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Donald Lutz von den Cincinnati Reds
Donald Lutz feierte 2013 als erster Deutscher sein Debüt in der MLB. © SPORT1

Phoenix - Donald Lutz beginnt die Saison im Farmteam. Bei SPORT1 spricht er über sein Baseball-Leben, Anfänge auf einer Wiese und erzählt, warum er einst im Kleid durch Chicago laufen muss.

Lange war das deutsche Baseball-Aushängeschild Donald Lutz im Spring Training der Cincinnati Reds aus der Major League mit von der Partie. Am Ende hat es wieder nicht ganz für den Kader zum Eröffnungsspiel gereicht.

Wie in den vergangenen Jahren wird der "braune Hulk" im Farmteam der Louisville Bats ein Level unter der MLB auf seine Chance warten (SERVICE: SPORT1 erklärt Baseball).

Im SPORT1-Interview spricht der 26-Jährige über seine Erlebnisse als Profi, seine Anfänge auf einer Wiese in Hessen und erzählt, warum er im Kleid bei Eiseskälte durch Chicago laufen musste (Die MLB, ab 6. April LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

SPORT1: Herr Lutz, Sie sind seit vier Jahren als MLB-Profi im Spring Training dabei. Wie sieht ein Tag im Leben eines Baseball-Profis aus?

Donald Lutz: In Arizona ist alles noch ein wenig anders. Ich stehe morgens um Viertel vor sechs auf und fahre zum Platz. Um halb sieben gibt es Frühstück, jeden Tag das Gleiche: ein kleines Omelett und ein paar Früchte. Dann springe ich kurz in den Hot Tub, um mich zu lockern. Anschließend lasse ich mich stretchen. Danach geht es direkt weiter in den Schlagkäfig. Auf dem kleinen Feld wird dann an der Verteidigung gearbeitet. Dann ist Kraftraum angesagt. Als nächstes folgt ein Teammeeting. Nach dem gemeinsamen Aufwärmen gibt es Batting Practice. Beim Mittagessen ruht man sich noch einmal kurz aus und dann geht es zum Spiel.

SPORT1: Während der Saison beschränkt sich das Ganze aber hauptsächlich auf das Spielen, oder?

Lutz: Sollte individuell jemand noch etwas brauchen, dann geht das. Die Saison hat 162 Spiele und man hat vielleicht einen Tag im Monat frei. Aber jeder hat seine Routine, eigentlich ganz relaxt (Donald Lutz meets Dirk Nowitzki).

SPORT1: Ist die Belastung bei 162 Spielen nicht enorm hoch?

Lutz: Die Belastung ist ziemlich hoch. Man hat öfter seine kleinen Wehwehchen. Es passiert auch, dass man mit 160 km/h abgeworfen wird. Das kann dich ein paar Spiele kosten.

SPORT1: Sprechen Sie da aus Erfahrung?

Lutz: Ja, letztes Jahr wurde ich am Ellbogen getroffen. Es war kurz bevor ich vielleicht wieder die Chance haben würde, in die Major League zu kommen. Da musste ich dann schon auf die Zähne beißen.

SPORT1: Wie ist die Atmosphäre im Team?

Lutz: Natürlich ist nicht unbedingt jeder dicke mit dem anderen, aber es sind auf jeden Fall alles coole Kollegen. Ich war noch nie in einer Mannschaft, in der es richtig Stress gab.

SPORT1: Muss man sich als Jungspund einiges gefallen lassen?

Lutz: Ja, leider gehört das zum Spiel (lacht). Ich weiß noch, damals im September bei den Chicago Cubs. Nach dem Duschen war all meine Kleidung weg. Dann lag da nur ein kleines Päckchen, darin war ein Frauenkleid. Alle Rookies mussten sich verkleiden und bei Eiseskälte durch Chicago laufen. Es war eigentlich ganz lustig.

SPORT1: Sie stehen vor ihrer dritten Saison in der Major League. Müssen Sie sich manchmal kneifen?

Lutz: Ich habe es so langsam realisiert. Manchmal ist es noch ein wenig komisch. Einer unserer Mitspieler - er verdient 220 Millionen Dollar - hat uns vor kurzem seinen Ferrari ausgeliehen und wir sind damit herum gedüst. Da fragt man sich schon manchmal: "Wo bin ich hier?"

SPORT1: Können Sie sich noch daran erinnern, wie alles angefangen hat?

Lutz: Ja (lacht). Ich habe damals in Friedberg auf der Seewiese bei den Braves angefangen. Diese kleine Wiese wird im Winter überschwemmt, so dass man darauf Schlittschuh laufen kann. Zu Sommeranfang mussten wir alles rechen und die Steine, die die Kinder ins Wasser geworfen hatten, wegräumen.

SPORT1: Was war bisher Ihr Highlight?

Lutz: Das war mein erster Homerun in der Major League. Das war am Muttertag 2013. Ich hatte davor noch mit meiner Mutter geredet und sie hat gesagt, 'auf geht’s, schlag einen Homerun für mich'. Als ich ihn dann geschlagen habe, hatte ich nur noch Gänsehaut. Ich bin um die Bases gerannt, 40.000 Leute sind aufgestanden, ein Feuerwerk ging los, beim Jubeln bin ich dann fast noch ausgerutscht, weil ich so aufgeregt war. Das werde ich niemals vergessen.

SPORT1: 2014 ging es dann für Sie rauf und runter. Laugt einen so etwas nicht aus?

Lutz: Ich versuche, mich mental nicht zu belasten. Es ist beim Baseball ohnehin schwer genug, da man öfter scheitert. Ich hatte natürlich selbst höhere Erwartungen an mich, deshalb war ich auch nicht zufrieden. Aber ich habe trotzdem noch drei Monate in der Major League gespielt. Ganz so enttäuschend war es also nicht.

SPORT1: Sie waren diesmal lange beim MLB-Team und sind auf den letzten Drücker wieder nach unten geschickt worden…

Lutz: Ich wollte natürlich in die Mannschaft kommen. Sie haben gesagt, ich bin auf jeden Fall der erste auf der Liste, falls etwas passiert. Ich muss einfach weiter hart spielen. Leider verletzt sich immer mal jemand oder es spielt jemand nicht so gut. Und dann bekomme ich vielleicht erneut meine Chance.

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