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Angelique Kerber ist keine komplette Spielerin, ihr Australian-Open-Sieg zeigt aber, was sie besonders macht. Einen Tennis-Boom wird es dennoch nicht geben.

Liebe Tennisfans,

Angelique Kerber gewinnt die Australian Open. Eine Tennismeldung wie aus einer anderen Zeit. Aber es ist tatsächlich passiert. Im Hier und Jetzt. Wir waren live dabei am TV.

Man erinnere sich: Erstrundenmatch von Kerber gegen die Japanerin Doi. Die Deutsche war draußen, war schon im Flugzeug bei Matchball gegen sich. Aber sie flog nicht. Nicht aus dem Turnier und nicht zurück nach Deutschland.

Es gibt diese Momente im Sport, wo Heldenreisen beginnen und die Protagonisten auf ihrem Weg dann nicht mehr zu stoppen sind. Schon früh hatte ich den Eindruck, dass es die verrückte Reise von Kerber sein wird und sie erst wieder mit der Trophäe heimkehrt.

Bemerkenswert ist, dass sich Angelique Kerber vor dieser Saison intensiv mit ihrer Karriere auseinandergesetzt hat. Sie ist in sich gegangen, hat ihre Ziele neu definiert, diese auch ausgesprochen und nun Taten folgen lassen. Sie ist keine komplette Spielerin, aber ihr Herz, ihre Einstellung, ihr Willen machen sie zu einer außergewöhnlichen Athletin und Sportlerin.

Entscheidend war für mich im Finale gegen Williams schon der erste Satz. Der Schlüssel zum Titel. Serena kam erst spät auf Betriebstemperatur. Da war Kerber allerdings schon spielerisch und mental voll drin im Endspiel. Genau da hat sie gemerkt, dass mehr drin ist, als nur dabei sein zu dürfen. Zwei clevere Stoppbälle haben bei Williams im dritten Satz den Glauben zerstört.

Serena Williams hat erstaunlicherweise dem Druck nicht standhalten können. Sie wollte den 22. Grand Slam Titel, mit Steffi Graf gleichziehen, in die Rekordbücher. Aber wie schon bei den US Open 2015, wo sie zudem nah dran war am Kalender-Grand-Slam, spielte sie ungewohnt nervös und zog die Big Points nicht in gewohnter Manier durch.

Kerber hat es ihrerseits geschafft, sich in den Kopf von Serena zu kämpfen. In den wichtigen Ballwechseln drei-, viermal den Ball mehr zurückgespielt als die meisten Ladies auf der Tour. Das ist die große Qualität der der Deutschen.

Gibt es jetzt einen neuen Tennisboom?

Ein klares Nein. Angelique hat mir ihrem Erfolg dazu beigetragen, dass die Berichterstattung erst einmal hohe Wellen schlägt. Aber es wird kein dauerhafter Zustand bleiben, denn eine Konstanz über die kommenden zehn Grand-Slam-Turniere traue ich der neuen Nummer zwei der Welt nicht zu.

Das soll keineswegs die Leistung von Melbourne schmälern. Dank der Kielerin sind die deutschen Damen wieder im Tennis-Olymp angelangt. Begeisterung vor den Bildschirmen. Ich fände es großartig, wenn sich viele junge Mädchen vom Fighterspirit der 28-Jährigen anstecken lassen. Sie ist das perfekte Beispiel dafür, dass mit harter Arbeit und unbedingtem Willen vieles möglich ist: sogar ein Triumph für die Ewigkeit.

Jetzt fehlt dem deutschen Damen-Tennis noch ein weiterer Fed-Cup-Erfolg. Die Strahlkraft der Nationalmannschaft auf eine Sportart ist immens. Dementsprechend: alles Gute für die deutschen Tennis-Ladies am kommenden Wochenende gegen die Schweiz!

Ach ja: Glückwunsch auch an Novak Djokovic! Der Serbe spielt zur Zeit in einer anderen Liga. Er dominiert die Sportart, obwohl die Konkurrenz so zahlreich und die Qualität im Tennissport unfassbar hoch ist. Er hat Federers Regentschaft übernommen und führt nun seine eigene Ära in scheinbar neue Sphären.

Momentan jedenfalls ist er ein Spieler ohne Schwächen. Boris Becker und sein Team machen zur Zeit in den Bereichen Taktik, Motivation und Fitness alles richtig. Respekt. 

Keep acing! Euer Sascha

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