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Roger Federer feierte seinen ersten Grand-Slam-Titel seit Wimbledon 2012
Roger Federer feierte seinen ersten Grand-Slam-Titel seit Wimbledon 2012 © Getty Images

Roger Federer krönt seine überragenden Leistungen bei den Australian Open mit seinem 18. Grand-Slam-Titel. Der Schweizer ringt im Finale Rafael Nadal nieder.

Roger Federer saß nach seinem historischen Triumph im epischen Klassiker von Melbourne auf der Bank und weinte Tränen des Glücks. Wenig später stemmte der beste Tennisspieler aller Zeiten mit letzter Kraft die Siegertrophäe in den Nachthimmel und erwies sich nach dem Gewinn seines 18. Grand-Slam-Titels im Giganten-Duell wieder einmal als ganz Großer.

"Schade, dass es kein Unentschieden gibt. Ich würde den Erfolg am liebsten mit Rafa teilen, auch er hätte es verdient", sagte Federer nach dem 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3 im atemberaubenden Endspiel-Krimi der Australian Open gegen seinen Dauerrivalen Rafael Nadal (Spanien).

In den Katakomben umarmte der Schweizer seine Frau Mirka danach minutenlang und wollte den Norman-Brooks-Cup gar nicht mehr aus den Händen geben. Der erste Major-Coup seit Juli 2012 in Wimbledon sorgte für großes Gefühlskino. 

Nach 3:38 Stunden hatte Federer in seinem 100. Match bei den Australian Open seinen zweiten Matchball verwandelt, nachdem er im letzten Satz bereits mit einem Break und 1:3 zurückgelegen hatte. Erst nach einer Challenge und seinem insgesamt 73. Winner stand der Triumph letztlich fest. "Ich könnte nicht glücklicher sein. Das ist ein perfektes Comeback", sagte er.

Federer durchbricht Schallmauer

Federer ist mit 35 Jahren und 174 Tagen der älteste Grand-Slam-Champion seit 1972. Nadal war sichtlich enttäuscht, hatte aber nur Lob für Federer übrig. "Was er geleistet hat, ist erstaunlich. Nach einer langen Pause so zurückzukommen, ist toll", sagte der Linkshänder (Jubel und Tränen: Die Reaktionen der Promi-Fans).

Der Weltranglisten-17. Federer, der die vergangene Saison wegen einer Knie-Verletzung bereits im Juli beenden musste, kassierte für seinen fünften Australian-Open-Erfolg seit 2004 umgerechnet rund 2,6 Millionen Euro. Damit durchbrach der siebenmalige Wimbledongewinner als zweiter Spieler nach Novak Djokovic die 100-Millionen-Dollar-Schallmauer an Preisgeldern.

Der einstige US-Open-Sieger Andy Roddick hatte das Duell im Vorfeld sogar als "epischstes Tennis-Match aller Zeiten" bezeichnet. Federer, der zum AC/DC-Klassiker "Thunderstruck" eingelaufen war, hatte den besseren Start und lag zweimal mit Satzvorsprung vorne.

Comeback im Entscheidungssatz

Doch im ersten Grand-Slam-Finale zwischen den beiden Fanlieblingen seit Juni 2011 erzwang Nadal den Entscheidungssatz. Federer, dem 20 Asse gelangen, nahm zuvor noch eine medizinische Auszeit in den Stadion-Katakomben. Doch das bewahrte ihn nicht vor dem schnellen Aufschlagverlust. Allerdings schlug der Maestro zurück, nahm Nadal den Aufschlag zum 5:3 ab und wehrte danach noch einmal zwei Breakbälle ab. Nach dem Sieg kniete sich der Sieger kurz hin und streichelte den Court.

Für Federer, der im Viertelfinale den ungesetzten Mischa Zverev bezwungen hatte, war es erst der zwölfte Sieg im 35. Duell mit Nadal. Der 30-Jährige aus Manacor muss damit weiter auf seinen insgesamt 15. Major-Titel warten, den letzten hatte der Sandplatzkönig im Juli 2014 bei den French Open gewonnen. 

McEnroe überrascht

Federer hatte sich vorher als "größter Fan" von Nadal geoutet und gesagt: "Rafa hat Schläge, die sonst niemand hat. Das macht ihn einzigartig und speziell", sagte der Vater von zwei Zwillingspärchen.

Der "ultimative Klassiker" zwischen den "Giganten des Spiels" (Herald Sun) hatte die Massen schon vorher elektrisiert. Auf der einen Seite der stilsichere Maestro, der mit der Leichtigkeit einer Feder über den Platz schwebt. Ihm gegenüber der trotz seines immer lichter werdenden Haarschopfs noch knabenhaft wirkende "Rafa", der Tennis mit Leib und Seele arbeitet.

Australiens Ikone Pat Cash hatte gar einen kleinen Glaubenskrieg aus dem Duell gemacht und in einer Glosse geschrieben: "Es ist wie damals, als man zwischen den Stones und den Beatles wählen musste. Aber warum sagen wir nicht einfach, dass beide einfach großartig sind", schrieb der Wimbledonsieger von 1987.

Ikone John McEnroe gab danach zu: "Ich hätte nicht gedacht, dass Roger noch einmal ein Grand-Slam-Turnier gewinnt."

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