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Deutsche Triathleten
Faris Al-Sultan, Andreas Raelert, Jan Frodeno und Sebastian Kienle (v.l.) sorgten zusammen für zwölf Podestplätze beim Ironman auf Hawaii © SPORT1-Grafik: Paul Haenel/Getty Images

München - Der Ironman auf Hawaii ist für deutsche Triathleten eine Erfolgsgeschichte. SPORT1 und Faris Al-Sultan erklären, warum Frodeno und Co. dort so viele Podestplätze sammeln.

Jan Frodeno war am Sonntag mit seinem Sieg beim legendären Ironman auf Hawaii der Held des Tages, doch das beste Beispiel für Leidensfähigkeit liefert und lieferte der Zweitplatzierte Andreas Raelert.

Ein eingeklemmter Nerv 2013, Magenbeschwerden 2014, Reifenschaden 2015 - Raelerts Pannenserie auf Hawaii ist lang.

Und trotzdem hat der inzwischen schon 39 Jahre alte Rostocker noch nicht genug von der Tortur auf der Lavainsel: "Mit dem zweiten Platz will ich nicht aufhören. Ich werde versuchen, mir den Traum noch zu erfüllen."

Raelert ist das Paradebeispiel für den unerschütterlichen Ehrgeiz und die beispielhafte Einstellung deutscher Triathleten, die seit geraumer Zeit am prominentesten in den Bestenlisten der Weltmeisterschaft der Triathleten über die Ironman-Distanz vertreten sind.

Frodeno löst Kienle ab

Neun Podiumsplätze ergatterten Raelert und Co. in den vergangenen sieben Jahren auf der Insel im pazifischen Ozean. Fünf davon gelangen dem Rostocker, ein Sieg ist ihm bisher jedoch verwehrt geblieben.

Das erreichte am vergangenen Sonntag stattdessen Jan Frodeno, der sich nach Sebastien Kienle den begehrten WM-Titel schnappte. Er machte damit den insgesamt sechsten Erfolg für die DTU (Deutsche Triathlon Union) auf Hawaii perfekt.

Die deutschen Triathleten erarbeiten sich immer mehr den Ruf der absoluten Eisenmänner. Doch was macht Schwarz-Rot-Gold so erfolgreich über 3,86 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen?

SPORT1 liefert fünf Gründe, warum sich Deutschland zur Triathlon-Macht entwickelt hat:

  • Mentalität:
    Zum einen sind die bereits erwähnten Tugenden der deutschen Athleten hervorzuheben. "Ich glaube, dass wir sehr gut und sehr hart arbeiten können. Es war wieder ein beeindruckendes Ergebnis. Wir trainieren einfach gerne und viel", bestätigt Faris Al-Sultan, Champion von 2005, bei SPORT1. Die Fähigkeit, sich ein Jahr lang auf einen einzigen Tag vorzubereiten, zeichnet die deutschen Sportler aus. Doch allein das reicht nicht.
  • Tradition:
    "Was auch noch eine Rolle spielt, ist, dass Triathlon bei uns relativ groß ist. Wir haben eine gute Tradition von hervorragenden Ausdauerathleten, die der "Frodo" jetzt fortgeführt hat. Thomas Hellriegel war schon 1995 Zweiter und vorher Wolfgang Dittrich mal Dritter. Dadurch haben die Leute einfach auch Vorbilder", unterstreicht Al-Sultan die mittlerweile historische Bedeutsamkeit der Sportart in Deutschland.
  • Strukturen:
    Die Tradition ist ein Aspekt, der es vereinfacht, Nachwuchs zu generieren und dazu bringt sich zu quälen. Wo es Idole gibt, da finden sich auch Nachahmer. Diese werden in Deutschland durch die sehr gut funktionierenden Strukturen optimal gefördert und auf den Leistungssport vorbereitet. Zentrum des Erfolgs ist der Bundesstützpunkt der DTU in Saarbrücken, wo auch Frodeno seinen Anlaufpunkt hat. An diesem Standort, wo etwa 70 Prozent des A- und B-Kaders regelmäßig trainieren, sind mit modernen Sportanlagen ideale Voraussetzungen geschaffen.
  • Aufmerksamkeit:
    Durch die Professionalisierung der internationalen Institutionen und Wettbewerbe, mit der die Gründung der Weltserie einherging, wurde die mediale Präsenz des Triathlons gesteigert. Ganz entscheidend dafür war die Aufnahme der Kurzdistanz ins olympische Programm mit der Premiere in Sidney 2000. Nötige Sponsoren wurden an Land gezogen und damit die finanzielle Basis geschaffen, um die aktuellen Erfolge der deutschen Spitzenathleten zu ermöglichen.
  • Teamwork und interne Konkurrenz:
    Auch wenn Triathleten Einzelkämpfer sind  - in Deutschland spielt auch das Teamwork eine entscheidende Rolle. Die deutschen Triathleten haben sich zum Teil zu Trainingsgruppen zusammengeschlossen, um den Kompetenzaustausch voranzutreiben und um sich gegenseitig zu fordern. "Es ist manchmal auch hart für die Jungs aus der zweiten Reihe, was jetzt negativ klingt. Wir haben einfach so viele Leute", bewertet Al-Sultan die große nationale Konkurrenzsituation.

Um die Siegesserie auf Hawaii fortzusetzen, muss aber vor allem die vorbildliche kämpferische Einstellung aufrecht erhalten werden. Für Athleten wie Raelert kein Problem.

"Es wird ihn wurmen, dass er jetzt fünf tolle Ergebnisse auf Hawaii hat, es für einen Sieg aber nicht gereicht hat", sagt Al-Sultan. Ansporn genug also für Raelert, den ganz großen Coup in Angriff zu nehmen. Denn ihn kann auch ein Reifenschaden nicht aufhalten.

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