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Timo Boll beklagt Manipulationen an Tischtennis-Schlägern
Timo Boll erhielt überraschend keine Wildcard für den Weltcup in Halmstad © Getty Images

Timo Boll erhält für das Turnier im schwedischen Halmstad überraschend keine Wildcard. Der 34-Jährige fühlt sich ausgebootet und fürchtet negative Folgen für Olympia.

Tischtennis-Rekordeuropameister Timo Boll (Düsseldorf) ist beim Weltcup im schwedischen Halmstad (16. bis 18. Oktober) durch eine zweifelhafte Entscheidung des Weltverbandes ITTF erstmals seit 14 Jahren Zuschauer.

Entgegen aller Erwartungen und Gepflogenheiten erhielt der Weltranglistensiebte und zweimalige Titelgewinner als bester nicht automatisch qualifizierter Spieler keine Wildcard.

Aufgrund seiner "Degradierung" zum ersten Ersatzmann beim Ausfall eines qualifizierten Rivalen fürchtet der 34-Jährige im Rennen um eine günstige Setzung für Olympia 2016 in Rio ohne die Punkte von Halmstad erhebliche Nachteile.

Boll fühlt sich ausgebootet

"Ich spiele seit 13 Jahren unter den Top 10 in der Welt, stehe derzeit auf Position sieben und fühle mich ohne jede sportliche Begründung ausgebootet - und das im vorolympischen Jahr", schimpfte der ansonsten ausgesprochen besonnene Ex-Weltranglistenerste: "Ich dachte, es ginge beim Weltcup um Leistung und nicht um Gefälligkeiten dem Ausrichter gegenüber."

Auch beim Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) reagierte Ehrenpräsident und Boll-Mentor Hans Wilhelm Gäb (Eppstein) auf die Vergabe der Ausrichter-Wildcard an den einheimischen Jugend-Europameister Anton Källberg vom Bundesligisten TTC Hagen mit Empörung:

"Das ist eine Entscheidung gegen den Geist des Sports. Der Weltcup ist kein Förderturnier für Nachwuchsspieler. Timo Boll beweist bei jedem internationalöen Turnier, dass er zur absoluten Wltklasse gehört, und hat daneben Strahlkraft über unseren Sport hinaus."

Entscheidung "völlig unverständlich"

DTTB-Chef Michael Geiger (Haslach) bezeichnete die Entscheidung der ITTF, deren deutscher Präsident Thomas Weikert (Limburg) sich bei der Beschlussfassung aus Befangenheitsgründen der Stimme enthalten hatte, als "völlig unverständlich".

Boll hatte im vergangenen Februar beim Europe Top 16 in Baku als Weltcup-Ausscheidung wegen einer Hüftverletzung nicht in den Kampf um die Plätze für Halmstad eingreifen können.

"So ein Fall von Pech und unverschuldetem Ausfall ist eigentlich ein Musterbeispiel für eine Wildcard. Die Entscheidung, Timo die Wildcard zu geben, hätte niemand kritisieren können", sagte Geiger weiter.

Ovtcharov einziger DTTB-Spieler in Halmstad

Der Weltcup ist nach Olympia und WM-Wettbewerben das drittwichtigste Interkontinental-Turnier der Welt und dementsprechend eine gute Gelegenheit für zahlreiche Weltranglistenzähler.

Boll hatte das zu den Grand-Slam-Events des Tischtennis gehörende Turnier 2002 bei seinem Weltcup-Debüt in Jinan sowie drei Jahre später in Lüttich gewonnen. Außerdem holte der Linkshänder bei seinen elf übrigen Auftritten bei seinem "Lieblingsturnier" vier weitere Medaillen, zuletzt noch im Herbst 2014 Bronze bei seinem "Heimspiel" in Düsseldorf.

Durch die unanfechtbare ITTF-Entscheidung gegen Boll ist vorläufig der Weltranglistenfünfte und Europameister Dimitrij Ovtcharov (Hameln/Orenburg) als Baku-Gewinner der einzige DTTB-Spieler in Halmstad.

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