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Baltimore Orioles v New York Yankees
Alex Rodriguez erzielte gegen die Orioles seinen 661. Homerun © Getty Images

München - Vor der Saison noch kritisch beäugt, schlägt sich Rodriguez zurück in die Herzen der Yankees Fans. Mit seinem 661. Homerun rückt er auf Platz 4 vor.

Wenn die Fans im US-Sport einen "Curtain Call" fordern, dann ist etwas ganz besonderes passiert.

Und wenn sie in New York, dem Mekka des Profi-Sports, einen Athleten mit Extrahuldigungen beschenken, dann hat das nochmal eine ganz andere Dimension.

Im Falle von Alex Rodriguez wird das Helden-Epos aber auf die Spitze getrieben.

Platz 4 erobert

Der Star aus dem Big Apple erzielte im Spiel gegen die Baltimore Orioles seinen 661. Homerun der Karriere und rückte damit in der ewigen Bestenliste an Willie Mays vorbei auf Platz 4 vor.

Und das alles nach seinem Doping-Skandal, den 162 Spielen Sperre und dem konstant schwelenden Streit mit dem Yankees-Management.

Rodriguez wurde als vom New Yorker Publikum aus dem Dugout gebten und bekam einen Extra-Applaus, den so vor der Saison niemand erwartet hätte.

"Um ehrlich zu sein, ich dachte, dass die Zeiten der Curtain Calls für mich längst vorüber sind", erklärte A-Rod: "Vor einem Jahr wäre es mir nie in den Sinn gekommen, dass ich noch einmal ein wichtiger Bestandteil der Schlagrotation in New York sein könnte."

Ungeahnte Demut bei A-Rod

Der einstige Egomane und abgehobene Superstar übt sich in Demut, findet die richtigen Worte und gewinnt so die Herzen der Fans im kritischen Big Apple für sich.

"Die Liga, die Yankees, die Fans – niemand schuldet mir etwas. Ich bin einfach nur dankbar, wieder Baseball zu spielen", so Rodriguez.

Und wie er spielt. Für A-Rod war es der siebte Homerun der Saison, die Yankees feierten den 18. Saisonsieg (11 Niederlagen) und festigten durch das 4:3 gegen Baltimore die Führung in der East Division der American League vor den Tampa Bay Rays.

Cheftrainer Joe Girardi zeigte sich vom Aufstieg des einstigen Dopingsünders, dem Profi mit der längsten Sperre in der Major League Baseball, wenig beeindruckt.

"Wenn du erfolgreich spielst, dann bekommst du den Respekt des Publikums und sie jubeln dir zu", fasst Girardi die Wandlung vom Buhmann zum Liebling zusammen.

A-Rod wirkt nach seiner Sperre auch menschlich verändert.

Weniger Gewicht und mehr Schwung

Und das auf mehreren Ebenen. Vorbei die Zeiten, als er, aufgebläht durch die Steroide, um die Bases trabte und keinen explosiven Schwung mehr hatte.

Und vorbei die Zeiten, als er kontinuierlich die falschen Dinge zum falschen Zeitpunkt sagte.

Im Alter von mittlerweile 39 Jahren hat er viel Gewicht verloren und erinnert an den A-Rod zu Beginn des Jahrtausends.

Ruth im Visier

Die nächste Etappe auf Rodriguez' Homerun-Hatz wäre Yankee-Legende Babe Ruth, der mit 714 Homeruns auf Rang drei rangiert.

Danach würden Hank Aaron (755) auf Platz zwei kommen, Spitzenreiter ist Barry Bonds (762).

Bonds, der A-Rod im Winter unter seine Trainingsfittiche nahm, ist ebenso wie Aaron so gut wie nicht mehr zu erreichen.

Bonds fast außer Reichweite

Denn sollte Rodriguez seinen jetzigen Schnitt beibehalten, müsste er noch 630 Spiele abreißen, um Bonds 2020 im Alter von 44 Jahren zu überholen. Aaron wäre im September 2019 fällig.

Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Wunder ist gering, denn bislang gelang es nur sechs 44-Jährigen überhaupt, in solch einem hohen Alter einen Ball über den Zaun zu jagen.

Julio Franco war zwischen 2003 und 2007 mit 22 Homern der letzte Profi.

Bleibt noch Ruth – und diesen Meilenstein könnte A-Rod wirklich noch erreichen.

Stand jetzt würde er 331 Spiele benötigen, womit der "Sultan of Swat" im September 2017 eingeholt wäre.

Yankees-Management bleibt hart

Es wäre vielleicht der letzte Höhepunkt eines dann 42-jährigen Alex Rodriguez, der wie Mays nur einmal die World Series (2009) gewinnen konnte.

"Say Hey Kid" Mays überholt, Ruth im Visier - die Homerun-Hatz könnte sich auch finanziell für A-Rod lohnen. Mit der Betonung auf "Könnte".

Denn auch wenn die Fans und New Yorks Presse Rodriguez wieder in ihr Herz geschlossen haben, das Yankees-Management bleibt reserviert.

Keine Prämie

Die vereinbarte Prämie von sechs Millionen Dollar für den Homerun-Meilenstein und Platz vier wollen die Yankees wegen der Dopingangelegenheit nicht zahlen.

Auch die Prämie für Ruth ist gestrichen, doch die Spielergewerkschaft setzt sich für Rodriguez bereits ein.

Und was macht A-Rod? Nichts. "Niemand schuldet mir etwas. Ich bin einfach nur dankbar, wieder Baseball zu spielen."

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