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München - Kevin Trapp ist bei Paris Saint Germain nur zweite Wahl. Vor dem Spiel beim FC Bayern spricht sein Mentor und früherer Trainer bei SPORT1.

Kevin Trapp ist kein Typ, der sich hängen lässt. Das hat er von Gerald "Gerry" Ehrmann, seinem früheren Torwarttrainer und Entdecker, gelernt.

Dabei ist die aktuelle Situation des 27-Jährigen bei seinem Verein, dem französischen Erstligisten Paris Saint Germain, alles andere als leicht.

Trapp ist in seinem dritten Jahr nur noch zweiter Mann hinter Stamm-Keeper Alphonse Areola und es gibt keine Chance auf Besserung. Auch im letzten Champions League-Gruppenspiel beim FC Bayern (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) wird Trapp auf der Bank Platz nehmen müssen.

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"Es ist nach wie vor keine gute Situation für Kevin. Meiner Meinung nach muss er den Verein wechseln, wenn sich ihm die Möglichkeit bietet", sagt Ehrmann im Gespräch mit SPORT1.

"Denn mit Blick auf die WM im nächsten Jahr ist es unabdingbar, dass er regelmäßig spielt. Solange er aber bei PSG ist, muss er dort alles geben."

In Paris nur zweite Wahl

Der Torwarttrainer des 1. FC Kaiserslautern, der mit Trapp einst bei den Roten Teufeln zusammengearbeitet hat (2008-2012) und ihn dort zum Stammtorwart machte, telefoniert regelmäßig mit seinem früheren Schützling und kennt dessen Gefühlsleben genau.

Vergangene Woche bekam Trapp im Heimspiel gegen ES Troyes AC mal wieder die Chance 90 Minuten im Tor zu stehen. Doch trotz seines Einsatzes darf er sich keine Hoffnungen auf einen Stammplatz machen. Der Pariser Coach Unai Emery lobte den deutschen Keeper zwar, sprach sich aber klar für Areola als Nummer eins aus.

"Trapp arbeitet im Training sehr gut. Er spielt für Deutschland. Wir sprechen darüber, wann er Einsätze bekommt, damit er seinen Rhythmus und den Platz in der Gruppe behält", meinte Emery: "Aber es ist so, dass wir sehr glücklich sind mit Alphonse. Er hat unser volles Vertrauen als Nummer eins, aber Kevin verdient es, ein paar Spiele zu bekommen."

Ehrmann schwillt bei solchen Worten gehörig der Kamm.

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Ehrmann ärgert sich über PSG-Coach

"Die Aussage von seinem Trainer ist nicht in Ordnung. Das ist ein vernichtendes Urteil. Das heißt so viel wie: Du kannst spielen, wie du willst, aber der andere steht dann wieder im Tor", schimpft Ehrmann. "Wenn ich als Trainer so etwas sage, dann muss etwas vorgefallen sein oder die Leistung stimmt nicht, doch das ist bei Kevin nicht der Fall. Vor allem nach seinem guten Länderspiel dachte man, dass er eine faire Chance im Verein kriegt."

Trapp nutzte zumindest die Chance im DFB-Team und war hinterher glücklich. "Es war großartig und der Abend hat richtig gut getan. Ich habe lange nicht mehr im Tor gestanden", sagte er nach dem 2:2 gegen Frankreich zu SPORT1.

"In so einem Spiel das Vertrauen des Bundestrainers zu bekommen, nachdem ich lange nicht mehr gespielt hatte, war nicht selbstverständlich.“

Länderspiel als Lichtblick für Trapp

Ehrmann war zufrieden. "Das Spiel gegen Frankreich war sehr wichtig für Kevin. Da hat er auch ohne Spielpraxis ein richtig gutes Spiel gemacht, da gibt es keine zwei Meinungen."

Ein Wechsel im Winter scheint nun aber der einzige Weg raus aus der Torwartfalle. "Wenn Kevin sich ausleihen lässt", so Ehrmann, "dann wird PSG sicher einen Teil seines Gehalts übernehmen. Die Eingewöhnungszeit ist für einen Torhüter nicht so wichtig, es ist egal, wo du die Bälle hältst. Da ist es für einen Feldspieler schwieriger."

Von Ehrmann gibt es weiter die volle Rückendeckung für Trapp. "Ich verstehe einfach nicht, warum Kevin in Paris nicht spielt, er ist meiner Meinung nach in fast allen Bereichen besser als die Nummer 1. Ich habe zwei, drei Spiele von Areola gesehen, aber er gefällt mir persönlich nicht. Kevin spielt jetzt nicht so, dass er da zu Recht keine Chance hätte."

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"Als wenn man bei ihm Fehler gesucht hat"

Trapp sei "natürlich mit der Situation unzufrieden, es wäre schlimm, wenn er damit glücklich wäre. Aber manchmal geht es im Fußball sehr schnell", betont Ehrmann.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Trainer Kevin rausnehmen würde, wenn er zwei, drei Spiele ähnlich wie im DFB-Trikot machen würde. Das wäre absolut unverständlich."

Ehrmann fügt aber auch ganz realistisch hinzu: "Kevin hatte den einen oder anderen Patzer, aber welcher Torwart hat den nicht? Letztlich war er aber von Anfang an umstritten. Es kam mir so vor, als wenn man bei ihm Fehler gesucht hat."

Was wünscht sich Ehrmann nun für Trapp?

"Dass er spätestens in der Rückrunde konstant spielen kann und wieder Spaß hat. So ist es kein Zustand. Geld hin, Geld her - das bringt ihm nichts, zumal in dem Alter. Ein Torhüter auf dem Niveau muss spielen und darf nicht auf der Bank sitzen."

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