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Rückkehrer: LeBron James (r.) ist wieder bei den Cleveland Cavaliers

Die Rückkehr nach Cleveland hat LeBron James genauso sorgfältig arrangiert wie den neuen Kader. Nur einer könnte querschießen.

Alles begann mit einem Brief. Einem offenen Brief.

Einem perfekt inszenierten offenen Brief.

"I?m coming home", ließ LeBron James am 11. Juli auf die Titelseite der amerikanischen Zeitschrift "Sports Illustrated" verlauten.

Der verlorene Sohn kehrt zurück in seine Heimatstadt, zu seinem Heimatverein. Als Herzensgelegenheit schilderte er die Entscheidung.

Ein neues Königreich für den König

Jetzt ist er da. Und die Cleveland Cavaliers sind plötzlich der Topfavorit auf den Titel in der NBA. Auch wenn das nur wenige dort offen ansprechen wollen. "Ich habe keine Lust, ständig darüber zu sprechen, wie wir spielen werden", sagte Coach David Blatt jüngst: "Wir wollen gut spielen. Wie klingt das?"

Auch James hatte in seinem Brief Geduld erbeten und das Erreichen der Playoffs als Ziel ausgegeben.

Wesentlich realistischer klingt da die klare Ansage von Center Anderson Varejao: "Wir wollen Meister werden und jeden schlagen."

Denn "King" James hat Miami sicher nicht hinter sich gelassen, um den Preis des fairsten Teams zu gewinnen. Er möchte in Cleveland das wiederholen, was er bei den Heat in den vergangenen Jahren geschafft und geschaffen hat, und was ihm zuvor bei den Cavs nicht gelungen war.

Ein neues Königreich errichten - in Ohio statt Florida.

Architekt James

Dazu hat sich James erneut eine Meistertruppe gebastelt. Seine Meistertruppe - schließlich ist es kein Geheimnis, dass er in Cleveland auch in Sachen Kaderplanung ein gewichtiges Wort mitredet.

Wie in Miami gibt es auch nun wieder ein von ihm angeführtes Dreigestirn. Die "Big Three" in Cleveland heißen James, Kyrie Irving und Kevin Love. Sie sind die (womöglich noch stärkere) Kopie von James, Dwyane Wade und Chris Bosh.

Besonders Love, den die Cavs aus Minnesota verpflichtet haben, sollte noch besser an der Seite seiner Majestät funktionieren - auch wenn Bosh ihn vor dem Dasein in James Schatten warnt (News)..

Doch Love ist nicht nur ein überragender Rebounder, sondern auch ein - für einen Big Man ungewöhnlich - exzellenter Werfer, Vorlagengeber und Dreipunkteschütze, was ihn viel unberechenbarer macht als Bosh (mit dem James seit seinem Wechsel übrigens kein Wort mehr geredet hat).

Und plötzlich Titelfavorit

Genau so einen Spielertyp an der Seite James' haben stets alle gefürchtet. Dass es nun zu der Kombination kam, war durch Clevelands Draftglück möglich.

An Position eins gelost, schnappte man sich im Draft Andrew Wiggins, in dem Wissen, dass man ihn im Fall der Fälle für viel Gegenwert auch wegtauschen könnte.

Schon in James' Brief fand Wiggins mit keinem Wort Erwähnung. Wieso auch? James wusste, dass er ihn nicht braucht. Mit Kyrie Irving haben die Cavaliers bereits einen der besten Spielmacher der Liga, dem es lediglich hin und wieder an Führungsqualität fehlt.

Der Plan war also klar und ging auf: Wiggins wurde für einen Star auf der großen Position abgegeben. Damit waren die Cavs mit einem Schlag Titelkandidat Nummer eins.

Das bessere Miami

Auch sonst erinnert vieles an Miami - nur eben besser. Shawn Marion, Ex-Teamkollege von Dirk Nowitzki, führt eine Riege von erfahrenen Rollenspielern an, die als Neuzugänge kamen.

Er selbst gibt immer noch den dynamischen Forward, Mike Miller und James Jones, beide auch in Miami an der Seite von James, sind die obligatorischen Dreierspezialisten.

Dazu hat Cleveland mit Anderson Varejao, Tristan Thompson und Brendan Haywood verschiedene Optionen auf Position vier und fünf, die je nach Bedarf Erfahrung, Emotion oder Dynamik ins Spiel bringen können.

Abzuwarten bleibt lediglich, wie sich der extrovertierte Dion Waiters in die Mannschaft fügt. Er neigte bisher oft zu Alleingängen, ist aber, was seine spielerischen Fähigkeiten angeht, ein hochtalentierter Guard.

Spielerversteher Blatt als Faktor

Auch Trainer Blatt ist eine interessante Figur. Er kommt mit haufenweise Erfahrung von europäischen Vereinen in die USA ? und kann sich dort direkt an der Seite der Besten profilieren.

Blatt gilt als Trainer, der viel mit seinen Spielern kommuniziert und das Feingefühl im Umgang mit Stars besitzt. Auch das scheint zu passen.

Insofern wirkt der Kader der Cavs vor der neuen Saison ähnlich perfekt arrangiert wie die Rückkehr des zwischenzeitlich abgewanderten Königs.

Alles begann mit einem Brief.

Wie es endet? LeBron James hat sicher auch dafür eine Antwort - und das passende Briefpapier.

Copyright Bild: getty

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