vergrößernverkleinern
Jan Frodeno will zum dritten Mal in Folge den Ironman auf Hawai gewinnen
Jan Frodeno will zum dritten Mal in Folge den Ironman auf Hawai gewinnen © Getty Images

Auf der Trauminsel Hawaii kann sich Jan Frodeno beim Ironman zum größten deutschen Triathleten krönen. Aber vorher muss er sich wieder stundenlang durch die Hitze quälen.

Wenn ein Mensch Temperaturen jenseits der 35 Grad "gar nicht mal so heiß" findet, sagt das viel aus über dessen Bereitschaft, sich zu quälen.

Bei Jan Frodeno sprengt dieser Einsatzwillen momentan alle Grenzen. Selbst auf der Trauminsel Hawaii, wo sich andere maximal vom Hotelbett bis zum Pool bewegen, hat der 36-Jährige nur sein ganz großes Ziel im Blick: Für den Sieg beim weltberühmten Ironman blendet er "Surfen, Sonne und Palmen" komplett aus.

"Die Realität ist, dass wir uns auf einer relativ geraden, öden Straße durch die Lavawüste kämpfen", sagte Frodeno dem SID im Rahmen eines PR-Termins mit Mercedes-Benz vor der Tortur am Samstag (18.35 Uhr/MESZ): "Das ist ein brutaler Kontrast. Die Landschaft macht es sprichwörtlich zur Sauna."

Und in der will der Kölner seinen dritten WM-Titel in Folge holen und sich zum größten deutschen Triathleten krönen. Frodeno ist in der Form seines Lebens.

Frodeno simulierte Rennen auf Hawaii

Dem großen Ziel alles unterordnend, verzichtete er in dieser Saison auf das Rampenlicht und arbeitete in aller Stille am WM-Hattrick und seiner Leidensfähigkeit. In der Wahlheimat Girona nahe der spanischen Mittelmeerküste trainierte Frodeno regelmäßig bis zur Erschöpfung, brachte sich wieder und wieder ans Limit, um das härteste Rennen des Jahres auf Hawaii zu simulieren.

"Der Gedanke ans Aufgeben ist bei dem Rennen allgegenwärtig", sagte Frodeno. Irgendwann gehe es nur noch ums (sportliche) Überleben. Meist seien es dann aber immer noch 100 Kilometer bis zur Ziellinie. Bestehen werden nur die wahren "Eisenmänner".

Den direkten Vergleich mit der Weltspitze hatte Frodeno in dieser Saison nicht. Bei der EM in Frankfurt verzichtete er auf einen Start - für den Familienvater ein Griff in die psychologische Trickkiste. "Ich bin das so angegangen, um etwas mehr Nervenkribbeln und etwas Ungewissheit zu haben", sagte Frodeno dem ZDF.

Frodeno macht sich großen Druck

Und Deutschlands Sportler des Jahres von 2015 weiß, was er kann. Den größten Druck macht er sich selbst. "Für mich bedeutet ein zweiter Platz Niederlage, Demütigung, Versagen", sagte Frodeno der Bild am Sonntag. Wohl auch, weil er das Gefühl sehr gut kennt.

Nach dem Olympiasieg 2008 war es still geworden um "Frodo", bei dem nicht mehr viel zusammenlief und der kurz davor stand, seine Karriere zu beenden. Doch er änderte seine Einstellung zum eigenen Körper, sah diesen nicht mehr als Feind. Immer im Rücken: seine Familie.

"Ohne sie hätte ich das nie geschafft", sagte Frodeno über den Hawaii-Triumph im vergangenen Jahr. Gerade seine Frau Emma, früher selbst Marathonläuferin, muss in den Wochen vor den großen Rennen zurückstecken. Um den knapp zweijährigen Sohn Lucca kümmert sie sich dann fast alleine. Kind Nummer zwei ist unterwegs.

Am Samstag, wenn die achtstündige Tortur über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,2 km Laufen losgeht, werden zum ersten Mal auch Frodenos Eltern an der Strecke im Urlaubsparadies stehen. "Bisher konnten sie das Rennen nur am Fernseher verfolgen. Es bedeutet mir sehr viel, dass sie jetzt zum ersten Mal mit dabei sind", sagte er.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel