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Maodo Lo hat bisher acht Länderspiele absolviert

München und New York City - Maodo Lo steigt vom Nobody zum deutschen Nationalspieler auf und will zur March Madness. Bei SPORT1 spricht er auch über die EM.

Plötzlich war Maodo Lo in aller Munde.

Die überraschende Nominierung für die Nationalmannschaft im Vorfeld der EM-Qualifikation hatte nicht zuletzt den talentierten Spielmacher selbst überrascht (College Basketball am Mittwoch: Drei Spiele ab 4.30 Uhr, ab 18 Uhr und ab 20.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Jeder fragte sich: Wer ist dieser 21-jährige Berliner von der akademisch weltbekannten Columbia University in New York?

Der Sohn eines Senegalesen und einer deutschen Mutter hatte keine Jugendnationalmannschaft durchlaufen und kam vom kleinen DBV-Charlottenburg über eine High School in Boston in den "Big Apple" zum College-Basketball.

Lo bringt alles mit

Dank Gardemaß für einen Point Guard (1,91 Meter), Explosivität im Eins-gegen-Eins und eines gefährlichen Dreiers (2013/14: 44,6 Prozent) steht er nun in den Notizbüchern aller Talentspäher.

Der Student der Geisteswissenschaften hat aber vor der Profi-Karriere noch Ziele an der Uni. Im SPORT1-Interview spricht Lo auch über seinen ungewöhnlichen Weg, das College-Leben, den NBA-Traum, die Heim-EM 2015 und March Madness.

SPORT1: Herr Lo, die neue Saison im College Basketball läuft. Wie sind Sie in Ihre dritte Spielzeit bei den Columbia Lions reingekommen?

Maodo Lo: Bei mir läuft es individuell schon sehr gut. Wir hatten ein paar Verletzungssorgen und müssen uns als Team noch finden, sind aber sehr optimistisch.

SPORT1: In Deutschland sind Sie spätestens seit Sommer ein Begriff, als Sie in die Nationalmannschaft reinschnuppern durften. Kam die Nominierung auch für Sie überraschend?

Lo: Auf jeden Fall! Ich war mir zunächst gar nicht sicher, ob ich nicht für die A2-Nationalmannschaft nominiert wurde (lacht). Ich habe mich natürlich gefreut und war extrem aufgeregt. Das ging alles sehr schnell.

SPORT1: Haben Sie die Erfahrung genossen?

Lo: Definitiv, ich konnte mir viel abschauen. Es hat mir sehr viel Selbstbewusstsein gegeben. Für mich war es auch schön, den europäischen Stil auf einem so hohen Niveau kennenzulernen. Am College wird ja doch anders gespielt.

SPORT1: Sie sind Point Guard. Können Sie den deutschen Fans Ihren Spielstil beschreiben?

Lo: Es ist immer schwierig, sich selbst einzuschätzen. Ich liebe es, den Ball in der Hand zu haben, Eins-gegen-Eins zu gehen und Würfe für mich oder meine Mannschaft zu kreieren. Außerdem verteidige ich sehr gern und störe den gegnerischen Aufbau.

(Alles zum US-Sport auch bei SPORT1 im Free TV - Do. 18 Uhr "Inside US Sports")

SPORT1: Wie hoch würden Sie Ihre Chancen beziffern, bei der Heim-EM 2015 dabei zu sein - womöglich an Dirk Nowitzkis Seite?

Lo: Schwer zu sagen. Ich hoffe, dass ich jetzt einen Fuß in der Tür habe und wieder eine Chance bekomme. Ich kenne aber den neuen Nationaltrainer Chris Fleming nicht persönlich.

SPORT1: Sie hatten vorher keine U-Nationalteams durchlaufen. Was hat Sie dazu bewogen, den Weg in die NCAA zu gehen? Und speziell in die Ivy League?

Lo: Als ich in Berlin das Abitur fertig hatte, wollte ich weiter Basketball spielen, aber auch studieren. Das ist in Europa schwer, außerdem passt mein athletischer Stil besser in die USA. Deshalb bin ich an die Prep School gegangen, da hat sich die Columbia für mich interessiert. Ich hab mir die Uni dann angeschaut, und New York hat mich gepackt. Da hab ich mir gesagt, hier muss ich hin.

SPORT1: Die Columbia gehört zur Ivy League, einem Zusammenschluss der großen Elite-Universitäten. Dort wird viel Wert auf die akademische Ausbildung gelegt. Wie gut ist der Basketball?

Lo: Sehr gut! Es wird immer etwas unterschätzt, nach dem Motto: da kommen die Bücherwürmer. Teams aus unserer Liga können aber auch Topmannschaften jederzeit schlagen. Im Gegensatz zu anderen Unis wirst du hier als Sportler nicht bevorzugt, du musst deine Leistungen wie jeder andere Student bringen und hart arbeiten.

SPORT1: In Deutschland können sich das viele Leute nicht vorstellen, aber College-Sport ist in den USA fast so groß wie die NBA oder die NFL. Was macht die Faszination aus?

Lo: Ich glaube, die Identifikation mit den Colleges ist größer. Daher kommt auch die einzigartige Stimmung. Zudem gibt es in vielen College-Städten auch kein Profiteam.

SPORT1: Der Sieger der Ivy League darf am Finalturnier March Madness teilnehmen. Sehen Sie eine realistische Chance?

Lo: Natürlich. Das ist mein großes Ziel. Erst beim Turnier kriegst du richtig mit, was College Basketball bedeutet. Das ist Wahnsinn.

SPORT1: Jeremy Lin schaffte es als Point Guard aus der Ivy League in die NBA. Ist das auch Ihr Ziel?

Lo: Jeder Basketballer würde lügen, wenn er behaupten würde, die NBA sei nicht sein Traum. Manche haben Angst, das auszusprechen oder für verrückt erklärt zu werden. Es ist mein Traum, es ist wahnsinnig schwierig, aber nicht unrealistisch.

SPORT1: Gab es eigentlich schon Interesse deutscher Profiklubs oder wollen Sie die vollen vier Jahre am College bleiben und Ihren Abschluss machen?

Lo: Ich will auf jeden Fall meinen Abschluss, das ist mir sehr wichtig. Es darf ja offiziell keinen Kontakt geben, aber Interesse ist schon da (lacht).

SPORT1: Insgesamt spielen in der kommenden Saison 30 Deutsche in der höchsten College-Division. Welche Vorteile hat dieser Weg im Vergleich zu Deutschland?

Lo: Erstens sind es unschätzbare Erfahrungen, die dich auch als Mensch weiterbringen. Zweitens kommt es auf den Spieler an. Für mich war es ein Glücksfall, einigen ist es nicht sich gut ergangen. Es muss individuell passen.

SPORT1: Sie spielen mit Columbia im Dezember auch gegen das Starensemble der Kentucky Wildcats. Ist Kentucky auch für Sie der Titelfavorit?

Lo: Wir freuen uns schon sehr drauf. Wir sehen gegen solche Topteams eigentlich immer gut aus. Im vergangenen Jahr war Michigan State Nummer eins, bis zehn Minuten vor Schluss haben wir sogar geführt. Im Jahr davor haben wir Villanova mit 18 Punkten geschlagen. Kentucky wird eine wahnsinnige Erfahrung, die Meisterschaft geht definitiv nur über sie.

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