Video

Melbourne - Serena Williams zeigt ihrer Dauerrivalin Maria Scharapowa einmal mehr die Grenzen auf und holt sich den sechsten Australian-Open-Titel ihrer Karriere. Für ihren Freudentanz soll sie allerdings keinen Preis bekommen - findet zumindest Ivo Karlovic.

Nach dem Sieg des Willens hüpfte Serena Williams wie ein Flummi über den himmelblauen Centre Court von Melbourne.

Der Ausgelassenheit nach ihrem sechsten Australian-Open-Titel und dem 19. Grand-Slam-Coup folgt aber schnell tiefste Demut. "Bei mir begann alles mit einem Schläger, einem Ball und einer Hoffnung. Ich bin in keiner reichen Familie aufgewachsen, aber wir hatten immer den Glauben an uns", sagte die topgesetzte Williams nach dem 6:3, 7:6 (7:5) im Traumfinale gegen ihre Erzrivalin Maria Scharapowa (Russland/Nr. 2).

Mit dem 18. Ass zum Sieg

Und die unter einer Virusinfektion leidende Williams hätte ihr Selbstvertrauen kaum besser dokumentieren können als bei ihrem dritten Matchball. Nach einem vermeintlichen Ass riss die 33-jährige Amerikanerin bereits die Arme in die Höhe - doch der Aufschlag hatte das Netz berührt (Ticker zum Nachlesen).

Kein Problem für die "ultimative Siegerin", wie Serena von ihrer großen Schwester Venus Williams genannt wird. Nur wenige Sekunden später setzte die Branchenführerin wie selbstverständlich ihr Service noch einmal in dieselbe Ecke. Das 18. Ass löste bei Williams Verzückung pur aus.

Williams die älteste Siegerin

Und die fünfmalige Wimbledonsiegerin scheint sich immer wieder selbst zu überraschen. Als Williams später mit dem "Daphne Akhurst Memorial"-Pokal durch die Katakomben der Rod-Laver-Arena lief, flüsterte sie vor sich hin: "Titel Nummer sechs...wow."

Serena Williams bezwang im Finale Maria Scharapowa
Serena Williams bezwang im Finale Maria Scharapowa © getty

Mit 33 Jahren und 127 Tagen ist Williams, die ein Preisgeld in Höhe von umgerechnet 2,1 Millionen Euro kassierte, die älteste Siegerin beim ersten Major des Jahres. Durch ihren 19. Grand-Slam-Coup kommt sie Rekordhalterin Steffi Graf, die in der Open Era 22 Major-Titel gewann, immer näher. "Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal schaffen würde", sagte Williams.

Scharapowa fühlt sich geehrt

Auch Scharapowa zog den Hut vor ihrer Angstgegnerin. "Serena ist die Beste und hat wieder einmal Geschichte geschrieben", meinte die 27-Jährige: "Es ist immer eine Ehre, gegen sie zu spielen. Ich liebe es, obwohl meine Enttäuschung wieder groß ist."

Dabei waren die Voraussetzungen für die sichtlich angeschlagene Williams alles andere als gut gewesen. Die sechsmalige US-Open-Siegerin litt bereits seit Tagen unter einem Virus. Die nervöse Scharapowa, die seit 2004 und in zuvor 15 Matches nicht mehr gegen ihre Kontrahentin gewinnen konnte, vermochte die Chance allerdings nicht zu nutzen.

Williams trotzt Hustenanfall

Zunächst waren Williams die gesundheitlichen Probleme nicht anzumerken. Gleich zu Beginn breakte die Weltranglistenerste die 1,88 Meter große Russin. Wenig später kam es zu einer zwölfminütigen Unterbrechung, da wegen des einsetzenden Regens das mobile Dach des Stadions geschlossen werden musste. Während French-Open-Gewinnerin Scharapowa auf ihrer Bank verharrte, verschwand ihre Erzrivalin in der Kabine.

Als Williams den Centre Court wieder betreten wollte, bekam sie einen Hustenanfall und kehrte zunächst zurück in die Katakomben. In den vergangenen Tagen hatte sie sich vor einem TV-Studio übergeben müssen. Doch Williams zeigte erneut ihren Kampfgeist, als sie im Anschluss sechs Punkte in Folge machte und mit 5:2 in Führung ging (SERVICE: Die WTA-Weltrangliste).

Dank an Gott

Auch in der Folge konnte sich Williams in brenzligen Situationen stets auf ihren Aufschlag verlassen.

Im ominösen siebten Spiel des zweiten Durchgangs wehrte sie nervenstark zwei Breakbälle von Scharapowa ab, die in der zweiten Runde mit zwei Matchbällen konfrontiert war.

Im Tiebreak behielt Williams dann kühlen Kopf. "Ich kann nur Gott danken. Ich habe dafür gebetet, stark zu bleiben und das durchzustehen", sagte die frischgebackene sechsmalige Australian-Open-Gewinnerin.

Karlovic lästert über kuriosen Siegestanz

Nachdem Williams ihren dritten Matchball per Ass verwandelte, führte die extravagant in einem Kleid in rosa und gelb gekleidete US-Amerikanerin einen etwas ungewöhnlichen Tanzstil auf.

Während sich die frischgebackene Australian-Open-Siegerin tanzend über ihren nächsten Triumph freute, lästerte Tennisprofi Ivo Karlovic über den Auftritt der Kollegin nach Spielende.

"Erdbeben in Melbourne", twitterte der Aufschlag-Gigant aus Kroatien, der in Down Under in der zweiten Runde gegen Lokalmatador Nick Kyrgios rausflog.

Video
teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel