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Mona Barthel bei Wimbledon 2016
Mona Barthel litt monatelang unter heftigen Schwindelanfällen © Getty Images

Eine rätselhafte Krankheit fesselt Mona Barthel zwei Monate ans Bett. Ihr Erstrunden-Sieg in Wimbledon ist deshalb ein Wunder. Ihr neuer Trainer hat daran einen Anteil.

In der größten Not entdeckte Mona Barthel, was ihr wirklich wichtig ist. Ans Bett gefesselt, "hilflos wie ein kleines Mädchen", verschwendete sie keinen Gedanken an die Rückkehr auf den Tennisplatz.

"Es ging nur noch darum, ein normales Leben zu führen", sagte Barthel. Ein Leben ohne Angst vor der nächsten Diagnose.

Es muss ihr selbst wie ein kleines Wunder vorkommen, dass sie vier Monate später beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt in Wimbledon ein Match gewonnen hat. (Wimbledon: Spielplan und Ergebnisse)

Schwindelanfälle nach den Australian Open

Das erste seit einem halben Jahr, das erste, seitdem eine rätselhafte Krankheit ihr das Leben zur Hölle gemacht hatte. "Ich weiß nicht, wie man das sonst nennen kann", sagte Barthel.

Die Schwindelanfälle waren nach ihrer Rückkehr aus Australien im Januar schlimmer geworden. Den Weg vom Bett in die Küche konnte sie kaum mehr alleine bewältigen, sie war täglich angewiesen auf die Unterstützung ihrer Eltern Hannelore und Wolfgang- wie ein Pflegefall.

Barthel ließ sich mehrfach durchchecken, "doch niemand konnte mir wirklich sagen, was es ist". Einmal war schon ein Operationstermin angesetzt, doch im letzten Moment stellte sich das als Fehldiagnose heraus.

Bis heute hat die 25-Jährige aus Neumünster keine schlüssige Diagnose erhalten. War es ein Virus? Eine Autoimmunerkrankung? Egal!

Auftaktsieg in Wimbledon gegen Kovinic

Alles was zählt ist, dass es ihr wieder besser geht. So gut, dass die deutsche Nummer sechs in Wimbledon gegen Danka Kovinic aus Montenegro mit 6:2, 7:6 (7:3) gewann.

So gut sogar, dass sie sich auch in Runde zwei gegen die Niederländerin Kiki Bertens, bei den French Open Bezwingerin der deutschen Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber, Chancen ausrechnet. "Ich fühle mich bereit für sie", sagte Barthel.

Dabei ist ihr Körper noch längst nicht auf dem Stand, auf dem er bei ihren drei Turniersiegen in Hobart (2012), Paris (2013) und Bastad (2014) einmal war. Mit "70 Prozent" bezifferte Barthel ihre Fitness, aber das sei schwer zu sagen.

Nach Wochen im Bett, als selbst ein fünf Minuten langer Spaziergang ihr Qualen bereitete, ist das gar nicht so schlecht.

Aufschwung durch Lisickis Ex-Coach

Sie sei einfach nur froh und dankbar für die zweite Chance, die sie bekommen hat. In Wimbledon arbeitet sie erstmals mit Christopher Kas, Ex-Profi und ehemaliger Coach von Sabine Lisicki, zusammen.

"Er ist ein super positiver Mensch. Mit ihm kann ich mich auf Dinge konzentrieren, die wichtig für mich sind", sagte Barthel. Mit Kas hat sie die Zuversicht zurückgefunden, "besser zu werden, als ich schon war. Ich habe das Gefühl, es steckt noch mehr in mir drin", meinte die Weltranglisten-68.

Rückschläge hat Barthel einkalkuliert, sie höre nun noch besser in ihren Körper hinein, ohne sich davon verrückt machen zu lassen.

"Ich habe viel gelernt in dieser schwierigen Zeit", sagte Barthel: "Ich versuche, diese Erfahrungen zu nutzen." Für all das, was ihr Leben auf und neben dem Tennisplatz für sie bereit hält.

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