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Das deutsche Team bleibt erstklassig
Das deutsche Team bleibt erstklassig © Getty Images

Julia Görges beschert dem deutschen Fed-Cup-Team nach Kerbers Niederlage den vorzeitigen Sieg gegen die Ukraine. Barbara Rittner denkt schon an den Titel.

Nach ihrer Energieleistung und dem verhinderten Abstieg mobilisierte Julia Görges ihre letzten Kräfte. Ganz fest drückte sie Angelique Kerber und schwenkte dann auf dem Centre Court mit dem gesamten Fed-Cup-Team eine riesige schwarz-rot-goldene Flagge.

"Viel gesprochen haben wir dabei nicht. Es war einfach ein Geschrei und das Gefühl des Glücklichseins", sagte Görges, die mit zwei Einzelsiegen den vorzeitigen Play-off-Erfolg gegen die Ukraine (3:2) perfekt gemacht hatte: "Das waren emotionale Matches. Dieses Wochenende war ganz wichtig für unser Team. Wir haben gezeigt, dass wir viel Qualität haben."

Damit kann die Equipe von Bundestrainerin Barbara Rittner schon 2018 wieder nach dem ersehnten Titel greifen. "Der Titel bleibt das Ziel", sagte Rittner knapp 30 Jahre nach dem ersten Fed-Cup-Triumph einer deutschen Mannschaft 1987 in Vancouver: "Ich bin überglücklich. Hut ab vor Jule, sie hat das unglaublich gemacht."

Görges trotzt Kopfsturz

Selbst ein Sturz auf den Kopf und eine Achterbahnfahrt brachten Görges nicht vom Erfolgsweg ab. Die entscheidende 3:1-Führung für die Gastgeberinnen machte die Weltranglisten-46. aus Bad Oldesloe mit einem 6:4, 6:4 gegen Lesia Zurenko perfekt. In beiden Sätzen hatte Görges mit 0:3 in Rückstand gelegen.

Als alleinige Matchwinnerin fühlte sich Görges, die als zweite Einzelspielerin den Vorzug gegenüber der in der Weltrangliste besser platzierten Laura Siegemund (WTA-Nr. 37/Metzingen) erhalten hatte, aber keineswegs. "Jeder einzelne Baustein in der Mannschaft war wichtig", sagte die 28-Jährige, die sich tief vor der Weltranglistenersten Kerber verneigte: "Es war kein einfacher Tag für Angie. Ich bin unglaublich stolz, mit einer Nummer eins im Team zu spielen. Wir haben viel Respekt voreinander."

Kerber verliert gegen Switolina

Einen Erfolg im Schnelldurchgang hatte vor 3800 Zuschauern das 4:6, 2:6 von Kerber im Spitzeneinzel gegen Jelena Switolina (WTA-Nr. 13) verhindert. "Am Ende lag es an zwei, drei Bällen", sagte die zweimalige Major-Siegerin nach der vierten Niederlage in Serie gegen die Ukrainerin. Titelverteidigerin Kerber meinte aber mit Blick auf das am Montag beginnende WTA-Turnier an selber Stelle: "Ich habe meine Niederlage nicht als Rückschritt empfunden. Ich trainiere gut und habe wieder Spaß am Tennis."

Die Kielerin hatte die 2:0-Führung nach dem ersten Tag durch ein souveränes 6:1, 6:4 gegen Zurenko besiegelt. Görges hatte zuvor ihre Partie gegen Switolina 4:6, 6:1, 6:4 gewonnen.

Dabei hatte sie auch einen Sturz auf den Kopf am Ende des zweiten Satzes weggesteckt. "Ich bin mit der Ferse hängen geblieben und habe schnell gemerkt: Ich fliege. Danach hat es gekribbelt, und ich war schon zwei Spiele lang ein bisschen benebelt", berichtete Görges, deren Miene sich am Sonntagnachmittag trotz des verhinderten ersten Abstiegs aus der Weltgruppe seit 2012 verfinsterte.

Görges verstimmt

Görges erhielt vom Veranstalter des Stuttgarter Turniers keine Wildcard für das Hauptfeld. Dabei hatte sie 2011 das Sandplatzevent gewonnen. Die "Freifahrtscheine" gingen an Dopingsünderin Maria Scharapowa (Russland), die Britin Johanna Konta und Siegemund. Besonders die Wildcard-Vergabe an Scharapowa, deren 15-monatige Sperre wegen Meldonium-Missbrauchs erst am dritten Turniertag (Mittwoch) abläuft, hatte für Kritik gesorgt.

"Ich möchte mich dazu nicht äußern. Ich glaube, meine zwei Siege am Wochenende haben genug gesagt", meinte Görges sichtlich verstimmt. Die Weltranglisten-46. hatte auch keine Möglichkeit, in der Qualifikation am Wochenende zu starten, weil sie zu dieser Zeit im Fed Cup spielte.

Das abschließende Fed-Cup-Doppel verloren Siegemund/Carina Witthöft mit 4:6, 6:4, 6:10 gegen Olga Sawtschuk/Nadija Kischenok.

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