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Angelique Kerber war auch in Leipzig stark in Forrm © dpa

Die Grand-Slam-Siegerin hat die deutschen Hoffnungen auf den Einzug ins Fed-Cup-Halbfinale am Leben erhalten. In souveräner Manier schlägt sie Timea Bacsinszky in zwei Sätze

Melbourne-Champion Angelique Kerber hat ihren Siegeszug beim ersten Auftritt in der Heimat fortgesetzt und den deutschen Fed-Cup-Frauen die Chance auf den Einzug ins Halbfinale bewahrt.

Sieben Tage nach ihrem Triumph bei den Australian Open ließ die Weltranglistenzweite aus Kiel ihrer Kontrahentin Timea Bacsinszky beim 6:1, 6:3 kaum eine Chance.

Kerber glich damit zum 1:1 gegen die Schweiz aus, ihre Teamkollegin Andrea Petkovic hatte zuvor den Auftakt in der ausverkauften Leipziger Messehalle gegen die Weltranglistenelfte Belinda Bencic mit 3:6, 4:6 verpatzt.

Teamchefin zieht den Hut vor Kerber

"Das ist das Ergebnis, was wir erwartet haben", sagte Teamchefin Barbara Rittner, die Kerber ausdrücklich lobte: "Ich ziehe den Hut vor ihr. Sie hat das toll gemacht, auch wenn am Ende das Energie-Level ein wenig abgefallen ist."

Kerber knüpfte gegen Bacsinszky, immerhin die Nummer 15 der Tennis-Welt, nahtlos an ihre Leistung aus dem Melbourne-Finale gegen Superstar Serena Williams an. Von Müdigkeit war kaum etwas zu sehen, dabei liegt hinter Kerber die ungewöhnlichste Woche ihrer Karriere.

"Die Müdigkeit habe ich im zweiten Satz schon gespürt, aber das Publikum hat mich aufgefangen", sagte Kerber bei Sat.1 überglücklich.

Nach den Feierlichkeiten zum ersten deutschen Majorsieg seit 17 Jahren absolvierte Kerber einen Medienmarathon quer durch Deutschland. Erst ab Donnerstag konzentrierte sie sich ausschließlich auf die Begegnung gegen die Schweiz.

Bundestrainerin Rittner hatte jedoch nicht an ihrer Nummer eins gezweifelt. "Ich wäre ja wahnsinnig, wenn ich die Australian-Open-Siegerin nicht spielen lassen würde", hatte sie bei der Auslosung am Freitag gesagt. Mit einem Auftritt wie gegen Bacsinszky rechnete allerdings auch Rittner nicht.

Begeisternder Empfang durch die Fans

4200 Zuschauer, unter ihnen Vize-Kanzler Sigmar Gabriel, hatten Kerber einen stimmungsvollen Empfang bereitet, auf den Plakaten stand "Angie Kerber Superstar" und "Herzlichen Glückwunsch! Wir lieben Dich!".

Petkovic sprach später von einer Stimmung, die deutlich elektrisierender gewesen sei als bei deutschen Fed-Cup-Matches üblich. Kerber meinte: "Ich hatte einige Male Gänsehaut."

Kerber, die laut Rittner "noch immer auf Wolke sieben unterwegs" ist, schoss Bacsinszky angetrieben von der Euphorie-Welle nahezu vom Feld. Erst im zweiten Satz bekam das Publikum spannendere Ballwechsel zu sehen, doch Kerber zeigte in den entscheidenden Momenten, welches Selbstvertrauen sie derzeit besitzt.

Nachdem sie bei 1:2 drei Breakbälle abgewehrt hatte, nahm sie Bacsinszky den Aufschlag ab und profitierte wenig später bei ihrem vierten Matchball von einem Doppelfehler Bacsinszkys.

Auf Kerber lastet in Leipzig der größte Druck, Andrea Petkovic kann sie kaum entlasten. Die Darmstädterin, die in Melbourne in der ersten Runde ausgeschieden war, zeigte sich gegen Bencic verunsichert und produzierte vor allem mit der Vorhand zahlreiche Fehler.

"Ich war heute einfach nicht gut genug", sagte Petkovic, "das lag aber nicht an den Zuschauern oder am Druck". Sondern auch an ihrer starken Gegnerin, die mit 18 Jahren schon deutlich abgeklärter wirkt als Petkovic.

Petkovic-Einsatz am Sonntag fraglich

Ob die Weltranglisten-23. erneut zum Einsatz kommt, ist fraglich. Zu Bacsinszky wollte sie nichts sagen, sie wisse ja überhaupt noch nicht, wen Teamchefin Rittner aufstellen werde. Annika Beck steht als dritte Einzelspielerin bereit, die Bonnerin hatte Bacsinszky in Melbourne in zwei Sätzen bezwungen.

Fest steht nur, dass Angelique Kerber am Sonntag (ab 12 Uhr/) Bencic im Spitzeneinzel gegenübersteht. Setzt sie ihre Siegesserie fort, fehlt Deutschland nur noch ein Punkt zum Einzug ins dritte Fed-Cup-Halbfinale nacheinander.

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