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Angelique Kerber steht im Achtelfinale der US Open © Getty Images

Die Weltranglistenzweite steht nach einer Machtdemonstration im Achtelfinale der US Open. Die 17-Jährige Catherine Bellis sieht kein Land. Nun wartet eine Wimbledonsiegerin.

Angelique Kerbers Augen leuchteten, als sie nach vollbrachter Tat in die New Yorker Sommernacht winkte.

Viele der knapp 20.000 Zuschauer auf der größten aller Tennis-Bühnen klatschten nach ihrem souveränen Achtelfinal-Einzug stürmisch Beifall - und die Anwärterin auf den Tennis-Thron spürte in diesem Moment wieder die besondere Magie von "The Special One".

Die US Open, das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres, schrill, fordernd und einfach anders, es ist ein spezielles Event für Kerber. Vor fünf Jahren hatte die 28 Jahre alte Linkshänderin in Flushing Meadows erstmals das Halbfinale eines Grand-Slam-Events erreicht - es war der Start einer wundersamen Reise, die in der kommenden Woche mit dem Sprung an die Spitze der Weltrangliste ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen könnte.

Kerber schwärmt von Atmosphäre

Und ihr erster Auftritt bei einer Night Session im Arthur Ashe Stadium seit 2007 hat die Liebe zum verrücktesten aller Majors noch ein wenig vertieft. "Die Atmosphäre war großartig, es war richtig laut, die Fans waren unglaublich. Ich habe das Match genossen", sagte Kerber nach dem 6:1, 6:1 unter dem gleißenden Flutlicht von Queens gegen die 17-jährige Catherine Bellis (USA).

Am Sonntag wartet die zweimalige Wimbledonsiegerin Petra Kvitova (Tschechien/Nr. 14) als erste große Hürde auf Kerber, die das Turnier im Big Apple auf Englisch gerne "The Special One" nennt. Und die Weltranglistenzweite strotzt auf dem Weg zum anvisierten zweiten Major-Coup vor Zuversicht. "Ich versuche, rauszugehen und Selbstvertrauen auszustrahlen. Ich habe auch allen Grund dazu", kündigte die formstarke Australian-Open-Gewinnerin an und meinte: "Egal, was jetzt kommt: Ich bin bereit." Die Zahlen dokumentieren dies: 50 Siege (bei 14 Niederlagen) hat Kerber in dieser Saison schon auf dem Konto - so viele wie keine andere.

Bellis findet Superlative

Das schönste Kompliment aber kam um kurz vor Mitternacht wohl von ihrer Gegnerin "CiCi" Bellis. "Angies Grundschläge sind perfekt. Ich hoffe, dass ich eines Tages fähig sein werde, so zu spielen wie sie", sagte der forsche Teenager aus Kalifornien und schwärmte von "meinem bislang besten Erlebnis" auf dem Platz.

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Catherine Bellis (l.) ist voll des Lobes über Angelique Kerber © Getty Images

Kerber wusste genau, wovon Bellis sprach. Als die Kielerin zuletzt in einer der legendären New Yorker Nacht-Ansetzungen im "Ashe" spielte, war sie 19 Jahre alt - und die Gegnerin hieß Serena Williams.

Pleite gegen Williams als Lehre

Die US-Amerikanerin war damals die Nummer neun der Welt, hatte schon acht Grand-Slam-Titel gewonnen. Kerber gehörte noch nicht einmal zu den Top 65. Eckpunkte aus einem anderen Tennis-Leben. "Ich weiß noch, dass ich wirklich jung und nervös war. Es war mein erstes Match gegen Serena, es war gut, aber sie war noch zu stark", berichtete Kerber von der "großartigen Erfahrung", an deren Ende eine 3:6, 5:7-Niederlage stand.

Neun Jahre später spielt die bald 35-jährige Williams immer noch um die größten Titel - aber Kerber inzwischen auch. Damit das auch in ihrer Lieblingsstadt New York so bleibt, pflegt die Fed-Cup-Spielerin Rituale: An den spielfreien Tagen schnappt sie sich ihr Buch, kauft sich einen Coffee-to-go und setzt sich im Central Park auf eine Bank. "Dabei kann ich entspannen und abschalten. Ich beobachte gerne die Leute", erzählt Kerber. Ein bisschen Abstand von "The Special One" ist manchmal auch willkommen.

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