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Das deutsche Davis-Cup-Team zeigte sich gegen Frankreich als verschworene Einheit. © Imgao

Frankfurt am Main - Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann erkennt trotz der Niederlage gegen Frankreich eine Aufbruchstimmung. Er fordert aber auch ein Umdenken seiner Profis - und hofft auf Haas.

Der Traum vom perfekten Debüt für Michael Kohlmann war schneller geplatzt als erhofft.

Trotzdem wollte der neue Davis-Cup-Teamchef nach der 2:3-Niederlage gegen Favorit Frankreich und dem klar verpassten Viertelfinale eine dezente Aufbruchstimmung im deutschen Männer-Tennis wahrgenommen haben.

"Wir müssen das insgesamt positive Gefühl dieser ganzen Woche mitnehmen, auch wenn wir verloren haben. Wir hatten eine super Stimmung", sagte Arriens-Nachfolger Kohlmann und fügte fast trotzig hinzu: "Das ist erst der Start gewesen."

Die Pleite hatte bereits beim 0:3 nach dem zweiten Tag festgestanden, am Sonntag holten Philipp Kohlschreiber und Jan-Lennard Struff immerhin die Ehrenpunkte. "Das war ein gutes Zeichen. Darauf bin ich stolz", sagte Kohlmann.

Gemischte Gefühle bei Pilic

Die Enttäuschung über das Erstrunden-Aus der neuformierten DTB-Auswahl gegen den übermächtigen Vorjahresfinalisten war in Frankfurt auch Berater Niki Pilic anzumerken.

Der 75-Jährige, als Kapitän mit Deutschland dreimal Davis-Cup-Gewinner, blickte dennoch optimistisch in die Zukunft. "Wir sind stark genug für die Weltgruppe und haben eine solide Mannschaft", sagte Pilic. Wer in den Relegations-Play-offs (18. bis 20. September 2015) im Kampf um die Zugehörigkeit zur Weltgruppe der Gegner ist, wird am 21. Juli ausgelost.

Bis zum Duell gegen den Abstieg will der werdende Vater Kohlmann vor allen Dingen versuchen, seine Spieler zu mehr gemeinsamen Auftritten auf der ATP-Tour zu animieren.

Kohlmann: Doppel sehr wichtig

Wie wichtig ein gut funktionierendes Doppel ist, zeigte sich, als Benjamin Becker/Andre Begemann (Orscholz/Lemgo) beim 4:6, 3:6, 2:6 gegen Julien Benneteau/Nicolas Mahut kaum Land sahen - und die vorzeitige Niederlage der Gastgeber bereits nach dem 0:3 am zweiten Tag besiegelt war.

Für Kohlmann ein Grund zur Klage. "Leider hat das Doppel in Deutschland irgendwie keinen Stellenwert. Dabei hat es im Davis Cup einen sehr großen", erklärte der 41-Jährige und appellierte an seine Profis: "Wir müssen es hinkriegen, dass sich unsere Spieler auf den Turnieren häufiger verabreden und zusammen antreten."

Kritik am Publikum

Die ungleichen Kräfteverhältnisse im Doppel am Samstag führten sogar so weit, dass Begemann Kritik am eigenen Publikum äußerte. "Es fühlt sich nicht gut an, wenn Frankreich in unserer Halle eine Party feiert", sagte der 30-Jährige mit Blick auf die 200 lautstarken Fans der Equipe Tricolore, die die rund 4000 deutschen Anhänger locker übertönten.

Umso erstaunlicher, dass sich ausgerechnet der zweite Debütant im DTB-Team davon kaum beeinflussen ließ. Jan-Lennard Struff (Warstein) empfahl sich trotz seiner Fünfsatzniederlage gegen den Weltranglisten-14. Gilles Simon (6:7, 6:2, 7:6, 2:6, 8:10) für weitere Einsätze.

"Da waren vielleicht ein, zwei Punkte entscheidend. Und hätten wir dieses erste Match gewonnen, hätte es wirklich anders aussehen können", meinte Pilic.

Kohlschreiber holt ersten Punkt

Philipp Kohlschreiber indes waren bei seiner Schlappe gegen Gael Monfils (4:6, 5:7, 6:7) die Folgen einer Grippe deutlich anzumerken. Der Augsburger holte dann am Sonntag durch ein 7:6 (7:5), 6:4 gegen Simon den ersten Punkt für Deutschland.

Dabei versöhnte sich Kohlschreiber ein Jahr nach dem Eklat von Frankfurt mit den Zuschauern. Im Februar 2014 hatte er sich in der Begegnung gegen Spanien (4:1) ebenso wie Tommy Haas und Florian Mayer außerstande gesehen, das bedeutungslose dritte Einzel zu spielen.

Kohlmann trifft Haas

Kohlmann hofft nun, in den Playoffs im Herbst personell aus dem Vollen schöpfen zu können. Mayer und Peter Gojowczyk, die am Wochenende als Zuschauer in der Halle waren, sowie Tommy Haas kehren nach Verletzungen bald wieder auf die Tour zurück.

"Mit Tommy habe ich mich zu Kaffee und Kuchen beim Münchner Turnier verabredet", sagte Kohlmann über den 36-Jährigen, der nach seiner vierten Schulter-Operation sein Comeback in Indian Wells (12. bis 22. März) oder spätestens in Miami (25. März bis 5. April) feiern will.  

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