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Daniel Thieben unterschrieb 2011 einen Vertrag bei den Seattle Mariners
Daniel Thieben unterschrieb 2012 einen Siebenjahresvertrag bei den Seattle Mariners © intern

München - Einst mit sattem Bonus gelockt, endet Daniel Thiebens Abenteuer jäh. Wilde Würfe und ein dichtgemachtes Team besiegeln sein Aus.

Von Matthias Ondracek

Drei Jahre lang hat Daniel Thieben seinen Traum gelebt.

Seit 2012 war der deutsche Nationalspieler als Baseball-Profi in den USA aktiv. In der Organisation der Seattle Mariners arbeitete sich der 21-Jährige durch die unteren Minor Leagues, um irgendwann ganz oben zu landen.

Das große Ziel Major League Baseball stand für den ehemaligen Regensburger Internatsschüler über allem. Doch damit ist nun Schluss! Die Mariners kündigten den Vertrag mit dem deutschen Nachwuchstalent (Die MLB LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Neustart des Pitchers in Paderborn

Für Thieben ist seine US-Profi-Karriere damit vorerst zu Ende. "Natürlich bin ich etwas enttäuscht da ich immer Vollgas gegeben und gerne im Spring Training nochmal gezeigt hätte, wie ich mich über den Winter entwickelt habe", sagt Thieben.

Anstatt nach Amerika geht es für den Werfer nun nach Ostwestfalen. Die nächste Station heißt Paderborn. Dort wird sich der gebürtige Niedersachse dem Bundesliga-Team der Untouchables anschließen.

"Mein Plan ist jetzt, mein Abi zu Ende zu machen und da habe ich in Paderborn eine super Schule gefunden. Die Untouchables haben mir sehr geholfen", erklärt Thieben: "Am 1. Februar geht es los."

Kündigung kam für Thieben unerwartet

Während seiner Zeit in den Vereinigten Staaten absolvierte der Pitcher 51 Spiele, zumeist als Einwechselwerfer. In knapp 80 Innings lief Thieben in der untersten Rookie Liga für die AZL Mariners in Arizona sowie die Pulaski Mariners in Virginia auf. 2013 gewann er die Meisterschaft in der Appalachian League.

Die Kündigung traf den ehemaligen Bundesliga-Spieler unerwartet.

"Damit gerechnet habe ich nicht. Vor allem, nachdem ich meiner Meinung nach meine beste Saison gespielt hatte", gesteht Thieben. In der Tat verbesserte er in 18 Spielen in 2014 seinen gegnerischen Punkteschnitt (Earned Run Average) von 6,95 aus dem Vorjahr auf starke 2,73.

Rückkehr zur Europameisterschaft

Noch vor wenigen Wochen war Thieben zur Europameisterschaft in seine Wahlheimat nach Regensburg zurückgekehrt.

"Ich habe mich im Vergleich zur letzten Saison deutlich verbessert und auch gute Ergebnisse gehabt. Nach diesem Jahr bin ich zuversichtlich, dass ich es nächste Saison eine Stufe höher schaffen kann", hatte der frühere Bundesliga-Spieler der Dohren Wild Farmers damals gesagt.

Mit einem Schnitt von 4,41 zugelassenen Punkten in neun Durchgängen und 52 Strikeouts gegenüber 70 Freiläufen während seiner Zeit in der Minor League konnte er seine Organisation aber nicht nachhaltig überzeugen.

Vor allem die relativ hohe Walk-Quote wurde Thieben zum Verhängnis. Zu inkonstant traf er die Strikezone, um sein Pitching-Arsenal gegen geduldige Schlagmänner effizient einsetzen zu können.

Mariners streichen komplettes Team

Thieben wurde eine Änderung im Farm-System der Seattle Mariners zum Verhängnis. Sein letztes Team aus Pulaski wird ab der nächsten Saison der Organisation der New York Yankees angehören.

"Als ich erfahren habe, dass die Mariners nächstes Jahr ein Team weniger in den Minors haben, wusste ich, dass sie jetzt viele Leute entlassen müssen", erklärt Thieben.

"Ich habe schließlich einen Anruf von unserem Farm Director bekommen, der mir sagte, dass sie sich von mir und noch vielen anderen trennen müssen", beschreibt der große gewachsene Rechtshänder.

"Eine unglaubliche Erfahrung"

Trotz des abrupten Endes blickt Thieben mit einem lachenden Auge auf seine Profi-Karriere in den Vereinigten Staaten zurück.

"Ich nehme einiges mit", sagt der Nationalspieler. "Es war eine unglaubliche Erfahrung, die ich gemacht habe. Ich habe jeden Tag mit super Spielern zusammen gespielt und enorm viel über Baseball gelernt. Außerdem war es einfach eine gute Zeit, so lange in Amerika zu wohnen und so viele Leute kennen zu lernen", fährt Thieben fort.

Im November 2011 hatte der damals 18-Jährige in Regensburg seinen maximal sieben Jahre gültigen Profi-Vertrag unterschrieben - für eine sechsstellige Summe Handgeld, wie Thieben SPORT1 verriet. Diese Investition war den Mariners nun nichts mehr wert.

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