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Daniel Köllerer stand 2009 auf Platz 55 der Weltrangliste
Daniel Köllerer stand 2009 auf Platz 55 der Weltrangliste © Getty Images

In einer Radio-Reportage sprechen Ermittler über Manipulation im Tennis. Auch ein früherer Spieler nimmt Stellung. Ein Grand-Slam-Sieger soll unter den Verdächtigen sein.

Auf der Suche nach Antworten in der Manipulationsaffäre im Tennis hat auch die BBC in ihrer groß angekündigten Reportage nicht wirklich neue Details ans Licht gebracht.

In einer Radio-Reportage sprachen mehrere Insider über ihre Erfahrungen und verdächtige Vorfälle. Auch Daniel Köllerer, der 2011 aufgrund des Verdachts des Wettbetrugs lebenslang gesperrt wurde, nahm zu den Vorfällen Stellung.

"Als ich auf der Tour war, hätte ich locker fünf bis sechs Spieler nennen können, von denen ich zu 100 Prozent wusste, dass sie Spiele absichtlich verloren", sagte Köllerer bei BBC Radio 4.

Der Österreicher erklärte auch, woher er diese Infos habe. "Manchmal haben sie im nächsten Spind darüber geredet. So viele Leute haben es getan. Es war wie ein offenes Geheimnis", sagte Köllerer.

In einem weiteren BBC-Interview behauptete ein ehemaliger Spieler, dass es nur einen Spieler gebe, "der noch nie ein Angebot bekommen hat." Der frühere Spieler, der von der BBC nur "Frank" genannt wird, erhob zudem Vorwürfe gegen die Tennis-Verantwortlichen: "Sie könnten es stoppen, wenn sie es wollten. Denn sie wissen ganz genau, wer es ist und wie sie es machen."

Keine Nennung von Namen

Den Rechercheuren lägen laut BBC Radio 4 zwar die Namen der Verdächtigen vor, allerdings habe man auf deren Veröffentlichung verzichtet, weil ohne den Zugriff auf deren Bankdaten oder Telefonprotokollen die persönliche Beteiligung der Spieler an Manipulationen nicht eindeutig nachgewiesen werden könnte.

Allerdings wüsste die "Tennis Integrity Union", eine Art Anti-Korruptions-Behörde des Verbandes, von mehreren Namen Bescheid, so Reporter Simon Cox. Ein Grand-Slam-Sieger im Doppel soll unter den Verdächtigen sein.

Der Ursprung der Recherche gehe auf das schon häufig in Verdacht geratene Match zwischen Nikolai Dawydenko, damals Nummer 4 der Welt, gegen den Außenseiter Martin Vasallo im Jahr 2007 zurück. Der Russe soll nach Satz- und Spielführung im zweiten Satz absichtlich aufgegeben zu haben.

Besondere Aufmerksamkeit erlangte das Match im polnischen Sopot, da beim Portal Betfair erstaunlich viele Wetten auf die Partie platziert wurden. "Das Geld kam von wenigen Accounts aus Russland", sagte Mark Davies von Betfair. Aufgrund der verwirrenden Anzahl an Wetten entschied sich Betfair nach Dawydenkos Aufgabe dazu, die Wetten zu annullieren.

Mehrere auffällige Spiele

Seit 2003 gebe es auch die Möglichkeit, nicht nur auf den Sieg, sondern auch auf die Niederlage eines Spielers zu setzen. So könnte ein Profi den Ausgang der Partie ohne das Wissen des anderen beeinflussen. Der damalige Senior Executive der ATP, Richard Ings, begann im Anschluss, einige Untersuchungen über mögliche Manipulationen anzustellen.

"Spieler kamen auf mich zu und sagten, dass ihnen in manchen Situationen Geld angeboten wurde, um Spiele absichtlich abzugeben", sagte Ings. Es sei eine reguläre Sache im Sport gewesen.

Wett-Ermittler Mark Phillips sprach von mehreren Auffälligkeiten.

"Es gab einige Spiele, die ähnlich verdächtig waren wie das von Dawydenko. Spieler gewannen einen Satz und waren ein weiteres Break vorne – und dann wurde eine große Menge Geld auf den Gegner gesetzt, der dann wiederum mehrere Spiele hintereinander und dann die gesamte Partie gewinnen konnte."

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