München - Die NFL im Winterschlaf, die NBA im Endspurt - doch am College ist die Hölle los. Das March-Madness-Turnier macht die USA verrückt, Niels Giffey erklärt bei SPORT1 warum.

Der Super Bowl ist vielleicht das größte Einzelevent im amerikanischen Profisport, doch nicht nur das Endspiel der Football-Liga NFL kann die USA in den Ausnahmezustand versetzen.

Wenn die NBA-Stars von morgen im March-Madness-Turnier um die Basketball-Krone am College kämpfen, ticken die Uhren der Vereinigten Staaten ebenfalls anders.

Spätestens ab dem "Selection Sunday" – der Tag an dem die Teilnehmer des Turniers bekannt gegeben werden – gehören die Wörter Bracket, Cinderella und Bubble zum festen Sprachgebrauch eines jeden Amerikaners.

"College-Sport ist purer"

ALBA-Profi Niels Giffey, zweimaliger College-Champion mit den Connecticut Huskies (2011 und 2014), erklärt das Phänomen March Madness im Gespräch mit SPORT1:

Wisconsin v Michigan State
Frank Kaminsky (Mitte) von den Wisconsin Bagders feiert den Conference Titel © Getty Images

"In diesem riesen Land sitzen die NBA-Teams nur in den Metropolen. Kentucky, Indiana oder Wisconsin sind alles Universitäten, die nicht in den Großstädten sitzen. Das verbindet die Leute unglaublich mit der Mannschaft. Die Sportler spielen wirklich nur für ihr Team, ihre Region", verdeutlicht Giffey und bringt den College-Sport auf einen einfachen Nenner: " Den College-Sport sehen die Amerikaner als purer. Das Spiel wird noch mit mehr Liebe gespielt als in den Profiligen."

68 Universitäten wird die Ehre zu Teil, ab Mitte März beim größten Basketball-Turnier der Welt anzutreten.

March Madness auf SPORT1 US

SPORT1 US ist LIVE dabei und überträgt ab Donnerstag (19. März, 17 Uhr LIVE auf SPORT1 US und im LIVESTREAM) 32 Partien.

Auch US-Präsident Barack Obama wird sein Bracket – also den Spielplan in Tabellenform – ausfüllen und beim Sender "ESPN" präsentieren.

40 Millionen US-Bürger folgen ihrem Boss und tragen ihre mehr oder minder fachmännisch evaluierten Prognosen in 70 Millionen Brackets ein.

Das Wetten auf den zukünftigen College-Champion nimmt unglaubliche Ausmaße an. Grob geschätzt werden allein in den USA Wetten im Wert von neun Milliarden Dollar platziert.

Das Federal Bureau of Investigation (FBI) schätzt, dass sieben von neun Milliarden Dollar in illegalen Wetten umgesetzt werden.

Verrücktes Turnier, verrückte Wetten

Im vergangenen Jahr setzte Börsen-Guru Warren Buffett eine Milliarde Preisgeld für denjenigen aus, der das komplette Bracket mit allen Partien richtig tippt – gewonnen hat natürlich niemand.

Und das liegt natürlich auch an den regelmäßigen Überraschungen, die so ein K.o.-Turnier bereithält.

Mehr Drama, Baby!

Neben den großen Favoriten sind die sogenannten "Cinderella"-Teams die Lieblinge der US-Fans.

Kleine Colleges, die niemand auf der Rechnung hat, und die im Turnierverlauf ein paar renommierte Teams um ihren großen Titeltraum bringen.

Das ganze Brimborium March Madness beginnt schon mit der Auswahl der Teams. Wer ist dabei, wer nicht?

Die 31 Conference-Champions sind automatisch qualifiziert, das 32. Team ist der Gewinner der Ivy-League-Saison. In der Liga der Eliteuniversitäten wird traditionell kein Conference-Turnier ausgespielt.

Den Rest bestimmt ein zehnköpfiges Gremium, was natürlich regelmäßig für massig Gesprächsstoff bei Fans und Experten – die passenderweise Bracketologen genannt werden – sorgt.

Geht es dann endlich los, sind die Amis nicht mehr zu bändigen.

Familie, Vaterland, Uni! Aus diesen drei Bausteinen ziehen viele Amerikaner ihren Stolz, die Bindung zur Alma Mater ist riesig und hält oft ein Leben lang.

"Eine ganz andere Verbindung zur Uni"

Dementsprechend groß ist der Zuspruch für die alte Lehranstalt, Zuschauer im fünfstelligen Bereich sind auch während der Saison in den Basketball-Tempeln der College-Amateure keine Seltenheit.

"Gerade im Sport ist es etwas Besonderes. Man verfolgt weiterhin die Mannschaft und die Entwicklung der Universität. Ich werde auch sicher im Sommer ein paar Tage in Connecticut verbringen. Es ist schon eine ganz andere Verbindung zur Universität  als in Deutschland", erklärt Giffey.

Ungefähr 15 Millionen Zuschauer werden sich das Final Four, den Showdown der letzten vier Teams, vor dem heimischen Fernseher ansehen.

Bird vs Magic

Der Rekord liegt bei 34,3 Millionen aus dem Jahr 1992, als die Duke Blue Devils auf die legendären "Fab Five" der Michigan Wolverines trafen.

Die höchste Einschaltquote brachte das Duell Magic Johnson (Michigan State Spartans) gegen Larry Bird (Indiana State Sycamores) im Jahr 1979. 34 Prozent der US-Bürger saßen damals vor dem Fernseher.

Auch vor Ort ist das Turnier ein Zuschauermagnet. Das Finale 2015 wird im Football-Stadion der Indianapolis Colts ausgetragen: Fassungsvermögen 70.000 Zuschauer, Irrsinn garantiert!

"Für die amerikanischen Studenten ist es das erste Mal, dass sie von zu Hause weg sind. Für die Amerikaner bedeuten diese vier Jahre an der Universität wirklich absolute Freiheit", beschreibt Giffey die Atmosphäre.

Auf einen deutschen Erfolg wie im vergangenen Jahr mit dem Berliner und den Huskies werden die Fans in "Good Old Germany" in diesem Jahr aber wohl vergeblich warten.

Das deutsche Quintett um Gavin Schilling (Michigan State), Kenneth Ogbe (Utah), Dominique Uhl (Iowa), Max Hoetzel (Indiana) und Frederick Jörg (Eastern Washington) hat 2015 nur Außenseiterchancen.

Wobei das Giffey und die Huskies 2014 auch nicht von der großen Überraschung abgehalten hat.

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