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Carina Witthöft befindet sich in der Weltrangliste mittlerweile unter den Top 50
Carina Witthöft befindet sich in der Weltrangliste mittlerweile unter den Top 50 © Getty Images

Carina Witthöft erreicht bei den US Open einen ersten Meilenstein. Bei SPORT1 spricht sie über ihre Chancen in New York, Respekt von Kolleginnen und Hamburgs Erfolgsgeheimnis.

Beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres in New York erreicht Carina Witthöft ihren ersten persönlichen Meilenstein.

Denn mit der Hauptfeld-Teilnahme bei den US Open (tägl. in den LIVESCORES) qualifiziert sich das deutsche Tennis-Talent direkt in ihrem ersten kompletten Jahr auf der WTA-Tour für alle vier Grand Slams.

Kein Wunder, dass Bundestrainerin Barbara Rittner der 20-Jährigen bereits eine große Karriere prophezeit hat: "Carina ist die nächste. Für sie gibt es nach oben kein Limit."

Bei SPORT1 spricht Witthöft vor ihrem ersten Match bei den US Open über ihre Chancen in New York, den wachsenden Respekt der Kolleginnen und zieht eine Bilanz ihrer WTA-Saison.

SPORT1: Frau Witthöft, sie kommen gerade vom Training. Wie trainiert ein Tennisprofi eigentlich die letzten Tage vor einem Grand Slam?

Carina Witthöft: Eigentlich ganz normal. Man arbeitet im Training weiter in bestimmten Bereichen und spielt Matches gegen Kolleginnen. Da versucht man dann die Dinge umzusetzen, die man im Training zuvor trainiert hat. Im Moment arbeiten wir daran, dass ich die Bälle bereits im Feld nehme, das Tempo diktiere und öfter nachrücke.

SPORT1: Bleibt bei dem vielen Training noch Zeit, sich New York anzusehen?

Witthöft: Nicht wirklich. Ich bin sowieso niemand, der nach einem harten Trainingstag abends noch gerne etwas Großes unternimmt. Am ersten Tag, als wir angekommen sind, hatte ich aber frei. Da waren wir in der Stadt und oben auf dem Rockefeller Center. Ansonsten habe ich in diesem Jahr noch nicht viel von New York gesehen.

SPORT1:Bei den US Open treffen sie in Runde eins auf die starke Wimbledon-Finalistin Garbine Muguruza. Die Spanierin gewann allerdings seit dem Wimbledon-Halbfinale keinen Satz mehr. Wie sehen Sie Ihre Chancen?

Witthöft: Ja, sie ist zuletzt immer schnell ausgeschieden und für ihr Spiel braucht sie Selbstbewusstsein. Ich versuche, mich aber auf mich zu konzentrieren und das umzusetzen, was ich im Training geübt habe. Also selber Druck aufbauen, die Bälle früh nehmen und zum richtigen Zeitpunkt nachrücken. Es ist auf jeden Fall kein Glückslos, aber ich nehme es, wie es kommt, und werde versuchen zu gewinnen."

SPORT1:Eugenie Bouchard und Maria Scharapowa sind der Ansicht, dass man auf der WTA-Tour keine Freundinnen haben kann, weil das Konkurrentinnen seien. Wie sehen sie das?

Witthöft: Echte Freundinnen habe ich auf der Tour auch nicht - die habe ich zu Hause. Aber es ist Quatsch, dass man deshalb mit anderen Spielerinnen nicht reden kann. Ich verstehe mich mit einigen gut und man geht auch abends ab und an zusammen essen. Nur kann man die nicht Freundinnen nennen, weil man sich viel zu wenig sieht.

SPORT1:Statt Tour-Freundinnen hat Scharapowa eine eigene Süßigkeitenmarke: Wie schwer fällt es einem Tennisprofi auf Naschereien zu verzichten?

Witthöft: Das ist unterschiedlich. Naschereien habe ich mir vor ungefähr einem Jahr abgewöhnt. Die ersten zwei Wochen sind schwierig, aber wenn man das dann durchzieht und erst einmal komplett darauf verzichtet, ist es kein Problem mehr. Es ist ja auch nicht so, dass ich nichts Süßes mehr esse. Ich nasch zwischendurch schon noch, aber weniger und seltener als früher.

SPORT1:Wie bewerten sie ihr erstes richtiges Jahr auf der WTA-Tour bisher? Was lief besser oder schwieriger als erwartet?

Witthöft: Insgesamt bin ich auf jeden Fall zufrieden. Klar gab es Sachen, mit denen ich unzufrieden war - als ich ein paar erste Runden verlor oder das letztendliche Ergebnis in Wimbledon (0:6, 0:6 gegen Kerber, Anm. d. Red.). Aber das gehört dazu. Dafür gab es auch viele positive Sachen, mit denen ich nicht gerechntet hatte, Runde drei bei den Australien Open oder die zwei Viertelfinals auf der WTA-Tour.

SPORT1:Sie verbessern sich zudem kontinuierlich in der Rangliste und sind schon auf Platz 49. Begegnen die Kolleginnen ihnen nun mit mehr Respekt als noch in der Anfangszeit?

Witthöft: Ja, auf jeden Fall. Man merkt es daran, mit wem man trainiert, wer einen zum Training einlädt oder wer einen grüßt. Man kriegt das schon durch Kleinigkeiten mit.

SPORT1:Liebäugeln sie für 2016 mit einer Fed-Cup-Nominierung, da sie mittlerweile Deutschlands Nummer vier im Ranking sind?

Witthöft: Das ist schwer zu sagen, da die deutschen Damen ziemlich stark sind. Es gibt drei, die vor mir stehen und einige, die nur knapp dahinter sind. Aber klar würde ich mich riesig freuen, wenn ich einmal Fed Cup spielen darf.

SPORT1:Könnte ihr langsamer, aber kontinuierlicher Weg ein Vorteil sein, da sie sich in Ruhe an den steigenden Druck und das Drumherum gewöhnen können? Kometenhafte Aufstiege - wie der von Bouchard 2014 - enden ja oft abrupt.

Witthöft: Pauschal kann man das vielleicht nicht sagen. Bouchard hatte 2014 eine tolle Saison, jetzt trifft es sie momentan sehr hart. Für mich persönlich fühlt es sich richtig an Schritt für Schritt zu gehen und langsam im Ranking zu steigen. Ich denke, dass ein langsamer Aufstieg für meine Entwicklung der Persönlichkeit besser, weil einfach natürlicher ist. Ich werde mit jedem Match und jedem Turnier erfahrener und lerne hinzu.

SPORT1:Mit Alexander Zverev und ihnen kommen die aktuell größten Talente Deutschlands aus Hamburg. Was macht Hamburg denn zur neuen Tennis-Hochburg? Gerade die Fußballer wüssten sicher gern, wie man als Hamburger so erfolgreich sein kann.

Witthöft: Ja, die können sich einmal eine Scheibe von uns abschneiden, oder? (lacht). Nein, ich weiß nicht, woran das liegt. Vielleicht, weil Hamburg die schönste Stadt ist?

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