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Die Berater Mino Raiola (l.) und Jorge Mendes sind Erzfeinde
Die Berater Mino Raiola (l.) und Jorge Mendes sind Erzfeinde © SPORT1-Grafik: Paul Hänel / Getty Images

München - Berater-Pate Mino Raiola verfolgt einen langfristigen Plan bei Manchester United und wischt seinem Erzfeind Jorge Mendes eins aus. Der schielt seinerseits Richtung Bayern.

Der Wechsel von Henrikh Mkhitaryan von Borussia Dortmund nach England zu Manchester United hat bei dessen Berater Mino Raiola mal wieder ordentlich die Kasse klingeln lassen.

Von den rund 40 Millionen Euro Ablöse streicht der Italiener geschätzte vier Millionen Provision ein. Doch Geld war nicht das ausschlaggebende Motiv des Berater-Paten für den Deal. Raiola hat einen größeren Plan.

Raiola will Macht bei ManUnited

Der 48-Jährige, so scheint es, will die Hausmacht bei einem der größten Klubs der Welt werden: Manchester United.

Der bisher spektakulärste Transfer der Red Devils für die kommende Saison war die Verpflichtung von Zlatan Ibrahimovic. Dessen Berater? Ebenfalls Mino Raiola.

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Mit Ersatztorwart Sergio Romero berät Raiola gleich noch einen dritten United-Profi. Zuletzt soll United ein 95-Millionen-Euro-Angebot für Paul Pogba abgegeben haben, Raiolas lukrativsten Schützling.

Wer zu den erfolgreichsten Beratern und Spielervermittlern gehören will, muss sich einen Platz an den Verhandlungstischen der reichsten Vereine sichern. Denn dort fließt das große Geld. Dort kann man die größte Aufmerksamkeit generieren, auch für seine persönliche Agenda. Mino Raiola liebt seinen Job, auch wegen des Einflusses, den er ihm bringt.

In Paris hat Raiola, Typ hemdsärmliger Polterer, das schon geschafft, er hat über die Jahre viele Spieler bei PSG untergebracht. Er verhandle einfach gerne mit den Eigentümern aus Katar, sagte Raiola einmal.

Raiola: "Mendes ein Egoist"

Im Ranking der umsatzstärksten Vereine der Welt liegt ManUnited auf Platz drei.

Spitzenreiter ist Real Madrid. Bei den Königlichen zieht in Jorge Mendes ein anderer Top-Spielerberater die Fäden. Der Portugiese hat mit seiner Firma "Gestifute" aktuell gleich fünf Real-Spieler unter Vertrag, darunter keinen geringeren als Superstar Cristiano Ronaldo. 

Und Mendes ist der Lieblingsfeind von Raiola.

In einem Interview mit 11Freunde lästerte der holländische Italiener einst über den schicken Gentleman: "Mendes und ich sind wie Nordpol und Südpol. Wir haben ein völlig unterschiedliches Verständnis von unserem Business. Mendes ist ein Investor, dessen Interesse der größtmögliche Profit ist. Mein Interesse gilt ausschließlich meinem Spieler. Ich bin Altruist, er ist Egoist. Ich kümmere mich um meine Spieler, Mendes kümmert sich um sich selbst."

Sanches: München statt United

Tatsächlich hat Mendes noch nie versucht, FIFA-Präsident zu werden. Raiola schon, wenn auch nur kurz. Seinen Plan, Sepp Blatter zu stürzen, verwarf er schließlich doch wieder.

Man kann allerdings davon ausgehen: Raiola ist doch so sehr Egoist, dass er seinem größten Rivalen gerne eins auswischt. Das geht nirgendwo besser als bei ManUnited. Denn dort ist nun Teammanager Jose Mourinho am Ruder - seines Zeichens selbst langjähriger Klient und enger Vertrauter von Mendes. Eigentlich müsste es also ein Leichtes für Mendes sein, dort seinen Fuß in die Tür zu bekommen. So, wie es bei allen anderen Klubs war, für die Mourinho gearbeitet hat.

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Während seiner gesamten Trainerkarriere holte Mourinho immer wieder zahlreiche Mendes-Spieler zu seinen Mannschaften, die dort meist ihren Marktwert erhöhten. Zur Freude von Mendes. Zur Freude von Mourinho. Doch dieses Geschäftsmodell scheint nicht mehr so richtig zu funktionieren. Zur Freude von Raiola. Dem neuen Platzhirschen.

Exemplarisch dafür war der Transfer des portugiesischen Juwels Renato Sanches, der ebenfalls von Mendes betreut wird. Alle rechneten damit, dass der 18-Jährige zu United wechseln würde - nicht zuletzt wegen der Mourinho-Mendes-Connection. Dass Mourinho nach Manchester gehen würde, war schon lange ein offenes Geheimnis.

Mendes schielt auf Bayern

Aber Sanches entschied sich überraschend für einen Wechsel zu Bayern München. Ein Zeichen dafür, dass Berater Mendes Manchester aufgibt und Raiola dort das Feld überlässt? Möglicherweise schielt Mendes ja schon auf einen anderen europäischen Topklub, bei dem er mitmischen möchte. Nämlich den FC Bayern.

Fakt ist: Der 50-Jährige wurde vergangene Saison immer wieder bei den Champions-League-Banketten der Münchner gesehen. Zudem versteht er sich bestens mit Spielervermittler Giovanni Branchini, der beim FC Bayern schon seit Jahrzehnten ein und aus geht und zuletzt auch den ersten Kontakt zum neuen Trainer Carlo Ancelotti herstellte. Mit Ancelotti arbeitete Mendes auch zu dessen Zeit bei Real Madrid gut zusammen.

James zum FCB?

Gerüchte um einen möglichen Wechsel von Mendes-Klient James Rodriguez von Real zu den Bayern gab es auch schon. Fädelt Mendes nach Sanches also bereits den nächsten Deal mit dem Rekordmeister ein? James' Wechsel nach München ist vorstellbar. 

Raiola hält zwar ebenfalls viel von den Bayern, er bezeichnete Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge einst als einen der wenigen professionellen Verantwortlichen in Deutschland. Doch nach Mkhitaryans Abgang nach England, ist Raiola in der Bundesliga erstmal raus. 

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