vergrößernverkleinern
Florida State v Louisville
Lamar Jackson (m.) ist der Quarterback der Louisville Cardinals © Getty Images

München - Bei den Louisville Cardinals reift ein künftiger NFL-Star heran. Quarterback Lamar Jackson ist im Eilschritt auf Rekord-Jagd. Eine Legende ist begeistert.

Es kann kaum einen größeren Ritterschlag geben als dieses Lob.

Einer der besten College-Spieler der vergangenen 20 Jahre, der einen als "fünfmal besser" als sich selbst bezeichnet: schon eine Hausnummer für Lamar Jackson.

Nach dessen Gala gegen die Florida State Seminoles hatte der legendäre Quarterback Michael Vick genau das getwittert.

Vick revolutionierte mit seiner einzigartigen Kombination aus Schnelligkeit und Armstärke die Spezies des laufstarken Quarterbacks mit spektakulären Aktionen, aber eine solche Dominanz wie Jackson aktuell gelang selbst ihm nie.

"Er ist mein Held, ich würde ihn gern mal treffen. Den ganzen Hype lasse ich aber nicht an mich ran. Ich bin da sehr chillig", erklärt der Hochgelobte.

Favorit auf Heisman Trophy

Der Spielmacher der Louisville Cardinals hat nicht nur statistisch einen nie dagewesenen Saisonstart hingelegt.

Vor dem Kracher bei den ebenfalls ungeschlagenen Clemson Tigers (So, ab 2 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM) ist Jackson der haushohe Favorit auf die Heisman Trophy als bester College-Spieler.

Der 63-Punkte-Erniedrigung von Florida State ließ er in der vergangenen Woche weitere sieben Touchdowns gegen Marshall folgen. Nach vier Spielen stehen für das Phänomen unglaubliche 25 Touchdowns zu Buche - nur eines der 127 Teams in der obersten College-Klasse hat mehr (Michigan mit 28).

Sämtliche Rekorde in der langen Tradition des College Football wackeln gewaltig. Die Bestmarke für Lauf-Touchdowns hält NFL-Ikone Barry Sanders aus dem Jahr 1988 (37), Hawaiis Quarterback Colt Brennan schaffte 2006 insgesamt 63 Touchdowns.

"Seine Moves sind der Wahnsinn, niemand weiß, was er als nächstes tut. Wenn du ihn tacklen willst, lässt er dich einfach stehen", sagt Teamkollege James Quick.

Cornerback statt Quarterback?

Dabei war Jackson an seiner High School in Florida lange ein unbeschriebenes Blatt für die großen Colleges, erst der Wechsel an eine größere Schule in seinem vorletzten Jahr setzte ihn auf die Football-Landkarte.

Trotzdem wurde er nur als Quarterback der dritthöchsten Kategorie geführt (Passquote um 50 Prozent), viele Topteams wollten ihn sogar nur als Cornerback. "Das Problem war, dass unsere Offensive Line nicht sehr gut war. Er musste häufig improvisieren, deshalb sahen die Scouts zu selten, wie gut er aus klassischen Situationen werfen konnte", sagt Evan Caruso, der Athletic Director von Jacksons High School.

Durch einen glücklichen Zufall kam der Kontakt zu Louisville zu Stande. Der streitbare, aber offensiv geniale Bobby Petrino kehrte als Coach zu den Cardinals zurück - und mit ihm sein Receiver-Coach Lamar Thomas, der einst unter Jacksons High-School-Trainer Rick Swain gespielt hatte.

"Hatte nie ein Playbook"

"Ich habe ihm gesagt, er muss herkommen und sich einen ganz besonderen Jungen ansehen", erinnert sich Swain.

Der Rest ist Geschichte. Petrino baute ihn als Freshman im vergangenen Jahr gezielt mit Läufen ein und brachte ihm parallel die Feinheiten des Passspiels bei. "Ich hatte nie ein Playbook in der High School und musste lernen, wie man es liest", erinnert sich Jackson. Im Bowl gegen Texas A&M im Dezember legte er mit 227 Passyards und 226 Laufyards einen Vorgeschmack hin, aber der Durchbruch folgte in dieser Saison.

"Im vergangenen Jahr habe ich mich noch intensiver mit dem Spiel beschäftigt, viel gelesen und Videos geschaut. Der Coach hat mich gepusht, um ein dynamischer Quarterback zu werden", betont Jackson.

2018 in die NFL?

Das Duell mit Clemson wird zeigen, ob für Louisville die Playoffs der vier besten College-Teams machbar sind. Im direkten Duell mit Tigers-Spielmacher Deshaun Watson - einer der aussichtsreichen Profi-Anwärter 2017 - kann Jackson aber auch seine NFL-Ambitionen untermauern.

"Ich bin sehr stolz darauf, wie hart er arbeitet und sich vorbereitet. Er hat ein herausragendes Selbstvertrauen. Gleichzeitig ist er noch so jung, sein Potenzial ist riesig", lobt Coach Petrino.

2018, nach seinem dritten College-Jahr, könnte Jackson frühestens den Schritt machen. Die laufstarken Quarterbacks tun sich bei den Profis zwar häufig schwerer, aber Cam Newton oder eben Vick zeigen, dass es klappen kann.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel