Man muss vor Ort sein und die Welt bereisen. Das wird nicht ewig so sein, Novak kann ja auch nicht ewig Tennis spielen. Momentan haben wir beide aber große Lust und Leidenschaft, ein Ende ist momentan also nicht in Sicht.

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