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Kentucky Wildcats Jubel
Die Kentucky Wildcats können als erstes Team seit den Indiana Hoosiers 1976 mit einer perfekten Bilanz Collegemeister werden © Getty

München - Gespickt mit künftigen NBA-Stars walzt Kentucky unter Trainerlegende Calipari mit perfekter Bilanz Richtung College-Titel. Werkann das Überteam von Coach John Calipari stoppen?

John Calipari hat ein Date mit der Geschichte.

Am 6. April winkt dem Talentschmied des College Basketball die Krönung seiner Karriere. Dann könnten seine Kentucky Wildcats im Finale von March Madness ihre perfekte Saison mit der Meisterschaft abschließen.

Bis zum historischen 40:0 - nie zuvor gewann ein College-Team so viele Spiele in einer Saison - sind es noch drei Schritte. Im Achtelfinale "Sweet Sixteen" waren die West Virginia Mountaineers beim 39:78 keine Konkurrenz.

"Das interessiert mich alles gar nicht", sagt Calipari zum Gerede um die perfekte Saison: "Ich will dieses Team immer besser machen und immer das nächste Spiel gewinnen, dann kommt der Titel ganz automatisch. Dieses Ziel ist groß genug."

Cincinnati v Kentucky
John Calipari war einst mit Derrick Rose und den Memphis Tigers schon nah dran an der perfekten Saison © Getty Images

Schon einmal nah an der Perfektion

Wenn einer mit dieser Situation umgehen kann, dann er. Schließlich hat er bereits vor sieben Jahren die legendären Indiana Hoosiers von 1976 unter "General" Bob Knight gejagt.

Damals wackelte die Marke des bis dato letzten ungeschlagenen College-Teams mit einer perfekten Saison gewaltig.

Caliparis Memphis Tigers mit Derrick Rose schafften es 2008 ins Endspiel, ehe ein gewisser Mario Chalmers die Kansas Jayhawks mit seinem in Anlehnung an Michael Jordan "The Shot" genannten Dreier noch in die Verlängerung schoss, wo Memphis die Luft ausging.

"Ich weißt nicht, ob mir diese Erfahrung hilft. Das war ein großartiges Team, aber eine völlig andere Situation als heute. Wir waren trotzdem irgendwie der Außenseiter", sagt Calipari.

Eine ganze Ladung künftige NBA-Stars

Diese Rolle ist ihm mit Kentucky nicht vergönnt. "Big Blue" ist in und um Lexington Religion. Bereits seit September wird über die perfekte Saison geredet und geschrieben, wirklich in Gefahr war sie im Saisonverlauf trotz der gewaltigen Erwartungshaltung nur selten.

Denn der größte Unterschied zu 2008 ist für Calipari, dass er diesmal nicht nur einen kommenden NBA-Superstar (damals Derrick Rose), sondern gleich eine ganze Ladung.

Vanderbilt v Kentucky
Karl-Anthony Towns (Nr. 12) und Willie Cauley-Stein (15) machen für Kentucky hinten dicht © Getty Images

"Sie sind ein großartiges Team. Sie haben eine unglaubliche Tiefe und können jeden Stil mitgehen. Du brauchst einen perfekten Tag, um sie überhaupt in Schwierigkeiten zu bringen", schwärmt North Carolinas Cheftrainer Roy Williams.

Towns und Cauley-Stein dominieren

Tatsächlich kann dieser Tage die Zukunft der NBA im NCAA-Turnier begutachtet werden. Hinter Jahlil Okafor (Duke) könnten gleich mehrere Wildcats in den Top Ten des NBA-Drafts landen.

Der talentierteste Akteur ist sicher der 19-jährige Bulldozer Karl-Anthony Towns. Offensiv noch mit Schwächen, aber mit viel Potenzial ausgestattet, steht er in der Verteidigung mit 2,4 Blocks pro Spiel in Caliparis Tradition von hochtalentierten Big Men wie DeMarcus Cousins, Anthony Davis oder Nerlens Noel.

Dazu kommt der noch längere und defensiv extrem aktive Willie Cauley-Stein, der ob seiner Beweglichkeit selbst Guards verteidigen kann und schon jetzt jedem NBA-Team in der Verteidigung helfen könnte.

"Wir sind ein richtig gutes Duo. Es macht viel Spaß mit Willie. Mit seinen Monster-Blocks oder Dunkings macht er uns immer Feuer", sagt Towns. Einzig die Portland Trail Blazers sind in der NBA im Schnitt größer als Kentucky.

"Wir haben keine Egos"

Doch auch für Freunde des gepflegten Aufbauspiels hat der begnadete Anwerber Calipari eine bunte Mischung hochtalentierter Teenager versammelt.

Die Zwillinge Andrew und Aaron Harrison wurden vor dieser Saison noch durch den klassischen Point Guard Tyler Ulis, den gefährlichen Flügel-Scorer Trey Lyles und Devin Booker ergänzt.

Einzig die Fülle an Qualität und der damit verbundene ständige Wechsel hält die Statistiken im Zaum, aber dieses Starensemble ist auch mit 20 Minuten zufrieden und extrem mannschaftsdienlich.

"Wir haben keine Egos. Uns geht es nur um den Sieg. Jeder nimmt seine Rolle voll an. Das bringt uns hier und auf dem nächsten Level Erfolg", sagt Aaron Harrison.

Cincinnati v Kentucky
Aaron (l.) und Andrew Harrison wollen im zweiten Jahr mit den Kentucky Wildcats den Titel © Getty Images

Final-Pleite gegen Giffey motiviert

Damit beschreibt er perfekt die Motivation, für Calipari zu spielen. Du hast am College die Titelchance und wirst gleichzeitig perfekt für das Stahlbad NBA vorbereitet, wo jeder noch so gehypte Rookie um jede Minute kämpfen muss.

Speziell die Harrisons und Cauley-Stein kamen aber für ihr zweites College-Jahr zurück, um den Titel zu gewinnen. Im vergangenen Jahr waren sie noch im Endspiel an Niels Giffey und den UConn Huskies gescheitert.

"Das ist unsere Motivation, wenn das dann ohne Niederlage klappt, umso besser", sagt Andrew Harrison. Die potenziellen Gegner Notre Dame, Arizona oder Duke sind harte Brocken, aber dieses Team ist auf einer Mission.

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