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TENNIS-FRA-OPEN
Serena Williams feiert ihren dritten Erfolg bei den French Open © Getty Images

Die Weltranglistenerste gewinnt das Finale der French Open gegen die Tschechin Lucie Safarova. Ihr dritter Erfolg in Roland Garros ist zugleich ein besonderes Jubiläum.

Serena Williams ließ ihrem Zorn freien Lauf. Sie schrie, sie fluchte und stampfte auf den Boden. Sie spielte alle Rollen in ihrem ganz persönlichen Finaldrama der French Open zugleich - und sorgte nach 2:01 Stunden letztlich selbst für ihr Happy End.

Mit 6:3, 6:7 (2:7) und 6:2 bezwang sie Außenseiterin Lucie Safarova und gewann zum dritten Mal nach 2002 und 2013 die French Open.

Beinahe hätte sie den Titel leichtfertig verschenkt. 6:3, 4:1 und 40:15 führte Williams, geschwächt von einer Grippe, im zweiten Satz, servierte drei Doppelfehler und ließ Nebendarstellerin Safarova zurück ins Spiel. "Da bin ich etwas nervös geworden", sagte die Drama-Queen aus den USA.

Jagd nach Rekorden

Letztlich ging "ihr Traum" dennoch in Erfüllung, wie Williams bei der Siegerehrung meinte. Mit ihrem 20. Grand-Slam-Titel rückt sie immer näher an Rekordhalterin Steffi Graf (22) heran. Als erste Spielerin seit ihrer Landsfrau Jennifer Capriati vor 14 Jahren schaffte sie das Titel-Double der Australian und French Open. Für Williams scheint in dieser Saison allerdings weit mehr möglich.

"Es ist unglaublich, was sie gerade erreicht", sagte Steffi Graf der französischen Nachrichtenagentur AFP: "Sie hat das Potenzial, weit mehr zu gewinnen. Es ist eine Freude, ihr dabei zuzugucken." Selbst die 24 Grand-Slam-Titel der Australierin Margaret Court Smith, die zum Teil aus der Zeit vor der Einführung des Profitennis (1968) datieren, sind für Williams keine Utopie.

Die Amerikanerin entgegnete bei Eurosport: "Das kann ich noch nicht ganz glauben, dass ich das geschafft habe. Das ist unfassbar. Ich hatte gar keine Zeit, Nummer 19 zu genießen."

"Ich musste draufgehen"

Williams gewann auch das neunte Duell mit der dreimaligen Fed-Cup-Siegerin Safarova und setzte damit den erfolgreichen Schlusspunkt ihrer mühevollen French-Open-Kampagne. Viermal hatte sie im Turnierverlauf den ersten Satz verloren und im Halbfinale gegen die Schweizerin Timea Bacsinszky ein jämmerliches Bild abgegeben. Williams: "Ich hatte nur eine Option: Ich musste draufgehen." 

Auch gegen Safarova schlurfte Williams zwischen den Ballwechseln im Zeitlupentempo über den Sand, in der Absicht, Kraft für ihre mächtigen Grundschläge zu sparen. Seit der dritten Runde leide sie unter "einer Art Grippe", ließ Williams am Freitag mitteilen, sie habe sich so elend gefühlt wie selten zuvor.

Safarova war ohne Satzverlust in ihr erstes Grand-Slam-Finale marschiert, hatte dabei nach Sabine Lisicki auch Titelverteidigerin Maria Scharapowa geschlagen. Die 28 Jahre alte Linkshänderin ist taktisch dazu in der Lage, auch deutlich härter schlagende Gegnerinnen aus der Balance zu bringen, zudem spielt sie in Roland Garros das Turnier ihres Lebens und steht am Sonntag auch im Doppelfinale.

Williams unbeeindruckt

Das alles interessierte Williams jedoch ebensowenig wie der Gegenwind der Zuschauer, die sich auf die Seite des Underdogs schlugen. Mit ihren kraftvollen Aufschlägen (bis zu 202 km/h) und Returns hielt sie die Ballwechsel kurz und profitierte zudem von einigen unnötigen Fehlern der nervösen Safarova.

Ihr Schlusswort: "Ich bin keine 19 Jahre mehr. Aber ich freue mich auf die nächsten Turniere."

Es klingt ein wenig wie eine Drohung an die Konkurrenz.

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