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Gala im Gigantenduell: Novak Djokovic lässt Rafael Nadal im Knaller der French Open keine Chance. Der erste Grand-Slam-Erfolg auf Sand rückt immer näher.

Novak Djokovic hat Sandplatzkönig Rafael Nadal in einem überraschend einseitigen Match vom Thron gestoßen und schickt sich an, die Herrschaft im Stade Roland Garros an sich zu reißen.

Der beste Tennisspieler der Gegenwart zerstörte beim 7:5, 6:3, 6:1 im Viertelfinale Nadals Hoffnungen auf seinen zehnten Titel.

Der Spanier ergab sich nach 2:26 Stunden mit einem Doppelfehler in seine zweite Niederlage im 72. Match bei den French Open. (SERVICE: Alle Männer-Ergebnisse im Überblick)

Wer soll Djokovic noch stoppen?

TENNIS-FRA-OPEN
Novak Djokovic steht nach seinem Sieg über Rafael Nadal im Halbfinale von Paris © Getty Images

"Ich habe großen Respekt vor Rafa, er ist immer ein Champion", sagte Djokovic nach dem Matchball: "Ich wusste, dass es meine Taktik sein muss, aggressiv und konzentriert zu bleiben. Aber das ist oft einfacher gesagt als getan. Ich hoffe nur, dass ich so weiterspiele."

Mit Tränen in den Augen und brüchiger Stimme trat Nadal vor die Presse. "Ich hatte meine Momente, aber er war besser. So einfach ist das", sagte er und fügte trotzig an: "Ich habe 2009 verloren. Das war nicht das Ende. Ich habe 2015 verloren. Auch das wird nicht das Ende sein."

Nach seinem ersten Triumph im siebten Duell mit Nadal beim Höhepunkt der Sandplatzsaison drängt sich eine Frage dennoch immer mehr auf: Wer soll diesen Djokovic eigentlich noch stoppen?

Seit Ende Februar hat der Serbe kein Match mehr verloren - in Paris ist er noch immer ohne Satzverlust. Gegen Nadal unterstrich der 28-Jährige eindrucksvoll, dass er in diesem Jahr bereit ist, die Sammlung seiner Grand-Slam-Titel zu vervollständigen.

Nadal hält nur im ersten Satz mit

Stoppen konnte Djokovic auch nicht sein zwischenzeitlicher Ärger über die Verhältnisse der Platzes, der ungewohnterweise zu keinem Zeitpunkt gewässert und somit höchst staubig wurde, Nadals Topspin-Bällen damit höchst gelegen kamen.     

Die Augen der Tenniswelt waren auf die Partie der Dauerrivalen gerichtet, es war ihre 44. Begegnung, kein Duell hat es bislang im Profitennis häufiger gegeben.

Lobeshymnen waren bereits vor dem Match verfasst worden, Ex-Profi John McEnroe sprach vom "größten Viertelfinale der Geschichte".

Zumindest der erste Satz hielt, was viele der vorherigen Begegnungen versprochen hatten: Zwar brauchte Nadal an seinem 29. Geburtstag ganze 21 Minuten für seinen ersten Spielgewinn.

Doch nur eine Viertelstunde später hatte er das 0:4 aufgeholt und zum 4:4 ausgeglichen.

Fünf Satzbälle vergebens abgewehrt

Die Zuschauer wagten in dieser Phase des Matches nicht, ihre Plätze zu verlassen, selbst in einigen Finals der vergangenen Jahre waren mehr Lücken auf den Tribünen zu erkennen gewesen.

Es waren jedoch die einzigen Minuten, in denen sich beide Spieler auf Augenhöhe begegneten. Djokovic griff an. Nadal verteidigte.

Insgesamt fünf Satzbälle wehrte er ab, dann segelte ein Volleystop ins Aus. Auf der Tribüne erhob sich Djokovics Trainer Boris Becker, klatschte und nickte anerkennend.

War das der Moment, in dem er erkannte, dass seinem Schützling das eigene Schicksal erspart bleiben wird? Becker hat die French Open nie gewonnen, es blieb ein Makel in seiner Bilderbuch-Karriere.

Fan-Pfiffe, weil echte Schlacht ausbleibt

Die Geschichte der Sätze zwei und drei ist schnell erzählt: Djokovic nahm Nadal dessen Aufschlag zum 5:3 ab und brach damit den Widerstand des Mallorquiners.

Nun mischten sich sogar ein paar Pfiffe unter die Beifalls-Bekundungen für zwei der weltbesten Athleten.

Viele Zuschauer hatten auf eine epische Schlacht wie im Finale der Australian Open 2012 gehofft, als Djokovic nach beinahe sechs Stunden gewann. Zu solch einer Ausnahmeleistung war Nadal an diesem Tag jedoch nicht mehr fähig. Mit Mühe ersparte er sich die Demütigung im dritten Durchgang.

Djokovic triumphierte wie vor ihm 2009 nur der Schwede Robin Söderling und zog zum fünften Mal ins Halbfinale der French Open ein.

Nun gegen Murray

In dem trifft er am Freitag (13 Uhr LIVESCORES) auf München- und Madrid-Sieger Andy Murray aus Großbritannien, der sich gegen den Spanier David Ferrer mit 7:6 (7:4), 6:2, 5:7, 6:1 durchsetzte.

Der Brite wusste schon vor der Partie: "Wir spielen heute nur die zweite Geige."

Bei den Frauen kommt derweil Serena Williams endlich ins Rollen. (SERVICE: Alle Frauen-Ergebnisse im Überblick)

Serena Williams im Eiltempo

Nachdem sie dreimal in Folge den ersten Satz verschlafen und verloren hatte, präsentierte sich die 19-malige Grand-Slam-Siegerin gegen Sara Errani aus Italien hellwach.

Nach nur 65 Minuten gewann Williams 6:1, 6:3 und zog ins Halbfinale gegen die Schweizerin Timea Bacsinszky ein.

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