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Niki Pilic gab Alexander Zverev einst in München und Umag einige Trainingsstunden
Niki Pilic gab Alexander Zverev einst in München und Umag einige Trainingsstunden © SPORT1-Grafik Paul Haenel / Getty Images

Hannover - Im SPORT1-Interview spricht der ehemalige DTB-Teamchef Niki Pilic über Alexander Zverevs Qualitäten, gemeinsames Training mit Djokovic und Parallelen zu Boris Becker.

Während die Tenniswelt nach der Dopingbeichte von Maria Scharapowa noch unter Schock steht, hat in Indian Wells (täglich live im TV auf SPORT1+) bereits wieder ein großes 1000er-Turnier begonnen.

Und dort will Deutschlands großer Hoffnungsträger Alexander Zverev, der in der ersten Runde auf den Kroaten Ivan Dodig trifft (20 Uhr live im TV auf SPORT1+), ähnlich auftrumpfen wie bei der knappen Davis-Cup-Schlappe des DTB-Teams gegen Tschechien in der vorigen Woche.

Bereits zuvor bescheinigte der ehemalige Teamchef Niki Pilic dem 18-Jährigen ein gigantisches Potenzial. Im SPORT1-Interview erläutert Pilic, der mit der deutschen Mannschaft um Boris Becker 1988, 1989 und 1993 mit Michael Stich den Davis Cup gewann, was Zverev so stark macht. (DATENCENTER: Die Weltrangliste der Herren)

Außerdem spricht er über Parallelen zum jungen Becker, eine Vorhersage von Tomas Berdych und gemeinsames Training mit dem Weltranglistenersten Novak Djokovic.

SPORT1: Zverev spielt in vielen Phasen seiner frühen Karriere schon sehr abgezockt, schlägt bereits Top-15-Spieler und hat auch im Davis Cup gezeigt, dass er an einem Spieler wie Wimbledon-Finalist Berdych dran ist. Wie schätzen Sie seine Entwicklung ein?

Niki Pilic: Er hat im Davis Cup trotz der Niederlage gegen Berdych sensationell gespielt. Wenn er gesund bliebt, ist er in zwei, drei Jahren in den Top 10. Vielleicht auch schon früher. Selbstverständlich gibt es im Sport keine Garantie, aber Sascha besitzt ein absolutes Weltklasse-Potential.

SPORT1: Berdych sieht in ihm eine zukünftige Nummer 1. Der Respekt der Szene ist enorm groß. Erst beim Davis Cup hat man den Eindruck bekommen, dass Tennis-Deutschland so langsam versteht, was für ein Talent da heran wächst….

Pilic: Ich habe mit ihm trainiert, als er 13 und 14 Jahre alt war. Seine Mutter kam mit ihm ein paar Mal zu mir zum Training nach München, und wir haben auch in Umag zusammen mit Djokovics Bruder trainiert. Es war deutlich zu sehen, dass er ein guter Spieler wird. Allerdings kann man in dem Alter nicht alles vorhersehen. (DATENCENTER: Die BNP Paribas Open in Indian Wells)

SPORT1: Trotz seines jungen Körpers gewinnt er sehr viele lange Ballwechsel. Er geht die hohe Geschwindigkeit auf der Tour problemlos mit, hat eine fantastische Psyche. Und er ist erst 18 Jahre alt.

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Pilic: Ich denke, mit ihm hat der Deutsche Tennis Bund und das Davis-Cup-Team eine sehr gute Zukunft vor sich. So einen Spieler braucht man im Team. Ich habe 1985 um Boris Becker herum ein Team gebaut, später mit Stich. Mit einem Spieler dieser Klasse kann man sehr viel bewegen.

SPORT1: Der russische Schriftsteller Maxim Gorki hat mal geschrieben: Talent ist der Glaube an sich selbst. Diesen Glauben spürt man zu jeder Sekunde bei Zverev. Wie entscheidend ist dies auf dem Weg in die absolute Weltspitze?

Pilic: Das ist sicherlich ein Grund. Es gab aber schon genug Spieler, die hatten einen überbordenden Glauben an sich selbst, aber kein Talent. Talent ist eine Naturkraft. Entweder du hast es, oder eben nicht. Sascha verfügt über die nötigen Reflexe, das Auge und die Beine. Er ist ein besonderes Talent, davon hast du zwei von zehn Millionen.

SPORT1:  Wie viel Boris Becker steckt in Sascha Zverev?

Pilic: Man kann die Qualität von Sascha mit der von Boris vergleichen. Es gibt diese Übereinstimmungen. Abgesehen davon, dass es heute eine andere Zeit ist und Boris mit 17 Jahren Wimbledon gewonnen hat. Sascha hat die spielerische Qualität, er hat das Charisma und er besitzt Persönlichkeit. Dazu sieht er gut aus und ist clever. Es ist wie bei einem guten Tortenrezept, es sind alle perfekten Zutaten drin. Sein Wille zu gewinnen ist wie bei Boris unmenschlich groß!

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