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Grayson Allen (l.) ist der umstrittenste Spieler im College Basketball © SPORT1-Grafik: Getty Images/ AP

München - Jungstar Grayson Allen leistet sich immer wieder Aussetzer, ein Opfer des üblichen Duke-Hasses ist er aber nicht. Selbst der US-Präsident ist beliebter. Experten warnen.

In diesen Zeiten noch unbeliebter zu sein als Donald Trump, ist ziemlich schwierig.

Der äußerst umstrittene US-Präsident verstört regelmäßig mit wirren Tweets und diskriminierenden Äußerungen, aber zumindest in North Carolina ist ein Basketballer noch unbeliebter.

Dabei ist Grayson Allen von der Duke University unbestritten ein herausragendes Talent und wird spätestens 2018 seine Chance in der NBA bekommen, doch seine regelmäßigen Aussetzer und Unsportlichkeiten machen ihn aktuell zum meistgehassten Spieler des Collegesports.

"Das hat er sich komplett selbst zuzuschreiben. Wenn du dich immer wie ein wütendes Kleinkind verhältst und deine Emotionen nicht kontrollieren kannst, bekommst du Probleme", sagte ESPN-Experte Rece Davis.

Allen in North Carolina unbeliebter als Trump

Tatsächlich löst kein Sportler in den USA momentan so emotionale Reaktionen aus - noch heißer wird nur Trump diskutiert.

Das größte Unternehmen der USA für politische Umfragen, Public Policy Polling, stellte fest, dass Trump in North Carolina eine Zustimmungsrate von -5 besitzt, während Allen sogar bei -16 liegt.

Nur zwölf Prozent der Befragten bewerten Allen positiv, während ihn 28 Prozent negativ betrachten. Wie konnte es für den Star des neben Erzrivale North Carolina beliebtesten Sportteams des Staates so weit kommen?

Duke polarisiert wie Bayern oder Real

Natürlich polarisiert ein so erfolgreiches Team wie Duke. Fünf Meisterschaften und zwölf Final Fours unter dem langjährigen US-Nationaltrainer Mike Krzyzewski bringen nicht nur Bewunderer.

Genauso ergeht es ja auch anderen erfolgreichen Sportteams wie dem FC Bayern München, Real Madrid oder den New England Patriots, denen häufig eine gewisse Arroganz nachgesagt wird.

Damit hatten neben "Coach K" vor allem weiße Stars der Blue Devils über die Jahrzehnte immer wieder zu kämpfen. Das bekannteste Beispiel ist der ehemalige NBA-Profi Christian Laettner, der 1992 als College-Star zum legendären Dream Team von Barcelona gehörte.

Coach K: "Verhalten inakzeptabel"

Der wurfstarke Guard Allen ist aber keineswegs das unschuldige Opfer einer Hexenjagd. Laettner, Coach K und Duke allgemein wurden und werden von vielen Leuten gehasst, weil sie so gut und erfolgreich waren und sind.

Bei Allen liegt es dagegen an seinen Aktionen und seinem Umgang damit. Innerhalb eines Jahres stellte er insgesamt drei Gegenspielern ein Bein und beschwerte sich noch über angeblich ungerechte Behandlung durch die Schiedsrichter.

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Vor Weihnachten zog ihn Krzyzewski sogar für ein Spiel aus dem Verkehr. "Dieses Verhalten ist inakzeptabel und unentschuldbar. Das weiß er selbst. Er muss daraus lernen und sich besser unter Kontrolle haben", sagte der Cheftrainer.

Allen schweigt - Experten warnen

Abgesehen von den öffentlichen Entschuldigungen nach den jeweiligen Vorfällen schweigt Allen, nur um wenig später wieder für Aufsehen zu sorgen.

Zuletzt geriet er in einer Auszeit mit Spielern von N.C. State aneinander, als er demonstrativ eng an ihnen zu seiner Bank vorbeilaufen wollte. Der Twitter-Sturm wird mit jeder Aktion größer. Mittlerweile gibt es sogar einen eigenen Twitter-Account für seine Beinstellaktionen.

"Er muss langsam wirklich aufpassen, nicht in dieser Schublade des 'Dirty Player' zu landen. Das schadet seiner Leistung und seiner weiteren Karriere", sagte unlängst sogar der frühere Duke-Star und heutige TV-Experte Jay Williams.

Sportlich aus dem Tritt geraten

In der Tat verlor Allen zuletzt seinen Platz als Starter und markiert aktuell "nur" 15,1 Punkte pro Spiel - im vergangenen Jahr waren es noch 21,6 bei einer deutlich besseren Wurfquote.

2015 verhalf er Duke als Nobody mit einem starkem Auftritt im Endspiel zur Meisterschaft, nun muss er seine Prioritäten neu ordnen, um die strauchelnden Blue Devils (3 Niederlagen aus 4 Spielen) in die Spur zu bringen und die NBA-Scouts nicht vollends abzuschrecken.

Dann wird der 21-Jährige vielleicht auch wieder beliebter als Trump.

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