vergrößernverkleinern
Shot Clock bei den US Open
Wie hier im Spiel des deutschen Youngsters Marvin Möller wird bei den US Open derzeit die Shot Clock getestet © Imago

München und New York City - Bei den US Open wird erstmals eine Shot Clock im Tennis getestet, vorerst jedoch nur bei den Junioren. Das Thema aber birgt Brisanz - und spaltet den Tennis-Zirkus.

Der Tenniszirkus steht möglicherweise vor einer Regel-Revolution: Bei den US Open in New York wird derzeit erstmals eine Shot Clock bzw. Serve Clock getestet - wenn auch vorerst nur bei den Juniorenspielen.

"Wir probieren die Shot Clock aus", bestätigte Stacey Allaster vom US-amerikanischen Tennisverband USTA im Interview mit USA Today, erklärte aber zugleich: "Wir ändern die Regeln nicht, aber wir testen die Technologie und probieren, die Schiedsrichter daran zu gewöhnen."

Shot Clock könnte Diskussionen beenden

Eine genauere Überprüfung der Zeitbeschränkung zwischen Ballwechseln könnte einem seit Jahren schwelenden Diskussionsthema auf der Tour ein Ende bereiten. Bei Grand Slams und auf der Damentour haben die Spieler und Spielerinnen 20 Sekunden Zeit zwischen zwei Ballwechseln, auf der Männertour 25 Sekunden - eigentlich.

Denn die Umsetzung dieser Regel, die zu Verwarnungen und Punktabzügen führen kann, liegt einzig und allein in den Händen und im Ermessen des Schiedsrichters - und wird dementsprechend unterschiedlich und oftmals lasch ausgelegt.

Mutua Madrid Open - Day Seven
Diskussionen über Verwarnungen wie hier von Rafael Nadal könnten bald der Vergangenheit angehören © Getty Images

Eine Shot Clock könnte dem ein Ende bereiten. Bei den Junioren- und College-Wettbewerben der US Open sind derzeit an den Scoreboards der Courts zusätzliche Zeitanzeigen angebracht, die Zeit für den Aufschlag zum folgenden Ballwechsel beginnt mit der Ansage des Spielstandes durch den Schiedsrichter zu laufen.

John Isner: "Ich wäre dagegen"

"Das kommt vielleicht überraschend, aber wir sehen es als positive Entwicklung für den Sport", sagte USTA-Sprecher Chris Widmaier. Es sei ein großartiger Test, um mit Blick auf die Zukunft Daten zur Analyse zu gewinnen.

In Reihen der USTA gibt es die Hoffnung, bis in drei Jahren bei den US Open generell eine Shot Clock zum Einsatz bringen zu können - die Spieler sind mit Blick auf die mögliche Neuerung jedoch gespaltener Meinung.

TEN-US OPEN-DAY 6
Nicht nur der zweimalige Olympiasieger Andy Murray steht einer Shot Clock skeptisch gegenüber © Getty Images

"Ich wäre dagegen", sagte der US-Amerikaner John Isner klar und deutlich: "Wenn ich die Shot Clock runterlaufen sähe, würde mich das in meinem Rhythmus hetzen. Ich würde den Aufschlag unvermeidlich verhauen."

Andy Murray skeptisch - Ex-Profi schwärmt

Auch Andy Murray äußerte sich vor einigen Monaten bereits skeptisch. Der Brite ist zufrieden mit dem Status Quo. "Ich weiß nicht, um ehrlich zu sein", sagte der zweimalige Olympiasieger: "Es kann in manchen Situationen helfen, aber ich denke, die Schiedsrichter sind alle sehr gut und sehr erfahren. Am Ende des Tages sollten sie die Entscheidung treffen."

Der ehemalige Profi und heutige ESPN-Experte Darren Cahill ist dagegen voll und ganz für die Einführung der Shot Clock. "Ich war schon immer dafür, es würde funktionieren. Die Spieler würden sich daran gewöhnen", prophezeite der Australier - und fügte hinzu: "Das ist eine von einer Reihe von Regeln, die wir in Ordnung bringen müssen."

Ob es so weit kommt, steht derzeit noch in den Sternen. Ein Anfang ist mit dem Testlauf bei den US Open aber zumindest gemacht.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel