Video

München - Paris Saint-Germain und seine Eigentümer aus Katar machen auf dem Transfermarkt, was sie wollen. Das Financial Fairplay ist offensichtlich nur noch ein Papiertiger.

Neymar hat Paris Saint-Germain schon gekauft, für 222 Millionen Euro. Kritik am teuersten Transfer der Fußballgeschichte gab es von allen Seiten, doch PSG hat anscheinend gerade erst angefangen.

Auch Sturm-Wunderknabe Kylian Mbappe soll aus Monaco kommen. Billiger als 100 Millionen wird er sicher auch nicht. Weiter steht auf der Einkaufsliste: Alexis Sanchez, der auch mindestens 50 Millionen kosten soll.

Beim Blick auf diese Summen fragt sich der Fußball-Fan: Financial Fairplay? Da war doch was.

Aber spätestens durch das Geschehen in der aktuellen Transferperiode ist Financial Fairplay zur Farce verkommen. Ganz besonders durch das Geschäftsgebaren von PSG.

Effenberg: "Financial Fairplay abhaken"

So sieht es auch Ex-Bayern-Star Stefan Effenberg. Im SPORT1-Interview kritisierte er: "Es gibt Vereine, die es zahlen können und umsetzen. Financial Fairplay kann man abhaken."

Solche Zitate liest man in letzter Zeit reihenweise von Protagonisten aus dem Fußball. Resignation hat sich breit gemacht.

Eigentlich sollte das Paket von Regelungen den Fußball ja gerechter machen. Es war das große Projekt von Ex-UEFA-Boss Michel Platini - der seinen Posten wegen Korruptionsvorwürfen räumen musste.

Video

Für Frank Koch, Leiter des Sportrechteteams bei der Anwaltskanzlei Taylor Wessing in Hamburg, war das Financial Fairplay ohnehin eine Totgeburt. "Vor dem Hintergrund der von Platini genannten Begriffe war das Financial Fair Play schon vor der Einführung gescheitert, denn es gewährleistet strukturell, dass die großen Vereine groß bleiben und die kleinen Vereine klein", erklärte der Jurist der FAZ.

Und weiter: "An der finanziellen Dominanz der Top-Klubs hat sich nichts verändert, von externen Investoren unterstützte Mannschaften wie Manchester City oder PSG haben lediglich Wege gefunden, die Regularien zu umgehen."

Neymar zahlt Ablöse selbst

PSG hat das Umgehen von Financial Fairplay offenbar perfektioniert. Die Bosse der Investorengruppe Qatar Sports Investments, der der Klub gehört, scheinen über die Finanzregeln der UEFA nur noch zu lachen.

Bei der Vorstellung von Neuzugang Neymar meinte der katarische PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi lapidar: "Für die Leute, die sich um das Financial Fairplay sorgen: Geht und trinkt Kaffee! Es gibt keine Probleme. Wir waren seit dem ersten Tag sehr transparent und arbeiten nach den Bestimmungen."

Video

Diese besagen im Großen und Ganzen: Ein Klub darf nicht mehr ausgeben, als er einnimmt. Defizite in den Bilanzen dürfen nicht durch externe Zuwendungen, etwa durch Investoren, ausgeglichen werden. Einnahmen müssen aus dem operativen Geschäft generiert werden. 

PSG umgeht die Regeln auf dreiste Art und Weise. Angeblich soll Neymar einfach einen Sponsorenvertrag mit Qatar Sports Investement unterschrieben haben, der ihn zum Botschafter der umstrittenen WM 2022 in Katar macht. Gegenwert des Kontrakts: 300 Millionen Euro!

Von diesem Geld bezahlten Neymars Berater dann die 222 Millionen Ablöse an den FC Barcelona selbst. PSG sieht sich durch diesen Bauerntrick auf der sicheren Seite.

Barca wollte Allianz gegen PSG

Kein Wunder, dass kaum ein Topklub mehr die Regeln ernst nimmt. Laut L'Equipe wollte der FC Barcelona aus Ärger über das Pariser Verhalten eine Allianz mit anderen Großmächten der Branche gegen PSG schmieden. Zugesagt hätten demnach der FC Bayern und Juventus.

Barcas Erzrivale Real Madrid soll dagegen abgewunken haben. Und Manchester City natürlich auch: Die Blues feuern seit Jahren Geld aus Abu Dhabi im großen Stil in den Transfermarkt.

Andere fremdgesteuerte Vereine werden aufgrund der neuesten Entwicklungen bereits hellhörig. Ralf Rangnick, Sportdirektor beim Red-Bull-Klub RB Leipzig, stellte im MDR angesprochen auf den Neymar-Deal schon unverblümt fest: "Wenn das einhergeht mit Financial Fairplay, dann weiß ich nicht, warum wir mit unserem Verein immer noch so eingeschränkt sind." 

Tätigt möglicherweise nicht der FC Bayern den ersten 100-Millionen-Deal in Deutschland – sondern Leipzig? Ob es dann neben der üblichen Moraldebatte einen großen Aufschrei bei den deutschen Fans geben würde?

Christian Heidel glaubt es nicht. Der Sportvorstand von Bergarbeiterklub Schalke 04 sagte der Zeit lakonisch: "Viele halten die Summen im Fußballgeschäft für unmoralisch, verständlicherweise. Aber stellen Sie sich mal vor, Schalke 04 und nicht Paris hätte Neymar präsentiert. Das Ruhrgebiet hätte kopfgestanden. Die Fans hätten uns gefeiert."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel