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Alexander Zverev
Alexander Zverev war bei den Australian Open 2016 noch weitgehend chancenlos gegen Murray © Getty Images

München - Alexander Zverev wird mit Lob überschüttet, kennt aber die Gefahren des Hypes. Er kämpft gegen den Major-Fluch - und mit Murrays einstigem Fitmacher gegen die Hühnerbeine.

Alexander "Sascha" Zverev ist in der Weltspitze angekommen - zumindest in der Wahrnehmung der größten Tennis-Spieler.

Das zeigt seine jüngste Teilnahme am Charity-Abend von Novak Djokovic kurz vor dem Start der Australian Open (tägl. im LIVETICKER), mit dem der Serbe Geld für seine Stiftung sammeln wollte.

Um möglichst viele Zuschauer für das Exhibition-Match zu erhalten, wählte Djokovic ausgerechnet den deutschen Youngster aus, der ihn zum Dank auch noch bezwang.

"Das größte Talent von allen"

Zverevs Popularität steigt kontinuierlich an. Während er sich anfangs das Rampenlicht mit anderen aufstrebenden Spielern teilen musste, sind sich vor seinem Erstrundenmatch in Melbourne gegen Robin Haase (ab 1 Uhr im LIVETICKER) fast alle einig: Der 1,98-Meter-Hüne ist der Beste von ihnen.

"Er hat für mich das größte Talent von allen. Er hat ein Gefühl für das Spiel, das nicht viele haben. Wenn er sich weiter so entwickelt, wird er in ein paar Jahren die Nummer eins der Welt sein", sagte Tennis-Legende John McEnroe der Sport Bild.

Mit seiner Nummer-1-Prophezeiung reiht sich McEnroe in eine lange Reihe von Experten ein, die ähnliches erwarten. Doch Zverev wäre nicht der erste Teenager, der den Vorschusslorbeeren nicht gerecht wird.

Warnendes Beispiel Tomic

So wurde Bernard Tomic bereits im Alter von 17 als zukünftige Nummer ein gepriesen. Der Australier schien zunächst die Lobeshymnen zu bestätigen und schnupperte - wie Zverev - mit 19 Jahren an den Top 20.

Dem in Stuttgart geborenen Tomic stieg der Ruhm jedoch zu Kopf. Es folgten Eklats und er fiel sogar aus den Top 100. Nach fünf verschenkten Jahren liegt Tomic nun wieder auf Rang 27.

Anders als Tomic damals ist sich Zverev aber der Gefahr bewusst: "Erstens bin ich noch weit von der Spitze entfernt, zweitens gab es Millionen zukünftiger Nummer-Eins-Spieler, die es nicht geschafft haben."

Frühe Niederlagen bei großen Turnieren

Zverev weiß, dass ein wichtiges Jahr auf ihn wartet.

Zwar hatte er bereits 2016 eine für sein Alter herausragende Bilanz von 42:23-Siegen, doch bei den Grand Slams kam er nie über Runde 3 hinaus. Auch bei den großen Masters-1000-Turnieren war spätestens im Achtelfinale Endstation.

Zu wenig für Zverev, der hohe Ansprüche an sich hat. In diesem Jahr soll endlich die zweite Woche eines Grand Slams erreicht werden, wofür er mindestens ins Achtelfinale kommen müsste.

Zverev beendet Saison vorzeitig

Um dieses Ziel zu erreichen, beendete Zverev die letzte Saison trotz toller Form und dem Turniersieg in St. Petersburg vorzeitig. "Jez Green will mit mir zwei Monate in der Off-Sasion arbeiten, damit ich für nächstes Jahr perfekt vorbereitet bin", begründete Zverev seine Entscheidung.

Green ist der Fitnessocach von Zverev, der bereits Andy Murray an die Weltspitze "drillte". Die Botschaft war klar: Zverev sollte an seinem Körper und Athletik arbeiten, damit bereits 2017 der Angriff auf die Grand Slams erfolgen kann.

Dafür musste er vor allem eines tun: Muskelmasse aufbauen. Nicht umsonst versieht seine Tenniskollegin und gute Freundin Belinda Bencic Fotos mit Zverevs nackten Beinen gerne mit dem Hashtag "chicken legs".

Sieg gegen Federer macht Mut

Ob das harte Training sich ausgezahlt hat, wird sich erst noch zeigen. Die ersten Anzeichen sind aber vielversprechend. So bezwang Zverev nicht nur Daniel Evans, dem er bei den US Open noch unterlegen war, sondern auch Roger Federer.

Falls er bei den Australian Open die zweite Woche erreichen will, muss er wohl einen ähnlich großen Namen schlagen. Denn bereits in Runde 3 könnte es zum Duell mit Rafael Nadal kommen, den Zverev bereits in Indian Wells am Rande einer Niederlage hatte.

Für Zverev wäre es die ideale Gelegenheit, um zu beweisen, dass er auch auf großer Bühne sein bestes Tennis spielen kann. Damit würde er sich von vielen hochumjubelten Talenten abheben und zeigen, warum ihn alle als zukünftige Nummer 1 sehen.

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