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Middle Sunday: The Championships - Wimbledon 2016
Alexander Zverev erreichte 2016 in Wimbledon erstmals die dritte Runde © Getty Images

London - Lobeshymen interessieren Alexander Zverev wenig. Nach dem Aus in Wimbledon hadert er mit seiner Leistung. Angesäuert kündigt Zverev eine lange Auszeit an.

Alexander Zverev versuchte nicht einmal, seinen Frust zu verbergen. Warum sollte er auch? Niederlagen, egal an welchem Ort, egal gegen welchen Gegner, stinken dem Jungstar.

Nachdem er am Sonntagabend auf dem Centre Court von Wimbledon gegen den früheren Finalisten Tomas Berdych verloren hatte, fiel es ihm sichtlich schwer, die Beherrschung zu bewahren.

Zverev: "Habe viele Fehler gemacht"

Anders als viele andere deutschen Tennisspieler redet Zverev Niederlagen nie schön und sucht die Gründe für eine Niederlage immer zuallererst bei sich selbst.

Sein Drittrunden-Aus lag für Zverev deshalb auch nur bedingt am starken Auftritt seines elf Jahre älteren Gegners Berdych: "Ich habe viele, viele Fehler gemacht", sagte Zverev nach dem 3:6, 4:6, 6:4, 1:6. Er sei müde gewesen, das Regenchaos der ersten Woche hatte seine Spuren hinterlassen.

"Natürlich spielt es eine große Rolle, wenn er am Freitag gefühlt eine Stunde spielt und ich über zwei Tage drei Stunden auf dem Platz stehe", sagte Zverev. Sein Zweitrunden-Match gegen den Russen Michail Juschni war immer wieder unterbrochen worden, erst am Samstag gewann Zverev den letzten von fünf Sätzen.

Centre Court ein schwacher Trost

Das Wirrwarr im Spielplan führte dazu, dass der Londoner All England Club zum vierten Mal in der Wimbledongeschichte den "Middle Sunday" opferte - Zverev durfte so erstmals in seiner jungen Karriere auf dem Centre Court aufschlagen.

Ein schwacher Trost für jemanden, der bei jedem seiner Auftritte auf der gesamten Tenniswelt zu hören bekommt, dass ihm die Zukunft gehört.

Auch Berdych lobte ihn erneut in den Himmel, wie schon bei Zverevs Davis-Cup-Debüt im März in Hannover bezeichnete der Tscheche ihn als "zukünftigen Grand-Slam-Champion".

Zverev interessieren Lobeshymmen nicht

Die Sunday Times hatte vor dem Match ebenfalls zu einer Lobeshymne angesetzt und "Young Gun" Zverev als potenziellen Superstar gefeiert. Neben seinem kompletten Spiel sehe er auch gut aus, "sein blondes Haar weht wie ein Werbebanner im Wimbledonwind", schrieb die Zeitung. Ein Poster Boy der neuen Generation.

Den Hochgelobten selbst interessieren diese wiederkehrenden Lobpreisungen wenig. Für ihn zählen nur die Ergebnisse auf dem Platz, auch wenn er sich mit 19 Jahren noch bequem hinter Achtungserfolgen verstecken könnte.

"Erstens bin ich noch weit von der Spitze entfernt, zweitens gab es Millionen zukünftiger Nummer-Eins-Spieler, die es nicht geschafft haben", sagte Zverev nach dem Berdych-Match.

"Ein relativ ordentliches Turnier"

Bei seinem zweiten Wimbledon-Auftritt habe er gerade einmal "ein relativ ordentliches Turnier" gespielt. Mehr nicht, obwohl er mit dem Einzug in die dritte Runde sein bestes Grand-Slam-Ergebnis egalisiert und seinen Setzplatz bestätigt hatte.

Mit etwas Abstand erkennt er vielleicht, dass es mehr als ordentlich war - doch mehr als ordentlich ist für den ehrgeizigen Zverev eben noch lange nicht gut genug.

Nach dem Match gegen Berdych war die Laune deshalb auf dem Tiefpunkt. Auf die Frage, wie lange er nach den Strapazen von Wimbledon denn Pause machen wolle, antwortete Zverev angesäuert: "Ich mache jetzt sechs Jahre Pause, keine Ahnung."

Bereits in der kommenden Woche wird er bei seinem Heimturnier am Hamburger Rothenbaum erneut vor Ehrgeiz brennen.

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