vergrößernverkleinern
Philipp Kohlschreiber debütierte 2007 im Davis Cup
Philipp Kohlschreiber debütierte 2007 im Davis Cup © Getty Images

Der verlorene Sohn ist wieder da und mit ihm der Chefkritiker des deutschen Tennis.

Selbst der Abstieg aus der Weltgruppe wäre ihm lieber gewesen als das Comeback von Philipp Kohlschreiber im Davis Cup-Team, schrieb der frühere Weltranglistenvierte Nicolas Kiefer in seiner Kolumne für das Tennis Magazin. Eigentlich habe der Deutsche Tennis Bund (DTB) "gar keine andere Chance, als die Ära Kohlschreiber zu beenden".

Genau das Gegenteil scheint nun aber der Fall zu sein. Auf einer Pressekonferenz in München verkündete Kohlschreiber jedenfalls am Donnerstag seine bevorstehende Rückkehr beim Erstrunden-Duell Anfang März in Frankfurt/Main gegen Frankreich.

Kohlmann hält sich noch bedeckt

"Ich bin im Team und darf spielen", sagte Kohlschreiber. Er freue sich sehr darauf, nachdem er ja in den vergangenen Jahren stets seine uneingeschränkte Bereitschaft erklärt habe, für "mein Land zu spielen. Ich hoffe sehr, dass ich der Mannschaft gegen Frankreich helfen kann."

Vorausgegangen sei ein vertrauliches und "sehr gutes" Gespräch mit dem neuen Teamchef Michael Kohlmann, in dessen Verlauf der "Kohle" (Kohlmann) dem "Kohli" (Kohlschreiber) versichert habe, dass er mit der besten deutschen Mannschaft spielen wolle.

Zu der Kohlschreiber als deutscher Spitzenspieler und aktuelle Nummer 22 der Welt zweifellos gehört. Aber bestätigen wollte Kohlmann die Nominierung des Augsburgers am Donnerstag trotzdem nicht. "Ja, es hat gute Gespräche gegeben, aber die Nominierung ist am nächsten Dienstag im Frankfurter Römer", sagte er.

Kiefer gibt Kohlschreiber Alleinschuld

Auch DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff, zuständig für den Bereich Leistungssport im mitgliederstärksten Tennisverband der Welt, mochte sich zur Personalie Kohlschreiber am Donnerstag nicht äußern. "Die Nominierung ist bekanntlich am nächsten Dienstag", sagte Hordorff.

Derweil macht Nicolas Kiefer, immerhin TV-Experte beim Davis-Cup-Sender Sky Gold, aus seiner tiefen Abneigung gegen den ehemaligen Kollegen Kohlschreiber keinen Hehl.

Dieser alleine, so Kiefer, trage die Schuld an all dem, was letztlich zur Entlassung des bisherigen Teamchefs Carsten Arriens geführt habe: "Er allein und kein anderer."

Eklat am Versöhnungstag 

Kohlschreiber war nach den Querelen beim Erstrundenduell gegen Spanien (4:1) im vergangenen Jahr in Frankfurt/Main von Arriens aussortiert worden, nachdem er sich nicht in der Lage gefühlt hatte, das sportlich unbedeutende dritte Einzel gegen die Spanier am Sonntag zu spielen.

Da auch Tommy Haas und Florian Mayer verletzt ausgefallen waren, kam es zum Eklat.

Danach war es zwischen Arriens und Kohlschreiber ausgerechnet im Rahmen des vom DTB veranstalteten sogenannten "Versöhnungstages" erneut zu einem Konflikt gekommen, in dessen Verlauf sich beide gegenseitig der Lüge bezichtigten.

Termin mit Hordorff geplatzt

Für das darauffolgende Viertelfinale gegen Frankreich (2:3) hatte Arriens seine Nummer eins nicht nominiert und angekündigt, künftig auf Kohlschreiber verzichten zu wollen.

Nachdem Arriens dann zu einem von DTB-Vizepräsident Hordorff in Melbourne anberaumten Gespräch nicht erschienen war, hatte der DTB den Vertrag mit dem Teamchef aufgelöst.

Video
teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel