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Sebastian Kienle-Ironman Frankfurt
Sebastian Kienle gewann 2014 auch den Ironman Frankfurt © Getty Images

München - Wettkämpfe sind für Ironman-Sieger Sebastian Kienle wie Träume. Im SPORT1-Interview spricht er über seine Macken, seine Köche und einen Flashmob zu seinen Gunsten.

Sebastian Kienle hasst trainingsfreie Tage. Am liebsten würde der vierfache Deutsche Meister im Triathlon keine Ruhepausen einlegen. Wahrscheinlich auch deshalb ist er ganz oben in seiner Sportart angekommen.

Im Oktober 2014 gewann der 30-Jährige den Ironman auf Hawaii, gleichbedeutend mit dem Weltmeistertitel über die lange Distanz - und belegte Platz 3 bei der Abstimmung Die SPORT1 zum Sportler des Jahres durch.

Der Student des "Internationalen Managements" engagiert sich nebenbei für den guten Zweck. Kienle ist Botschafter für den Wings for Life World Run, eine internationale Laufveranstaltung, die sich für Rückenmarksforschung einsetzt.

Im Interview mit SPORT1 spricht er über die Vorzüge eines stundenlangen Trainings und seine Unordnung.

SPORT1: Vor Kurzem haben Sie getwittert, dass die Tage, an denen Sie eine Trainingspause einlegen, eigentlich die härtesten sind. Ist es wirklich so schön, sich zu quälen?

Sebastian Kienle: Auch ich quäle mich nicht besonders gern. Aber das Gefühl, weiter am Fortschritt zu arbeiten, das ist es, was es ausmacht. Und an dem Tag, an dem ich nicht weiter für das Ziel arbeiten kann, habe ich dann immer im Kopf: Die anderen trainieren, ich selber kann nicht. Eine der größten Herausforderungen in unserem Sport ist es, immer die Balance zu halten zwischen einem Genug an Training und einem Zuviel.

SPORT1: Gab es ein Schlüsselerlebnis in Ihrem Leben, nach dem Sie entschieden haben, alles auf den Triathlon setzen?

Kienle: Das eine Schlüsselerlebnis gibt es nicht. Mit dem Triathlon habe ich schon sehr früh angefangen, noch in der Grundschule. Schon da habe ich lustigerweise mal in eine Klassenzeitung reingeschrieben, dass ich gerne Triathlonprofi werden will. Natürlich wird man das nicht mit acht oder neun Jahren. Irgendwann hat man dann ein, zwei Rennen, in denen man wirklich sieht: Ich kann in der absoluten Weltspitze mithalten. Dann reift auch der Gedanke, das professionell zu machen.

SPORT1: Wie sieht bei Ihnen ein gewöhnlicher Trainingstag in einer intensiven Trainingsphase aus?

Kienle: In einer intensiven Trainingsphase ist es meistens so, dass ich die erste Einheit vor dem Frühstück mache, zum Beispiel einen Dauerlauf mit 40 bis 45 Minuten mit einer Nachbereitung. Das heißt ich mache ein paar Steigerungen, ein paar Abläufe, ein bisschen Lauf-ABC. Dann frühstücken wir meistens zusammen. Dann geht es gegen 10.30 Uhr aufs Rad, so zwischen vier und fünf Stunden. Abends gibt es dann noch eine Schwimmeinheit, so zwischen vier und fünf Kilometer. Insgesamt summiert sich das während eines Trainingslagers etwa auf 35 bis 42 Stunden Trainingszeit in einer Woche.

Sebastian Kienle-Wings for Life World Run
Sebastian Kienle ist Botschafter des Wings for Life World Runs © Wings for Life World Run

SPORT1: Das klingt danach, als hätten Sie nach so einem Tag einen riesigen Hunger. Wer stellt dann das Essen auf den Tisch?

Kienle: Zum Glück der Koch (lacht). Ich bin ja viel im Trainingslager. Aber auch daheim steht das Essen meistens auf dem Tisch. Ich wohne zusammen mit meiner Freundin noch im Haus von ihren Eltern. Man braucht auch in so einer Einzelsportart ein großes und gut funktionierendes Team. Und da gehört auch dazu, dass ich meistens bekocht werde. Das genieße ich auch. Wobei ich auch selber ganz gerne koche.

SPORT1: Gibt es irgendwelche Marotten oder Ticks, die Ihr Umfeld manchmal ein paar Nerven kosten?

Kienle: Viele Leute denken immer, dass jemand wie ich sehr gut organisiert sein muss. Das ist definitiv nicht der Fall. Ich kann ein ziemlicher Chaot sein. Ich glaube, das ist manchmal schon schwierig. Man muss halt seine Stärken und Schwächen kennen. Und das ist sicher eine Schwäche. Die ganze Organisation muss ich delegieren. Und – was mir im Sport sehr zu Gute kommt – ich habe sehr viel Energie. Wenn ich mal den Sport nicht als Ventil habe, dann sucht die sich andere Wege. In der Saisonpause werde ich dann irgendwann mal relativ schwierig auszuhalten.

SPORT1: Über was denken Sie, wenn Sie acht Stunden lang – davon die größte Zeit alleine – unterwegs sind, nach?

Kienle: Im Optimalfall kann man sich später nicht mehr daran erinnern. Zum Beispiel bei dem letzten Rennen kann ich mich nur noch an Bruchstücke erinnern. Meistens kann man sich nur dann erinnern, wenn es richtig schlecht war. Das ist vielleicht ähnlich wie bei einem Traum. Wenn man schlecht träumt, dann wacht man auf einmal auf, weil etwas Schlimmes passiert ist.

SPORT1: Die SPORT1-User haben Sie bei der Wahl zum Sportler des Jahres 2014 auf den dritten Platz gewählt hinter Dirk Nowitzki und Manuel Neuer. Was bedeutet es Ihnen, in einem Atemzug mit diesen Namen genannt zu werden?

Kienle: Ich glaube, da war irgendein Triathleten-Flashmob am Start (lacht). Klar ist es eine wahnsinnige Sache. Ich glaube, dass die zwei Jungs mich auch gar nicht kennen, die da noch vor mir sind.

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