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Stan Wawrinka gewann bei den French Open seinen zweiten Grand-Slam-Titel © Getty

Stan Wawrinka durchbricht mit seinem Sieg bei den French Open endgültig die Phalanx der großen Vier. Dabei erntete er anfangs nur Spott. Einen Makel sieht er dennoch bei sich.

Wie eine zweite Trophäe hing sie da, die rot-weiß karierte Shorts, direkt neben dem Coupe des Mousquetaires. Stan Wawrinka hatte sie dort platziert, es war sein Zeichen an die Tennis-Welt: Seht her, wie weit ich es gebracht habe. In dieser Hose, für die ihr mich vor zwei Wochen alle ausgelacht habt.

Diesen kleinen Spaß mit seinen Zuhörern konnte sich Wawrinka am Ende seines Triumphzugs durch die zwei Grand-Slam-Wochen in Paris nicht verkneifen. "Ich mag sie sehr, diese Shorts. Aber anscheinend bin ich der einzige", sagte der sympathische Schweizer: "Es ist einfach zu lustig, dass ich darin die French Open gewonnen habe."

Tatsächlich hatten viele Experten zu Beginn des Höhepunkts der Sandplatzsaison für Wawrinka nur ein Schmunzeln übrig, kaum jemand hatte ihn auf dem Zettel.

Dort standen Rafael Nadal, der Seriensieger. Klar. Vielleicht Andy Murray nach seinem Erfolg beim Masters in Madrid und Roger Federer, weil er einfach Federer ist. Ganz sicher auf der Liste stand Novak Djokovic, der unbezwingbar erscheinende Dominator.

Doch Wawrinka hat sie alle hinter sich gelassen, die "Big 4". Im Viertelfinale schoss er Landsmann Federer vom Platz. Im Finale bezwang er Djokovic mit einer phantastischen Leistung 4:6, 6:4, 6: 3, 6:4 und zerstörte damit den Traum des Serben, der seine Grand-Slam-Sammlung endlich komplettieren wollte.

Wawrinka bleibt auf dem Teppich 

Ist das jetzt der Durchbruch, gehört "Stan the Man" oder "Stanimal", wie Wawrinka genannt wird, ab sofort zu den großen Fünf?

"Nein", sagte der 30-Jährige ohne zu zögern, "ich bin nicht so stark wie die 'Big 4'.

Aber ich bin stark genug, um ab und an einen großen Titel zu gewinnen." Im Stade Roland Garros gelang ihm dies nun bereits zum zweiten Mal nach den Australian Open 2014.

Dabei hatte Wawrinka vor den French Open eher mit seinem öffentlichen Ehe-Aus denn mit guten Resultaten auf sich aufmerksam gemacht. Er verlor unter anderem gegen Sergej Stachowski, Robin Haase, Adrian Mannarino und Federico Delbonis.

"Das ist eben meine Karriere. Mit Höhen und Tiefen", sagte Wawrinka: "Es ist noch immer komisch, wenn ich mir sage: Hey, du hast Olympiagold, den Davis Cup und zwei Grand-Slam-Turniere gewonnen."

 Dank an Trainer Norman

Wawrinka weiß, wem er diese Karriere zu verdanken hat. Der erste Weg nach dem Triumph über Djokovic führte ihn auf die Tribüne des Court Philippe Chatrier zu seinem Trainer Magnus Norman.

Stan Wawrinka und sein Team © Getty

Wawrinka gab dem Schweden zu verstehen: Das ist auch dein Titel, du hast es geschafft. Norman hatte 2000 in seinem einzigen Grand-Slam-Finale in Paris verloren.

Auch Pierre Paganini, dem Fitness-Guru, der auch Federer formt, fiel Wawrinka um den Hals. "Er spielt eine Schlüsselrolle in meiner Laufbahn", sagte Wawrinka: "Ich schulde ihm viel." Allerdings nicht die rot-weiß karierte Siegershorts: "Die wandert ins Museum von Roland Garros. Da könnt ihr euch sie jederzeit anschauen, wenn ihr wollt."

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