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Andrea Petkovic packt bei den Australian Open nach der ersten Runde ihre Taschen
Andrea Petkovic gewann 2014 die SPORT1 als Sportlerin des Jahres © getty

München - Nach Kerber und Lisicki fliegt auch Andrea Petkovic in der ersten Runde von Melbourne raus. Barbara Rittner hofft auf eine Schocktherapie, vermisst aber "harte Führung".

Barbara Rittner saß im Melbourne Park ernüchtert auf einer Mauer und war einfach nur perplex. Dass die Fed-Cup-Teamchefin nur 10 Wochen nach dem Finale von Prag die größte Grand-Slam-Pleite ihrer Spielerinnen seit acht Jahren analysieren musste, hätte sie vor der Reise zu den Australian Open nicht im Traum gedacht.

"Das war ein Riesenrückschritt und ein Flop. Diese Situation ist neu für mich und hat mich schon umgehauen", sagte eine "total traurige" Rittner, nachdem Andrea Petkovic kurz zuvor das Desaster perfekt gemacht hatte.

Petkovic fehlt das Selbstvertrauen

Die Weltranglisten-13. aus Darmstadt schied nach einem unnötigen 7:5, 6:7 (4:7), 3:6 gegen Madison Brengle (USA) ebenso wie am Tag zuvor Angelique Kerber (Kiel/Nr. 9) und Sabine Lisicki (Berlin/Nr. 28) völlig überraschend in der ersten Runde von Melbourne aus.

"Mir hat nach den zwei Niederlagen zu Saisonbeginn das Selbstvertrauen gefehlt. Das hat in den entscheidenden Momenten den Unterschied gemacht", haderte "Petko", die 2015 wie auch Lisicki noch immer auf ihren ersten Sieg wartet.

Dabei hatte die 27-jährige gegen Brengle im zweiten Satz schon 5:3 geführt. Damit steht erstmals seit den Australian Open 2007 keine Spielerin aus dem Erfolgs-Trio Kerber, Petkovic und Lisicki bei einem Grand-Slam-Turnier in der zweiten Runde.

Barthel, Becker und Bachinger überraschen

In die Bresche sprangen am Dienstag andere. Mona Barthel (Neumünster), Benjamin Becker (Orscholz) und Matthias Bachinger (München) meisterten ihre Auftakthürden. Damit haben lediglich sechs von 17 im Hauptfeld gestarteten deutschen Profis den Sprung in die zweite Runde geschafft. Am Montag hatten sich Philipp Kohlschreiber (Augsburg/Nr. 22), Julia Görges (Bad Oldesloe) und Carina Witthöft (Hamburg) schadlos gehalten.

In Panik wollte Rittner nach dem kollektiven K.o. ihrer Hoffnungsträgerinnen dennoch nicht verfallen. Selbst mit Blick auf das Fed-Cup-Viertelfinale gegen Australien in Stuttgart (7./8. Februar) nicht. "Die Mädels sind eben keine Maschinen", meinte die 41-Jährige: "Vielleicht war das jetzt eine Schocktherapie."

Petkovic intensiviert Trainersuche

In den kommenden Tagen werden Kerber und Co. die Negativerlebnisse von Down Under individuell mit ihren Teams aufarbeiten. Bei Kerber wird es darum gehen, dass die sensible Weltranglistenneunte ihre exzellten Trainingsleistungen ins Match transportieren und den Druck besser verarbeiten kann.

Petkovic indes wird die Suche nach einem Coach intensivieren. In den Tagen von Melbourne, in denen sie von ihrem Vater Zoran betreut wurde, hat die Paris-Halbfinalistin viele Gespräche mit möglichen Kandidaten geführt. "Ich habe große Erwartungen an einen Trainer und muss Respekt vor ihm haben", sagte Petkovic.

Rittner fordert "harte Führung"

Bei Lisicki, die 2015 ebenfalls noch auf einen Einzelerfolg wartet, wird ihr neuer Trainer Christopher Kas sicher an der Fitness der ehemaligen Wimbledon-Finalistin arbeiten. "Sabine braucht eine harte Führung", sagte Rittner.

In Melbourne waren bei einem Mannschaftsabend auch die Irritationen ausgeräumt worden, die bei der 1:3-Finalniederlage gegen Gastgeber Tschechien im November entstanden waren. "Wir haben offen geredet, jeder durfte kritisieren", berichtete Rittner von dem reinigendem Gewitter bei einem Edel-Italiener: "Alle bekennen sich zu einhundert Prozent zum Fed-Cup-Team."

Petkovic allerdings schließt nicht aus, dass die klare Niederlage von Prag einer der Gründe für die Enttäuschung von Melbourne war. "Wir wollten den Pott holen und haben sang- und klanglos verloren. Das war einfach eine stressige Situation", meinte "Petko".

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